zur Navigation springen

Hamburg

06. Dezember 2016 | 09:21 Uhr

Eröffnung : Elbphilharmonie: Beeindruckende Bilder aus Konzertsaal und Plaza

vom

Am Freitag wurde die Plaza der Elbphilharmonie eingeweiht. Der Besuch der Plattform wird später über Tickets geregelt.

Hamburg | Zwei Monate vor der Eröffnung der Elbphilharmonie ist die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe am Freitag mit einem Festakt eingeweiht worden. Nach knapp zehnjähriger Bauzeit und einer Kostenexplosion wurde das spektakuläre Gebäude der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron zugleich offiziell vom Bauunternehmen Hochtief an die Stadt Hamburg übergeben. Auch das Hotel und die Gastronomie auf drei Etagen öffneten für die Besucher.

„Dass Hamburg sich entschieden hat, die Elbphilharmonie zu errichten, ist eine richtige Entscheidung gewesen“, sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im großen Konzertsaal. Ursprünglich sollte das schlagzeilenträchtige Gebäude bereits 2010 eröffnet werden. Die Kosten stiegen von 77 auf 789 Millionen Euro.

Die Elbphilharmonie sei nicht nur ein architektonisch faszinierender Ort, sondern die Besucher könnten auch eines der besten Konzerthäuser der Welt erleben, sagte Scholz. Trotz der immensen Kostensteigerungen und Bauverzögerungen hätten sich am Ende „alle zusammengerauft und es letztlich hingekriegt“. Architekt Jacques Herzog sagte: „Wir sind glücklich, weil das Gebäude fertig geworden ist, und wir hoffen, dass die Menschen es lieben werden.“ Politik könne etwas Positives bewegen in einer Stadt, das sei ein wichtiges Zeichen. Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes betonte: „Eine der gewaltigsten baulichen Herausforderungen ist zu ihrem geplanten Ende gekommen.“

Der Grundstein für die „gläserne Welle“ auf einem alten Kaispeicher im Hamburger Hafen wurde im April 2007 gelegt. Bereits beim Richtfest im Mai 2010 war klar, dass das Konzerthaus viel teurer werden wird als geplant. Eine unfertige Planung und überforderte Politiker seien der Grund für das Baudebakel gewesen, stellte ein Untersuchungsausschuss fest. Die Elbphilharmonie, die am 11. Januar 2017 mit einem Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters eröffnet wird, soll einmal zu den zehn besten Konzerthäusern der Welt gehören.

Wie sieht es in dem Gebäude aus? Im Laufe des Tages sehen Sie ein Video unseres Video-Teams auf shz.de. Ein kleiner Vorgeschmack:

 

Diese Fotos aus dem Innern des Hauses zeigen unter anderem den Konzertsaal:

Innen offenbart sich die Größe des Konzertsaals.
Innen offenbart sich die Größe des Konzertsaals. Foto: dpa
 
Das Wellenförmige zieht sich als Thema durch das ganze Gebäude.
Das Wellenförmige zieht sich als Thema durch das ganze Gebäude. Foto: dpa
Auch der Blick an die Decke des Konzertsaals lohnt sich.

Auch der Blick an die Decke des Konzertsaals lohnt sich.

Foto: dpa
Im Glas reflektiert sich das Licht.

Im Glas reflektiert sich das Licht.

Foto: dpa
Die Leuchte an der Decke ist beeindruckend.

Die Leuchte an der Decke ist beeindruckend.

Foto: dpa
 

Zum Festakt werden Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes, Generalintendant Christoph Lieben-Seutter sowie die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron erwartet. Aber auch Anwohner der benachbarten Hafencity und ehemalige Hafenarbeiter sind eingeladen.

Hintergrund: Die wichtigsten Etappen beim Bau der Elbphilharmonie

Nach neuneinhalb Jahren Bauzeit und jahrelangen Querelen um Kostensteigerungen und Bauverzögerungen übergibt der Baukonzern Hochtief die Elbphilharmonie an die Stadt Hamburg. Eine Chronologie der Ereignisse:

- Oktober 2001: Der Architekt Alexander Gérard tritt an den Hamburger Senat mit der Idee heran, eine neue Konzerthalle auf dem Kaispeicher A zu realisieren.

- Juni 2003: Die Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron präsentieren den ersten Entwurf der Elbphilharmonie: eine gläserne „Welle“ auf dem alten Kaispeicher.

- Juli 2005: Die erste Machbarkeitsstudie geht von Gesamtkosten in Höhe von 186 Millionen Euro aus. Der Anteil der öffentlichen Hand soll bei 77 Millionen Euro liegen. Geplante Eröffnung 2010.

