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Hamburg

10. Dezember 2016 | 17:47 Uhr

Boran Burchhardt : Eklat in Hamburg: Künstler plant Haus aus Gold – mit Steuergeldern

vom

Boran Burchhardt will ein Haus mit Blattgold veredeln, zahlen soll die 85.600 Euro die Stadt. Was dahinter steckt.

Hamburg | Riesenwirbel um ein geplantes Kunstprojekt im Hamburger Problemviertel Veddel: Künstler Boran Burchardt will dort eine Häuserwand komplett mit Blattgold belegen, zahlen soll die Stadt. Das Kunstwerk ist mit 85.600 Euro veranschlagt, allein 63.000 davon entfallen auf das Material aus „23,5-Karat-Doppelrollengold“. Sabine Glawe vom Steuerzahlerbund Hamburg ist entsetzt: „Dieses aus Steuergeldern finanzierte Kunstprojekt ist an Dekadenz kaum noch zu überbieten. Wir fordern die Kulturbehörde auf, dieses Projekt zu stoppen.“ Das allerdings ist unwahrscheinlich.

Bewilligt hat die Vergoldungsaktion die Kunstkommission der Kulturbehörde, ein Expertengremium für Kunst im öffentlichen Raum. „Es wäre höchst ungewöhnlich, wenn die Kulturbehörde eine solche Entscheidung der Kunstkommission rückgängig machen würde“, stellt Behördensprecher Enno Isermann klar. Das Gremium handele bewusst unabhängig von politischen Einflüssen, um die Freiheit der Kunst zu gewährleisten. Finanziert werden die von der Kommission ausgewählten Vorhaben aus dem städtischen Haushalt.

Im kommenden März will Boran Burchardt die Fassade des fünfstöckigen, schmucklosen Wohnhauses an der Veddeler Brückenstraße 152 mit Folie verzieren. Die Backsteinwand soll auf 300 Quadratmetern unter Gold verschwinden. Etwa 25 Jahre werde die teure Hülle halten, heißt es. Was will der Künstler uns damit sagen? Sinn des Projektes sei es „Wirkung zu erzielen“ für einen Stadtteil, der sonst oft in einem negativen Kontext auftauche. Für ihn sei entscheidend, „dass Veddel und Gold in einem Zusammenhang genannt werden“, erläuterte Burchardt, der gerade als Quartierskünstler in dem Stadtteil arbeitet. 2009 wurde er bundesweit bekannt, als er die Minarette der Centrums-Moschee in Hamburg-St. Georg mit grünen und weißen Sechsecken bemalte.

<strong>Der Hamburger Künstler Boran Burchhardt</strong>  vor den Minaretten der Centrum-Moschee im Hamburger Stadtteil St. Georg. In einer spektakulären Kunst-Aktion, die auch in der Türkei Aufsehen erregte,  hatte er die 20 Meter hohen Türme mit grünen Sechsecken bemalt. Foto: ddp
Der Hamburger Künstler Boran Burchhardt vor den Minaretten der Centrum-Moschee im Hamburger Stadtteil St. Georg. In einer spektakulären Kunst-Aktion, die auch in der Türkei Aufsehen erregte, hatte er die 20 Meter hohen Türme mit grünen Sechsecken bemalt. Foto: ddp Foto: ddp
 

Die lokale Politik im Bezirk Mitte lehnt die teure Vergoldung entschieden ab. Falko Droßmann (SPD), Chef des Bezirksamts Mitte, nennt das Projekt „grotesk“. Der SPD-Bezirksabgeordnete Klaus Lübke, selbst Bewohner der Veddel, ist sauer: „Hier wird der Stadtteil als Leinwand missbraucht.“ Von einem „falschen Zeichen“ spricht Grünen-Mitte-Fraktionschef Michael Osterburg. So viel Steuergeld für die Vergoldung einer Hausfassade auszugeben sei den Bürgern nur schwer zu vermitteln.

Die städtische Wohnungsgesellschaft Saga GWG hat als Eigentümerin des Wohnblocks kein Problem mit der Goldaktion – im Gegenteil. Sprecher Michael Ahrens: „Kunst und Kultur bringen Menschen zusammen, regen zu Diskussionen an und stärken die Identifikation mit dem Quartier.“

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erstellt am 03.Nov.2016 | 17:38 Uhr

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