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Hamburg

07. Dezember 2016 | 19:20 Uhr

Hamburg : Betrug mit Röntgenkontrastmitteln: Angeklagte müssen ins Gefängnis

vom

Mit falschen Abrechnungen hat die Radiologie-Gesellschaft Hanserad Krankenkassen und Beitragzahler um Millionen betrogen.

Hamburg | Seine Komplizen müssen hinter Gitter, doch der mutmaßliche Haupttäter des millionenschweren Betrugs im Radiologie-Imperium Hanserad bleibt einstweilen unbehelligt: Das Hamburger Landgericht hat am Donnerstag einen ehemaligen Hanserad-Geschäftsführer (59) und einen Apotheker (66) wegen Abrechnungsbetruges in 26 Fällen schuldig gesprochen. Der 59-Jährige muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis, der Apotheker erhielt eine Haftstrafe von fünf Jahren.

Ärzten sei es nicht erlaubt, von Einnahmen der Apotheken zu profitieren, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsverkündung. Mit dieser Methode habe das angeschlagene Kliniknetzwerk versucht, sich vor der Pleite zu retten. Laut Gericht hatte der mit Haftbefehl gesuchte Hanserad-Chef Prof. Wolfgang A. (59) jahrelang über den Apotheker deutlich zu große Mengen an Röntgenkontrastmitteln bestellt und dafür Massenpreisrabatte kassiert. Mit den Krankenkassen rechnete das Unternehmen dann weit höhere Beträge ab. Bei der Insolvenz des bundesweiten Radiologie-Verbundes fanden die Ermittler mehr als doppelt so viele Vorräte an Kontrastmitteln wie notwendig. Die überhöhten Rechnungen zahlten die gesetzlichen Krankenkassen - und damit die Beitragszahler. Laut Gericht liegt der Schaden bei mindestens acht Millionen Euro.

Die beiden Verurteilten waren nach Überzeugung der Großen Strafkammer in 26 Fällen aktiv an den krummen Geschäften beteiligt, in weiteren zehn Fällen wurden sie als Mitwisser wegen Beihilfe verurteilt. Die Kammer blieb deutlich unter den Strafanträgen der Staatsanwaltschaft, die acht und sieben Jahre Haft gefordert hatte. Im Plädoyer hatte die Anklagebehörde zudem den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung vorgeworfen, die Angeklagten durch lasche Kontrollen geradezu zum Betrug eingeladen zu haben. Die Verteidigung forderte Freisprüche. Ihre Mandanten hätten nicht gewusst, dass das gewählte Verfahren strafbar sei. Der Anwalt des Apothekers kündigte noch im Gericht Revision an.

Der mutmaßliche Drahtzieher verfolgte den Prozess aus sicherer Entfernung am Persischen Golf. Nach der Insolvenz seines Unternehmens war der Bergedorfer Radiologe Prof. A. Ende 2012 nach Dubai geflohen. Der Ehren-Professor hatte ab den 1990er Jahren ein Netz von Radiologie-Praxen in Deutschland aufgebaut, das bis zu 300 Mitarbeiter beschäftigte und auch in Neumünster und Geesthacht vertreten war. Der Erfolgsmediziner galt in der Branche als „Sonnenkönig“, dem zusehends das Maß verloren ging. Über Anwälte lässt der Beschuldigte regelmäßig seine Unschuld beteuern – nach Hamburg zurückkehren will er nicht. Sein Verfahren wurde abgetrennt. Eine Aufforderung, als Zeuge im Prozess gegen seine Kollegen auszusagen, hatte A. abgelehnt.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 19:02 Uhr

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