- November 2006: Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gibt bekannt, dass die Elbphilharmonie teurer wird als geplant. Die Kosten steigen auf 241,3 Millionen Euro, der Anteil der Stadt auf 114,3 Millionen Euro.

- April 2007: Grundsteinlegung Elbphilharmonie.

- November 2008: Kultursenatorin Karin von Welck räumt ein, dass sich die Kosten für den Steuerzahler um 209 Millionen Euro auf 323 Millionen Euro erhöhen. Neuer Eröffnungstermin ist im Mai 2012.

- Mai 2010: Der von der Hamburger Bürgerschaft eingesetzte parlamentarische Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf, um die Ursachen der Kostensteigerungen herauszufinden.

- Mai 2010: Richtfest auf der Baustelle der Elbphilharmonie. Die Feierlichkeiten werden von Protesten begleitet.

- Juli 2011: Der Baukonzern kündigt erneut eine Verzögerung an. Nun soll die Elbphilharmonie am 15. April 2014 übergeben werden.

- November 2011: Stillstand auf der Baustelle: Hochtief stellt die Arbeiten am Dach wegen Sicherheitsbedenken ein.

- 2. Februar 2012: Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sagt vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Er übernimmt die politische Verantwortung, würde aber wieder so entscheiden.

- 14. April 2012: Der Senat legt einen Plan zum Weiterbau der Elbphilharmonie vor. Gleichzeitig setzt die Stadt Hochtief ein Ultimatum, das Dach bis zum 31. Mai abzusenken.

- 23. November 2012: Das Saaldach der Elbphilharmonie wird erfolgreich abgesenkt, d.h. mit dem Gebäude verbunden. Der Streit darüber war einer der wesentlichen Gründe für den Baustillstand.

- 15. Dezember 2012: Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) verkündet, dass die Stadt die Elbphilharmonie mit Hochtief zu Ende bauen will. Dafür erhält der Baukonzern erneut 200 Millionen Euro, übernimmt aber auch sämtliche Risiken. Fertigstellungstermin: Oktober 2016.

- Juni 2013: Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gibt bekannt, wie viel die Elbphilharmonie insgesamt - mit Hotel und Parkhaus - die Stadt kosten wird: 789 Millionen Euro, zehnmal so viel wie geplant.

- April 2014: Der parlamentarische Untersuchungsausschuss legt seinen Abschlussbericht vor. Danach sind eine unfertige Planung und überforderte Politiker für das Baudesaster verantwortlich.

- 26. Juni 2015: Die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe wird der Presse vorgestellt. Kommentar von Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos): „Da bleibt einem die Spucke weg.“

- 3. Februar 2016: Die „weiße Haut“ des japanischen Akustikers Yasuhisa Toyota im Großen Saal ist fertig. Die innovative Wandverkleidung soll auf 2100 Plätzen vollen Klanggenuss ermöglichen.

- 11. April 2016: Generalintendant Christoph Lieben-Seutter stellt das Programm für die erste Saison in der Elbphilharmonie vor. Das NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Thomas Hengelbrock wird das Konzerthaus am 11. Januar 2017 unter anderem mit einer Uraufführung von Wolfgang Rihm eröffnen.

- 30. Juni 2016: Der große Konzertsaal mit 2100 Plätzen wird vom Bauunternehmen Hochtief an die Stadt übergeben. Neben Restarbeiten stehen nun die Abnahme des Saals und der technische Probebetrieb an.

- September 2016: Erste Geheimprobe des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Thomas Hengelbrock. Sein Kommentar: „Prima, Herr Toyota. Den nehmen wir!“

- 31. Oktober 2016: Der Baukonzern Hochtief übergibt intern das fertige Gebäude an die Stadt Hamburg. Auf der gläsernen Fassade erscheint durch erleuchtete Fenster das Wort „FERTIG“.

- 4. November 2016: Festakt zur Übergabe des Gebäudes. Die Plaza, das Hotel und die Gastronomie werden für die Besucher geöffnet.

 

Da die Kapazität auf der Plaza begrenzt ist, wird der Besuch über Tickets geregelt, Konzertbesucher brauchen später kein Extra-Ticket. Wer an einem bestimmten Tag kommen möchten, kann die Tickets für 2 Euro vorbuchen, kostenlose Tickets für einen Besuch am selben Tag sind ab 5. November im neuen Besucherzentrum und im Eingangsbereich der Elbphilharmonie sowie im Internet nach Verfügbarkeit erhältlich.

Es dürfen nicht mehr als 1200 Besucher zur gleichen Zeit auf die Plaza. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass das Besucherinteresse auch stark vom Wetter abhängig sein wird.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Nov.2016 | 14:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen