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Hamburg

27. Juli 2016 | 23:04 Uhr

„CSCL Indian Ocean“ : Containerriese liegt mindestens bis Dienstag in der Elbe fest

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Einsatzkräfte pumpen Schweröl aus dem Frachter, um ihn für den nächsten Bergungsversuch leichter zu machen.

Stade | Das in der Elbe auf Grund gelaufene Containerschiff „CSCL Indian Ocean“ soll am Dienstag vor Tagesanbruch freigeschleppt werden. Nach derzeitigen Vorhersagen und Berechnungen öffne sich ein Zeitfenster für einen Schleppversuch, den das Havariekommando und die Reederei nutzen wollen, teilte das Havariekommando am Freitag in Cuxhaven mit. Dann soll die erhöhte Flut einen erneuten Versuch möglich machen.

Die Havarie führt zu einer neuen Diskussion über die Elbvertiefung. Die Hansestadt Hamburg will seit langem die Elbe so ausbaggern, dass Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 13,50 Meter Europas zweitgrößten Containerhafen unabhängig von Ebbe und Flut erreichen können. Tideabhängig sollen sogar Frachter mit einem Tiefgang von 14,50 Meter die Elbe passieren können. Darüber muss aber noch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheiden.

Über das Gebiet wurde ein Flugverbot verhängt, was bei derartigen Unfällen üblich ist, um den ungehinderten Zugang für Einsatzfahrzeuge zu sichern. Zwei Versuche, den Schiffsriesen abzuschleppen, sind bereits gescheitert. Die „CSCL Indian Ocean“ war am Mittwochabend nahe Stade auf Grund gelaufen. Gegenwärtig werden Schweröl und Diesel aus dem Schiff abgepumpt, um es leichter zu machen. Sollte es nicht gelingen, das Schiff mit Schleppern freizubekommen, so müssten Container gelöscht werden. Das ist bei einem so großen Schiff auf Grund noch nie notwendig gewesen und wäre technisches Neuland.

Die Bergungskräfte hatten gehofft, den auf Grund gelaufenen Frachter mit der Flut und der Hilfe von sieben Schleppern freizubekommen. Diese haben jeweils Zugkräfte von bis zu rund 90 Tonnen. Zuvor war ein erster Schleppversuch in der Nacht mit sechs Schleppern gescheitert. Das Havariekommando in Cuxhaven übernimmt die Einsatzleitung, teilte die Behörde mit. Die Gefahr eines Sinkens beziehungsweise einer Umweltverschmutzung habe zu keiner Zeit bestanden. Die Schifffahrt auf der Elbe werde durch die Lage des Havaristen nördlich des Hauptfahrwassers nicht beeinträchtigt. Kommt der Containerriese frei, werde er nach Hamburg geschleppt.

Den Verkehr auf dem Fluss behindert das Containerschiff nicht mehr.

Den Verkehr auf dem Fluss behindert das Containerschiff nicht mehr.

Foto: dpa

Politiker und Umweltschützer kritisieren Schiffsverkehr auf der Elbe

Unterdessen wächst die Kritik an den Riesenschiffen auf der Elbe. „Ein solcher Unfall war schon länger zu befürchten und es sind auch weitere Vorfälle dieser Art in Zukunft nicht auszuschließen“, sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). „Dieser Unfall verursacht hohen wirtschaftlichen Schaden, denn der Hamburger Hafen wird im Betrieb gestört.“ Außerdem verängstige der Vorfall tausende Bürger, die hinter den Deichen an der Elbe leben. „Die Havarie zeigt einmal mehr, wie dringend wir eine Kooperation der norddeutschen Häfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven brauchen.“

Ein Bild aus der Nacht zu Freitag.

Ein Bild aus der Nacht zu Freitag.

Foto: dpa
 

Der Unfall rief auch die Umweltschützer auf den Plan. „Die Havariegefahr wächst mit der Größe der Schiffe. Es ist fahrlässig, dass die politischen Entscheider dieses ökologische, nautische und finanzielle Risiko täglich in Kauf nehmen und herunterspielen“, teilte das Aktionsbündnis Lebendige Tideelbe aus BUND, Nabu und WWF mit. Der Unfall sei ein weiteres Argument für eine Hafenkooperation, da die Mega-Frachter im Tiefwasserhafen Wilhelmshaven ohne Probleme abgefertigt werden könnten.

So kam es zu der Havarie

Ursache der Havarie ist nicht die Verschlickung oder die vermeintlich mangelnde Tiefe der Elbe, sondern ein Schaden an der Ruderanlage. Das Schiff war nach Angaben der Hamburger Polizei mit einem Tiefgang von etwa elf Metern auf dem Weg von Felixstowe nach Hamburg. Gegen 22.10 Uhr am Mittwochabend habe die Schiffsführung der Verkehrszentrale Brunsbüttel einen Ausfall der Ruderanlage gemeldet. Das Schiff lief auf Grund fest.

Die Wasserschutzpolizei hat an Bord Beweismittel gesichert, ermittelt weiterhin nach der Ursache und sichert den geplanten Einsatz mit Funkstreifenbooten ab. Das Havariekommando aus Cuxhaven hat ihr Mehrzweckschiff „Neuwerk“ an die Unfallstelle geschickt.

Wahrscheinlich wegen eines Ruderschadens ist das Schiff außerhalb der Fahrrinne steckengeblieben.
Wahrscheinlich wegen eines Ruderschadens ist das Schiff außerhalb der Fahrrinne steckengeblieben. Foto: Oliver Gabriel

Am Vormittag kamen etliche Schaulustige zum Elbdeich, um den Giganten und die Rettungsmanöver zu beobachten. Die Wirtin vom Hotel „An der Elbe“, Iris Cohrs, staunte: „Sowas hatten wir hier noch nicht“, sagte sie. „So stelle ich mir die Arche Noah auf dem Berg vor.“ Eine weitere Elbanrainerin wunderte sich nicht über den Zwischenfall: „Die Schiffe werden immer größer. Irgendwann musste das passieren.“ Der Schiffsriese soll maximal rund 19.000 Container laden können.

Die „CSCL Indian Ocean“

Die „CSCL Indian Ocean“ ist eines von fünf baugleichen Schiffen, die in den Jahren 2014 und 2015 auf der koreanischen Hyundai-Werft für die Reederei China Shipping gebaut wurden. Das erste Schiff der Serie, die „CSCL Globe“, war für einige Monate das größte Containerschiff der Welt, ehe es von der „MSC Oscar“ abgelöst wurde. Die Schiffe sind 400 Meter lang und 58,60 Meter breit und können knapp 19.000 Container tragen. Sie fahren unter der Flagge von Hongkong im Liniendienst zwischen Europa und Fernost. Angetrieben werden die Schiffe vom größten Motor der Welt, einem Zweitaktmotor von MAN B&W mit einer Leistung von 56 800 Kilowatt (77.227 PS). Sie können eine Spitzengeschwindigkeit von 25 Knoten (46 Kilometer pro Stunde) erreichen.

 

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erstellt am 05.Feb.2016 | 17:33 Uhr

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