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Hamburg

28. März 2017 | 00:31 Uhr

Ungelöste Morde und Gewaltverbrechen : „Cold Case Unit“: Hamburger Polizei stellt neue Ermittlungseinheit vor

vom

95 Prozent der Taten werden aufgeklärt. Einige Fälle aber bleiben ungelöst. Hier kommt die neue Einheit ins Spiel.

Hamburg | Mit den ersten sechs Fällen hat eine neue Ermittlungsgruppe der Hamburger Polizei ihre Arbeit an ungelösten Kapitalverbrechen begonnen. „Bei uns haben Tote eine Lobby“, sagte Frank-Martin Heise, der Chef des Landeskriminalamtes (LKA), am Dienstag in der Hansestadt. Er hat die neue Ermittlungseinheit mit vier Kriminalbeamten vor einem halben Jahr eingerichtet. „Mord verjährt nicht“, sagte Heise. „Wer einen Menschen ermordet hat, soll sich niemals sicher sein, dass er nicht doch noch zur Verantwortung gezogen wird.“ Zudem könne es auch für die Angehörigen der Opfer eine Entlastung bedeuten, wenn ein Täter nach Jahren oder Jahrzehnten noch ermittelt werden könne.

Die neue Ermittlungseinheit, auf neudeutsch „Cold Case Unit“, sichtet nun ungelöste Mordfälle bis zurück in die 1950er Jahre, die neu bearbeitet werden. Um wie viele Fälle es sich möglicherweise handelt, konnte die Polizei nicht sagen. Jedes Jahr werden bundesweit rund 300 Todesfälle als Mord eingeschätzt. Die Taten werden zu 95 Prozent aufgeklärt, doch 10 bis 20 Fälle bleiben ungelöst.

Die Polizei setzt bei den neuen Ermittlungen darauf, dass einerseits noch einmal neue Aussagen und Spuren auftauchen können. „Zeit verdeckt nicht nur Spuren, Zeit legt auch Spuren frei“, sagte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Steven Baack. So könnten sich Zeugen äußern, die vor Jahren aus verschiedenen Gründen geschwiegen oder denen die Täter zwischenzeitlich Geheimnisse anvertraut hätten. Zum anderen profitieren die Ermittler von den Fortschritten in der Fallanalyse, der Kriminaltechnik und der Gerichtsmedizin. Auch bereits vorhandene Spuren könnten so zu neuen Erkenntnissen führen.

Einer der ersten Fälle konnte bereits gelöst werden. In dem Mordfall von 1978 wurde ein Verdächtiger angeklagt und rechtskräftig freigesprochen, weil er für den damals festgestellten Todeszeitpunkt des Opfers ein Alibi hatte. Eine erneute Untersuchung durch die Rechtsmedizin ergab, dass mit den damals verfügbaren Methoden der Todeszeitpunkt nicht korrekt bestimmt werden konnte und der freigesprochene Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter war. Er ist allerdings bereits gestorben.

Weitere Ermittlungen betreffen einen Mordversuch in den Boberger Dünen aus dem Jahr 1975 sowie das ungeklärte Verschwinden der zehnjährigen Hilal Ercan im Januar 1999 in Hamburg. Über die übrigen drei bearbeiteten Fälle erteilt die Polizei keine Auskunft.

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erstellt am 07.Mär.2017 | 07:45 Uhr

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