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Hamburg

05. Dezember 2016 | 01:30 Uhr

„Explosive Live!“-Tour 2016 : David Garrett brilliert in Hamburg

vom

„So richtig knallen tut es dann aber doch nicht. Muss es aber auch nicht. David Garrett reicht“, resümiert sh:z-Redakteurin Mona Adams das Konzert.

Hamburg | David Garrett ist brillant. Seine Fingerfertigkeit an der Geige macht ihn zu einem der ganz großen Musiker der Welt. Das konnte er am Freitagabend in der Barclaycard-Arena in Hamburg unter Beweis stellen. Ein Hit: seine Band und die Mitglieder der „Neuen Philharmonie Frankfurt“. Gewöhnungsbedürftig: das Bühnenkonzept.

In der Mitte ein rundes Podest, drumherum die Zuschauer arrangiert: Die Bühne ist imposant und doch bescheiden. Die Mitglieder der „Neuen Philharmonie Frankfurt“ arrangieren sich auf simplen Dreh- und Klappstühlen. In der Mitte stapelt sich die sechsköpfige Band zwischen Plexiglaswänden, Barhockern und Notenständern. Kaum möglich, aber dennoch zu sehen: zu „Midnight Waltz“ oder Michael Jacksons „They don't care about us“ finden auch noch seine sechs Tänzer aus dem deutschen Fernsehballett auf der Bühne Platz. Ständig in neuen Kostümen, mit auffallenden - nicht immer synchronen - Choreographien, schießen Arme und Beine empor und haben als zentrales Ziel, weder Klarinette, noch Kontrabass der musizierenden Kollegen der ersten Reihe von der Bühne zu fegen. Es ist voll, wuselig, ablenkend, für diejenigen in der Halle, die es mitkriegen, andere sehen von alledem fast gar nichts. Weitere Herausforderung: Die innere Ebene der Centerstage dreht sich. Schwindelfrei fährt ein David Garrett Karussell. Diese neue Bühne soll das Highlight der Show sein. Ist es nicht. Das ist Garrett. Das Durcheinander lenkt nur von einem ab: der hervorragenden Interpretation und Geigenkunst des Künstlers.

Garrett ist locker, läuft Geigespielend seine Runden durch die Arena, versammelt sich mit seiner Band im Stuhlkreis und auch sonst mimt er bewusst den charming Garrett. Er sieht nicht mehr so wild aus. Die Haare sind akkurater im Zopf, der Dreitagebart nur maximal einen Tag alt, die dunkle Jeans hängt nicht mehr ganz so tief. Er ist älter geworden. Der Geiger blickt mit seinen 34 Jahren auf eine beeindruckende Karriere zurück.

Im Alter von vier Jahren bekommt er seine erste Geige und bereits mit zehn absolviert er seinen ersten Auftritt mit den Hamburger Philharmonikern. Als Dreizehnjähriger erhielt er als jüngster Künstler einen Exklusivvertrag bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere entschloss er sich dann aus seinem vorgezeichneten Lebensweg als klassischer Geiger auszubrechen. Er immatrikuliert sich an der renommierten Juilliard School in New York. Seither mischt er Klassik mit Pop-, Rock- und Rhythm-and-Blues-Elementen.

Der bunte Mix aus den 80er, 90er und dem besten von Heute ist auch in Hamburg zu hören. Doch alles ist rockiger, elektronischer geworden. Er spielt „Viva la vida", „Midnight Waltz“, Michael Jacksons "They don't care about us“ oder „Piano Concerto No. 1“ (Tchaikovsky), aber auch seine eigenen Songs wie „Explosive“. So auch schon auf seinem neuen Album zu hören. Nicht weniger als elf Stücke – rund 70 Prozent der Scheibe, sind Eigenkompositionen, die er mit mit Bandmitglied Franck van der Heijden schrieb. So kommt es auch, dass der Crossover-Künstler auf der Bühne viele eigenen Songs präsentiert, mit viel Elektro-Bumms-Beat. Manchmal gar zu viel. Was dafür fehlt ist der nahbare David Garrett, seine Persönlichkeit. Stattdessen gibt es oberflächliches, auswendig gelerntes Geplänkel mit „Ihr seid meine Inspiration“ und simplen Botschaften von Selbstvertrauen und Liebe.

Hamburg ist die siebte Station von David Garretts „Explosive Live!“-Tour 2016 nach Mannheim, Nürnberg oder Dortmund. Doch auf einmal ist in Hamburg alles anders, nicht mehr eingespielt. Zum Finale gibt es Sicherheitsbedenken bei der Pyrotechnik. Sein Rage Against the Machine-Cover „Killing in the name of“ braucht aber genau das. „Ich hab da eine Idee“, beginnt der Geiger. Er hat sich Gedanken gemacht. Die Handys der Zuschauer sollen die Blitze selber erzeugen. Das Lied muss brennen, ruft er, und beginnt seine Geige zu spielen: stürmisch, aggressiv, dynamisch. Dazu Blitzlichter aus dem Publikum. So richtig knallen tut es dann aber doch nicht. Muss es aber auch nicht. David Garrett reicht.

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erstellt am 26.Nov.2016 | 13:03 Uhr

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