zur Navigation springen

Hamburg

04. Dezember 2016 | 09:17 Uhr

Ausstellung „Manet sehen. Der Blick der Moderne“ : Édouard Manet: Diese Werke sind in der Hamburger Kunsthalle zu sehen

vom

35 Werke des französischen Malerei-Pioniers werden ab Freitag (27. Mai) ausgestellt. Im Mai ist der Eintritt kostenlos.

Das Beste zum Schluss: Für das Finale ihres Eröffnungsmonats hat sich die modernisierte Hamburger Kunsthalle eine Ausstellung von Weltformat aufgespart. Bis zum 4. September ist dort eine herausragende Ausstellung mit Werken des französischen Malerei-Pioniers Édouard Manet (1832-1883) zu sehen. Knapp 40 Bilder vereint die Schau, von denen 35 als Leihgaben aus Museen von Chicago bis Honolulu bis zusammengetragen wurden. Dieser Umstand sei schon ein „kleines Wunder“, befand Kunsthallen-Direktor Hubert Gaßner am Donnerstag. „Die meisten Häuser haben nur einen einzigen Manet.“

Viele Meisterwerke seien in Hamburg zu sehen, schwärmte Gaßner am Donnerstag, hörbar stolz auf diesen gelungenen Ausstand seiner Amtszeit. Nach zehn Jahren gibt er den Posten des künstlerischen Museumschefs in Kürze ab. Allein sechs Jahre habe er darauf verwendet, diese Ausstellung zusammenzustellen.

Edouard Manets „Nana“.
Edouard Manets „Nana“. Foto: Axel Heimken
 

Unter dem Titel „Manet - Sehen. Der Blick der Moderne“ gelingt eine seltene Übersicht des meisterlichen Schaffens, von der Früh- bis zur Spätphase. Hamburg sei als Schauplatz dafür im Übrigen besonders gut geeignet, betonte Gaßner. Die Kunsthalle der Hansestadt verfüge über drei Werke des großen Modernisierers in ihrem Bestand - und damit mehr als jedes andere Museum hierzulande.

„Le déjeuner dans l'atelier“ (Das Frühstück im Atelier).
„Le déjeuner dans l'atelier“ (Das Frühstück im Atelier). Foto: Axel Heimken
 

Der Schau legt buchstäblich ein ganz besonders Augenmerk auf die Bilder jenes Mannes, der als großer Provokateur seine Zeitgenossen in der Pariser Gesellschaft vor 150 Jahren gegen sich aufbrachte. Manet habe in seiner Malerei die Sehgewohnheiten ein für allemal revolutioniert, so Gaßner. "Zum ersten Mal taucht der Betrachter nicht in die Bilder ein, vielmehr schaut das Bild den Betrachter an." Mit bis dahin nicht gewagter Selbstverständlichkeit und Direktheit blicken die Figuren von den Bildern ins Publikum.

In der Ausstellung: „Victorine Meurent“, gemalt von Edouard Manet.
In der Ausstellung: „Victorine Meurent“, gemalt von Edouard Manet. Foto: Axel Heimken
 

Auf den meisten der häufig großformatigen Porträts suchen die Figuren intensiven Augenkontakt. Dies niemals scheu, sondern selbstbewusst, nicht selten gar herausfordernd. Was uns heutzutage angesichts andauernder Bildpenetranz selbstverständlich ist, war zu Manets Zeit pure Provokation. Zumal der Künstler als Motive oft Personen aus Randgruppen wählte. So hoben seine kraftvollen Ölgemälde Prostituierte, Bettler, Schausteller und andere plötzlich auf Augenhöhe mit der kunstsinnigen Pariser Elite.

Eine Anmaßung sondergleichen, die Manet zeitlebens die heftigste Ablehnung des damaligen Establishments sicherte, ihm aber zugleich zeitlosen Ruhm verschaffte. Der Maler gilt heute als einer der wichtigsten Wegbereiter der künstlerischen Moderne. Nicht nur die Impressionisten erkoren ihn als zu ihrem Wellenbrecher, auch Performance-Künstler unserer Zeit berufen sich indirekt noch auf die kompromisslose Art, wie ihr Vorbild die Beziehung zwischen Betrachter und Kunstwerk von Fesseln befreite.

Manets „L'artiste“.
Manets „L'artiste“. Foto: Axel Heimken
 

Zu den Stärken der Hamburger Schau zählt, dass sie diesen Einschnitt nachvollziehbar macht. Sie versammelt wesentliche Schlüsselwerke und stellt einige sehr wirkungsvoll als Bildpaare zusammen. Ganz so, wie es im Pariser Salon des 19. Jahrhundert üblich war.

Herausragende Werke sind unter anderem „Der Balkon“ (1868/69) und „Nana“ von 1877. Bezugnehmend auf die Figur der Madame Pompadour befreit Manet darin die junge Kokotte von jeglicher Aura der Unterwürfigkeit. Keck wendet sich das Amüsiermädchen in züchtiger Unterwäsche aus ihrem Ankleidezimmer heraus dem Voyeur zu. Eine bemerkenswerte Pose der Emanzipation. Gaßner: „Sie ist plötzlich nicht mehr Objekt der Begierde.“ 

Die Hamburger Schau legt auch Wurzeln der Kreationen frei. So lassen Bilder der altspanischen Großmeister Goya und Velazquez diese als Inspiratoren erkennen.

Das Thema des Sehens behandeln die Ausstellungsmacher schließlich auch auf andere Weise. In einem Raum sind die Besucher aufgefordert, ihren Mitmenschen einfach mal auf Manet'sche Weise ganz direkt in die Augen zu sehen. Das Ergebnis überrascht. Lohnenswert. Markus Lorenz


Die Ausstellung „Manet sehen. Der Blick der Moderne“ läuft bis 4. September 2016 in der Hamburger Kunsthalle (Glockengießerwall 5). Im Mai ist der Eintritt frei, danach zwölf Euro, ermäßigt sechs Euro.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Mai.2016 | 18:25 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen