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Hamburg

04. Dezember 2016 | 04:57 Uhr

Landgericht Hamburg : Brandanschläge statt Abriss: Haftstrafen für Vermieter

vom

Zwei Männer beauftragten einen anderen mit Brandanschlägen - zwei Anschläge scheiterten. Dann war das Haus unbewohnbar.

Hamburg | Wegen zwei Brandanschlägen auf ein Einfamilienhaus in Hamburg-Bergstedt hat das Landgericht am Donnerstag zwei Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein 36-Jähriger soll wegen versuchter schwerer Brandstiftung in zwei Fällen für drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Ein 35-jähriger Mitangeklagter erhielt wegen Anstiftung zu den Taten eine Strafe von zweieinhalb Jahren. Nach Überzeugung des Gerichts hatten die beiden Männer einen 19-Jährigen beauftragt, das Haus in Brand zu setzen.

Hintergrund der Taten war ein Rechtsstreit zwischen den Bewohnern und dem Vermieter. „Das Haus sollte unbewohnbar gemacht werden, der Mieter gezwungen werden, das Mietobjekt zu verlassen“, sagte der Vorsitzende der Strafkammer, Matthias Steinmann. Der Vermieter habe das Haus abreißen wollen, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Die beiden Brandanschläge im Mai 2015 scheiterten, ein dritter im Juli vergangenen Jahres machte das Haus unbewohnbar. Zuvor hatte es nach Angaben des Mieters Einbrüche, Farbschmierereien und einen Anschlag mit Buttersäure gegeben.

Die Bewohner entschlossen sich nach dem dritten Brandanschlag zum Auszug. Sie einigten sich mit dem Vermieter, wie der Mieter beim Prozessauftakt im Februar vor Gericht sagte. Der Vermieter selbst erklärte als Zeuge, er habe den Mietern 160.000 Euro gezahlt, damit sie ausziehen und er das Grundstück neu bebauen könne. Eine Erklärung für die Brandanschläge hatte er jedoch nicht. „Ich stehe jetzt natürlich blöd da“, hatte er erklärt.

Die Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft dauern an. „Wir haben überprüft, wer ein Motiv haben könnte“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Bislang habe sich aber kein Verdacht konkretisiert.

Auch in dem viereinhalbmonatigen Strafprozess habe nicht geklärt werden können, wer der wahre Hintermann der beiden versuchten Brandanschläge war, erklärte der Vorsitzende Richter. Er bezeichnete die Taten als „Selbstjustiz“. Ein Rechtsstreit müsse vor Gericht ausgefochten werden und nicht mit Gewalt. Solche Taten berührten das Gewaltmonopol des Staates. „Das Recht selbst in die Hand zu nehmen, ist schlimm und bedenklich“, sagte Steinmann.

Die beiden Angeklagten sind nach Angaben des Gerichts bereits „massiv vorbestraft“, jeweils rund 20 Mal, unter anderem wegen Raub und Körperverletzung. Sie hätten eine „Affinität zu Rockern“ und fühlten sich zu Gewalt und zur organisierten Kriminalität hingezogen. Die beiden Angeklagten boten dem drogenabhängigen und mittellosen 19-Jährigen im Mai vergangenen Jahres 1500 oder 2000 Euro Belohnung für die Brandstiftung. Der 36-Jährige fuhr ihn zum Tatort, wie Chatprotokolle und Telefondaten belegten.

Weil beim ersten Versuch nur geringer Sachschaden entstand, unternahmen die Täter einen zweiten Versuch. „Hier wird die kriminelle Energie deutlich sichtbar“, sagte Steinmann. Doch diesmal wurde der 19-Jährige von einer Videokamera erfasst und von der Polizei festgenommen. Später wurde er zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Er sagte im Prozess gegen die beiden Männer als wichtiger Zeuge aus.

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erstellt am 07.Jul.2016 | 10:59 Uhr

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