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Hamburg

07. Dezember 2016 | 15:40 Uhr

Lürssen : Blohm+Voss wird verkauft: Bremer übernehmen die Hamburger Werft

vom

Die Bremer Lürssen-Werft kauft die Hamburger Werft Blohm+Voss. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.

Hamburg/Bremen | Die Bremer Werft Lürssen übernimmt das Hamburger Traditionsunternehmen Blohm+Voss. Darauf habe sich Lürssen am vergangenen Wochenende mit dem bisherigen Eigentümer und Investor Star Capital geeinigt, teilte das Schiffbauunternehmen am Mittwoch in Bremen mit. In Hamburg wurde die Übernahme positiv aufgenommen. Mit der Übernahme strebe Lürssen ein langfristiges Engagement an.

Als Neumitglied der Lürssen-Unternehmensgruppe, die seit Jahren als Branchen-Schwergewicht gilt, soll der Schiffbaustandort an der Elbe auch in den für Werften weiterhin schwierigen Zeiten langfristig gesichert werden.  

Damit wolle Lürssen vor allem das Leistungsspektrum für die Reparatur, die Überholung und Aufwertung von Jachten, Marine- und kommerziellen Schiffen innerhalb der Unternehmensgruppe abrunden sowie das Neubaugeschäft von Marineschiffen. Das Kartellamt muss der Übernahme noch zustimmen. „Mit Blohm+Voss übernehmen wir eine Werft, die über vielseitig einsetzbare Fazilitäten an einem strategisch günstigen Standort verfügt“, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter der Lürssen Maritime Beteiligungen GmbH & Co. KG, Peter Lürßen.

Offen bleibt dagegen, ob am Standort Hamburg künftig auch Luxusjachten gebaut werden. Bislang bemühte sich Blohm+Voss erfolglos um neue Aufträge in diesem Marktsegment, das zu den besonderen Stärken der deutschen Werften gehört. „Inwieweit wir den Standort zukünftig zur Fertigung von Jachten nutzen werden, wird vor allem von der Marktentwicklung abhängen und ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu beantworten“, sagte der Chef des Bremer Familienunternehmens, Peter Lürßen.

Blohm+Voss - Hamburger Werft mit wechselhafter Geschichte

Die Hamburger Werft Blohm+Voss wird im nächsten Jahr 140 Jahre alt und hat in dieser Zeit eine wechselhafte Geschichte erlebt. Gegründet von Hermann Blohm und Ernst Voss begann die Werft mit dem Bau kleiner Frachtschiffe. Ein enormer Aufschwung setzte am Ende des 19. Jahrhunderts ein, als sich Blohm+Voss als Hauptbauwerft für Schlachtkreuzer der Kaiserlichen Marine durchsetzte. Die militärischen Aufträge lasteten die Werft aus und warfen sichere Gewinne ab.

Auch der Erste und der Zweite Weltkrieg waren Blütezeiten für die Werft, die auch U-Boote herstellte. Während der Nazi-Zeit baute Blohm+Voss so berühmte Schiffe wie das Kreuzfahrtschiff „Wilhelm Gustloff“, das in der Endphase des Krieges mit 9000 Flüchtlingen an Bord von einem russischen U-Boot versenkt wurde. Oder das Schlachtschiff „Bismarck“, das als das kampfstärkstes und größtes der Welt galt und schon wenige Monate nach der Indienststellung 1941 versenkt wurde. Tausende von Zwangsarbeitern aus ganz Europa, auch aus dem KZ Neuengamme, arbeiteten auf der Werft, die bei Kriegsende weitgehend zerstört war.

Nach dem Krieg startete Blohm+Voss fast bei Null und wurde mit dem Bau von Massengutfrachtern und später auch Containerschiffen wieder eine große Werft. Auch Marineschiffe gehörten wieder zum Produktionsprogramm. Die Familie Blohm zog sich nach und nach zurück; das Sagen bekam der Thyssen-Konzern. Ende der 60er Jahre beschäftigte Blohm+Voss rund 8000 Arbeitnehmer, heute sind es noch 1000.

 

Blohm+Voss wurde im Dezember 2011 von ThyssenKrupp an die Fonds des britischen Private-Equity-Investors Star Capital verkauft. Das Unternehmen beschäftigt knapp 1000 Mitarbeiter. Mit Lürssen verbindet Blohm+Voss eine langjährige Zusammenarbeit im Bereich der Marineschiffe, zuletzt beim Bau der Fregattenklasse F125 für die Deutsche Marine. Wenn der Kauf vollzogen ist, wird aus Lürssen eine Werftengruppe mit 2800 Mitarbeitern und sechs hoch spezialisierten Standorten in allen fünf Küstenländern. Ob der Eigentumswechsel mit dem Verlust von Arbeitsplätzen verbunden sein wird, ist bislang nicht klar.

Die Übernahme fand bei der Hamburger Politik und der Gewerkschaft ein positives Echo. „Das ist eine große Chance für den maritimen Standort Hamburg“, sagte der Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). „Damit wird der Werftbetrieb auf ein solides Fundament für die Zukunft gestellt.“ So könne Blohm+Voss neue Kunden gewinnen und dauerhaft Beschäftigung am Standort Hamburg sichern, sagte er dem NDR. Blohm+Voss sei nicht nur eine Traditionswerft, sondern ein wesentlicher Baustein für den Schiffbau in ganz Deutschland.

Auch die IG Metall Küste reagierte positiv auf die Übernahme. „Für Blohm+Voss ist das eine gute Nachricht, aber wir erwarten nun nähere Informationen, wie der Standort weiter entwickelt werden soll, vor allem im Hinblick auf die Beschäftigung und die Arbeitsplätze“, sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken. Lürssen sei ein Unternehmen, hinter dem eine Unternehmensstrategie und Aufträge stünden. Unter dem Dach der Gruppe habe Blohm+Voss größere Entwicklungschancen als mit dem Finanzinvestor Star Capital. Die Gewerkschaft sei durch die Übernahme überrascht worden und war zuvor nicht informiert. Lürssen hatte bereits in der Vergangenheit versucht, Blohm+Voss zu übernehmen.

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erstellt am 28.Sep.2016 | 12:46 Uhr

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