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Hamburg

11. Dezember 2016 | 14:58 Uhr

„Klein-Manhattan“ in Hamburg : Deutschlands erste Hochhaus-Wohnanlage: Vor 70 Jahren wurde der Grundstein gelegt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In der Nachkriegszeit waren sie hochmodern, heute stehen die Grindelhochhäuser in Harvestehude unter Denkmalschutz. Heute vor sieben Jahrzehnten war Grundsteinlegung.

Hamburg | Wie sich die Zeiten ändern. In der Nachkriegszeit waren sie hochmodern, heute stehen die Grindelhochhäuser im Hamburger Stadtteil Harvestehude unter Denkmalschutz. Etwa 3000 Menschen leben zurzeit in Deutschlands erster Hochhaussiedlung, die 1956 nach zehnjähriger Bauzeit fertiggestellt wurde und ursprünglich für die Unterbringung britischer Offiziere gedacht war.

1946 beginnt die britische Militärregierung mit dem Bau der Grindelhochhäuser in Harvestehude. 1949 wird das Projekt von der SAGA übernommen und die Wohnungen werden zu Sozialwohnungen umgeplant. 1956 sind die zwölf Hochhausscheiben fertig gestellt. In den 1970er- und 1980er-Jahren verfielen die Bauten. Sie waren vielen Hamburgern ein Dorn im Auge. Heute ist das Areal aber wieder beliebt.

„Ich habe das Gefühl, in einem Park zu wohnen“, sagt Ulrike Olbers (53), die seit drei Jahren in einem der von altem Baumbestand und viel Grün gesäumten Häuser lebt. In den Grünanlagen tummeln sich Eichhörnchen, Raben und zahlreiche Singvögel. Im Sommer bietet der Naturschutzbund (Nabu) dort Führungen durch die Vogelwelt an. „Früher habe ich gesagt: Ich ziehe nie in ein Hochhaus. Heute empfinde ich das als angenehmes Wohnen.“

Die Lage der einzigen innerstädtischen Hochhaussiedlung Hamburgs ist top. Gründerzeitvillen, hochwertige Grünanlagen wie der benachbarte Innocentia-Park, die Nähe zur Universität und Innenstadt prägen den begehrten Stadtteil. Wer in einem der zehn der städtischen Wohnungsgesellschaft Saga- GWG gehörenden Grindelhochhäuser wohnt, darf sich glücklich schätzen. Die Nettokaltmiete für die 17 bis 85 Quadratmeter großen Wohnungen mit dem in den oberen Etagen spektakulären Ausblick über das Hamburger Häusermeer beträgt durchschnittlich 7,41 Euro – für die exponierte Wohnlage ist der Quadratmeter-Preis geradezu ein Schnäppchen. Im elften Haus hat die Stadt das Bezirksamt Eimsbüttel untergebracht, das zwölfte gehört einem Investor.

In den 1950er Jahren wurden sogar Postkarten mit den Grindelhochhäusern gedruckt.
In den 1950er Jahren wurden sogar Postkarten mit den Grindelhochhäusern gedruckt. Foto: Stahlpress-Archiv
 

Seit 1999 steht das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz. Ursprünglich hatte die britische Besatzungsmacht die Grindelhochhäuser als Quartier für ihre Offiziere geplant. Das „Hamburg project“ sah vor, etwa 35.000 Verwaltungsangehörige in der Hansestadt zu stationieren. Bis zum September 1947 sollten die Neubauten bezugsfertig sein.

Doch bei der ehrgeizigen Zeitvorgabe hatten sich die neuen Herren verschätzt: Es fehlte an Baumaterialien und geeignetem Personal. „Die überall in der britischen Zone zwangsverpflichteten Arbeitskräfte, die in der Hansestadt unter hygienisch und verpflegungsmäßig untragbaren Bedingungen in Lagern aus Baracken und Nissenhütten leben mussten, flohen trotz Strafandrohung in großer Zahl zurück in ihre Heimatorte“, schreibt der Historiker Axel Schildt in seiner Studie über die Grindelhochhäuser.

Die Grindelhochhäuser sind ein denkmalgeschütztes Ensemble von zwölf Hochhäusern, die im Hamburger Bezirk Eimsbüttel nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Sie galten damals als die ersten Hochhäuser Deutschlands.

Die Grindelhochhäuser sind ein denkmalgeschütztes Ensemble von zwölf Hochhäusern, die im Hamburger Bezirk Eimsbüttel nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Sie galten damals als die ersten Hochhäuser Deutschlands.

Foto: picture-alliance
 

Als die britische Besatzungsmacht sich nach Zusammenlegung der amerikanischen und britischen Besatzungszone Anfang 1947 zum „Vereinigten Wirtschaftsgebiet“ (Bizone) zur Aufgabe ihres Hauptquartiers in Hamburg entschloss, um nach Frankfurt auszuweichen, hinterließ sie der Stadt eine Bauruine mit zwölf fertigen Fundamenten und zigtausend Tonnen Stahl. Nach langem Hin und Her fasste der Senat 1949 den Beschluss, das von den Engländern begonnene Projekt zu beenden. So entstand unter Federführung der Saga Deutschlands modernster Wohnkomplex mit mehr als 2000 Wohnungen.

Als die ersten Häuser von „Klein-Manhattan“ mitten in Hamburg endlich fertig waren, sorgten sie schnell überregional für Aufsehen. Zu Zeiten des aufkeimenden Wirtschaftswunders galten die von 1946 bis 1956 erbauten ersten Wohnhochhäuser Deutschlands als letzter architektonischer Schrei. „Bei diesem Anblick muss man etwas Amerikanisches trinken“, schwärmte der Reporter des Hamburger Abendblatts 1952.

In der denkmalgeschützten ehemaligen Tankstelle am Grindel bietet ein Fahrradhändler exklusive Modelle an.
In der denkmalgeschützten ehemaligen Tankstelle am Grindel bietet ein Fahrradhändler exklusive Modelle an. Foto: Stahlpress
 

Anfangs waren die Mieten noch hoch, die Ausstattung für die damaligen Verhältnisse war jedoch top: Es gab Müllschlucker, Tiefgaragen, Fernsehantennen, Fernwärme sowie eine Infrastruktur mit Läden und einer Zentralwäscherei. Für die ersten drei kleineren Wohnblöcke mit 466 Einheiten, die 1951 bezugsfertig waren, gab es mehr als 5500 Bewerber. Schnell zog reichlich Prominenz ein, darunter die Schauspielerin Ruth Niehaus und der Opernintendant Rolf Liebermann, die im 14. Stock residierten. Nachbarn waren der Chef des Gesundheitsamts Kurt Glaser, der Maler Arnold Fiedler und der Mitbegründer des literarischen Expressionismus Kurt Hiller.

Doch im Laufe der Jahrzehnte verblasste der Glanz, der Zahl der Zeit nagte an den Häusern. Als sie in den 1990er Jahren langsam zu verrotten drohten, investierte die Saga-GWG 75 Millionen Euro in die Modernisierung. Ein Grund dafür, dass sich die Wohnanlage bei den aktuell rund 3000 Mietern großer Beliebtheit erfreut. „Die Bewohner bilden einen Querschnitt der Gesellschaft ab: Dort wohnen Singles, Paare und kleine Familien“, sagt Saga-GWG-Sprecherin Kerstin Matzen. Das Unternehmen achte am Grindel besonders auf „soziale Ausgewogenheit“ bei der Auswahl der Mieter. Die Mischung scheint zu stimmen, die Wohnungen sind wieder hochbegehrt.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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