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Hamburg

11. Dezember 2016 | 11:07 Uhr

Landgericht Hamburg : „Beim Essen immer krüscher“: Neuer Prozess um Tod von Baby Lara Mia

vom

Lara Mia war 2009 mit knapp neun Monaten gestorben. Der 29-jährige Vater ist wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen angeklagt.

Hamburg | Bei ihrem Tod im März 2009 wog Lara Mia nur noch 4,8 Kilogramm, halb so viel wie in ihrem Alter normal. Mehr als sieben Jahre nach dem Tod des kleinen Babys muss sich der Stiefvater nun vor dem Hamburger Landgericht erneut verantworten. Am ersten Prozesstag am Donnerstag wollte der 29-Jährige sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Stattdessen wurde das Vernehmungsprotokoll der Polizei vom 11. März 2009 verlesen. Damals hatte der Stiefvater angegeben, das Mädchen sei in den Wochen vor ihrem Tod „beim Essen immer krüscher geworden“.

Auf die Frage, ob der Angeklagte sich ausreichend um das Baby gekümmert habe, hatte dieser ausgesagt: „Nicht wirklich, sonst wäre sie ja noch am Leben.“ Er und seine Lebensgefährtin hätten sich bereits Sorgen gemacht und am Tag ihres Todes „eigentlich zum Arzt gehen wollen“. Jedoch gab der Stiefvater auch an: „Wir hatten Angst, dass das Jugendamt sie uns wegnimmt.“ Ferner habe er strafrechtliche Konsequenzen aufgrund des Zustands des Kindes befürchtet.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Totschlag durch Unterlassen vor. In der Anklageschrift hieß es, der Lebensgefährte der Mutter habe das Kind „ab Oktober 2008 nicht mehr ausreichend ernährt“. In der Folge sei das Mädchen immer dünner und schwächer geworden und „spätestens ab Februar 2009 erkennbar lebensbedrohlich unterernährt“ gewesen. Er habe zudem „billigend in Kauf genommen, dass das Mädchen an den Folgen der Unterernährung sterben könnte“.

Der Angeklagte war bereits im Jahr 2010 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil erfolgreich Revision ein. Da der Stiefvater aufgrund von zwei Suidzidversuchen nach dem Tod Lara Mias lange Zeit als nicht verhandlungsfähig galt, kam es erst jetzt zur erneuten Aufnahme des Prozesses.

Die Mutter hatte damals zunächst auch eine Bewährungsstrafe erhalten. Sie wurde in einem erneuten Verfahren im Oktober 2011 zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt. Sie hat ihre Haftstrafe bereits verbüßt und soll am kommenden Prozesstag am 17. November (9.30 Uhr) als Zeugin aussagen.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 14:56 Uhr

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