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Hamburg

03. Dezember 2016 | 10:39 Uhr

Verkehr : Autonomes Fahren in Hamburg? Hafen könnte zum Testgebiet werden

vom

Hamburg ist Vorreiter in Sachen Intelligenter Verkehr und automatisiertes Fahren. Das Bundesverkehrsministerium belohnt das mit einer Förderung und macht Hamburg zur „Teststadt“.

Hamburg | Automatisiertes Fahren soll den Verkehr sicherer machen und zu weniger Todesopfern im Straßenverkehr führen. Doch ein Unfall wie der des Tesla „Model S“ im Mai diesen Jahres verunsichert die Menschen. Um Technologien und Systeme zum automatisierten und vernetzten Fahren weiter entwickeln zu können, reicht die Theorie allein nicht. Sie müssen im Realverkehr getestet werden. Das Hamburger Abendblatt berichtete am Mittwoch, dass Hamburg vom Bundesverkehrsministerium als eine von sechs Städten als Teststadt für Autos ohne Fahrer ausgewählt wurde. Ganz so weit ist die Planung allerdings noch nicht.

Teststrecken auf Autobahnen und in Stadtgebieten

Auf der A9 zwischen München und Ingolstadt gibt es ein sogenanntes „Digitales Testfeld“ bereits. Diese „Labore unter Realbedingungen“ sollen weiter ausgebaut werden. Dafür kündigte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im Juli ein Förderprogramm zum automatisierten und vernetzten Fahren an. Bis 2020 stehen für die Förderung von Forschungsvorhaben insgesamt 80 Millionen Euro zur Verfügung.

Während es auf der Autobahn meistens relativ gleichmäßig geradeaus geht, kommen im Stadtverkehr ganz andere Probleme auf die Autopiloten zu. So müssen sie sich zum Beispiel auf ständig wechselndes Tempo, Ampeln, plötzlich kreuzende Autos an Kreuzungen, Fußgänger und Fahrradfahrer einstellen können. Damit auch das irgendwann reibungslos funktioniert, sollen neue automatisierte Fahrsysteme in mindestens sechs deutschen Städten erprobt werden. Diese Testfelder entstehen in Hamburg, München, Ingolstadt, Braunschweig, Dresden und Düsseldorf, wie das Bundesverkehrsministerium am Montag in Berlin mitteilte. Weitere Orte können noch hinzukommen.

„Wie genau diese Förderung aussehen wird und wie viel von den 80 Millionen Euro Fördergeld der Stadt Hamburg zukommen soll, steht jedoch noch nicht fest“, so der Pressesprecher für Verkehrsthemen der Stadt Hamburg, Richard Lemloh. Wohngebiete oder andere stark befahrenen Verkehrsbereiche sind laut Lemloh nicht gut als Testgebiet geeignet. Im Gegensatz dazu gibt es die Idee, den Hafenbereich als Testgebiet zu nutzen. Allerdings werde man erst in den nächsten Tagen und Wochen in Gesprächen mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die Details und die nächsten Schritte besprechen.

Hamburg als Vorreiter mit ITS-Strategie

Dass ausgerechnet Hamburg als eine mögliche Teststadt in Frage kommt, erklärt sich Lemloh mit der außergewöhnlichen ITS-Strategie, die der Senat Ende April für Hamburg vorgestellt hat. ITS (Inteligent Transport Systems) steht für intelligente Verkehrssysteme und im Rahmen dieser Strategie sollen in den kommenden zwei Jahren für verschiedene Teilprojekte Ziele, konkrete Maßnahmen und Zeit-und Finanzplanung erarbeitet werden.

„Damit will Hamburg mit großen Schritten voran gehen und ein Vorreiter für innovative Verkehrsprojekte werden,“ so Lemloh. Insbesondere will sich Hamburg mit der Strategie aber auch auf die Bewerbung vorbereiten, den ITS-Weltkongress im Jahr 2021 in der Hansestadt auszurichten. Bis Februar 2017 müssen die Bewerbungsunterlagen für den Kongress, der alle drei Jahre in Europa stattfindet, eingereicht sein.

Dieses Vorhaben werde laut Lemloh vom Bundesverkehrsministerium stark begrüßt: „Mir wurde gesagt, dass wir zurzeit die einzige Stadt in Deutschland sind, die eine ITS-Strategie verfolgen.“

„Die Investitionen, die wir dabei tätigen, dienen keinem Selbszweck. Sie sollen den Verkehr in Hamburg sicherer, effizienter und umweltfreundlicher machen“, sagte Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation laut einer Pressemitteilung. Denn wichtige Ziele der ITS-Strategie sind unter anderem die Erhöhung der Verkehrssicherheit, die Stärkung des Verkehrsflusses, die Senkung negativer Umweltauswirkungen durch Verkehr und die Förderung von Innovationen.

Als erste Projekte wurden die intelligente Baustellenbake („iBake“) von der Hamburg Port Authority (HPA) sowie das mobile Zahlsystem „Check-in/Be-out“ von der Hamburger Hochbahn AG vorgestellt. Mehr Informationen über die Strategie können Sie hier nachlesen.

Autonomes Fahren, Automatisiertes Fahren, Intelligenter Verkehr?

„Ganz häufig werden die verschiedenen Begriffe wie autonomes und automatisiertes Fahren in einen Topf geworfen, allerdings muss man hier klar differenzieren“, erklärt Lemloh. Die wichtigsten Begriffe:

Was ist assistiertes Fahren?

Assistiertes Fahren ist die Vorstufe des automatisierten Fahrens. Hierbei ist der Fahrer durchgehend am Lenkrad und muss das System überwachen und immer für die Übernahme bereit sein. Das System übernimmt dabei nur Teilaufgaben wie zum Beispiel den Fahrer in besonders kritischen Situationen zu helfen oder das Fahrzeug wieder zu stabilisieren.

Was ist automatisiertes Fahren?

Beim automatisierten Fahren geht die Unterstützung einen Schritt weiter. Ganz allgemein zeichnen sich Systeme des automatisierten Fahrens dadurch aus, dass sie die Fahraufgabe für den Fahrer in ganz speziellen Situationen oder für einen begrenzten Zeitraum übernehmen, zum Beispiel als Stauassistent. Ungeachtet der verschiedenen Abstufungen, die dabei noch unterschieden werden können, kann man die Automatisierung der Fahraufgabe auch als eine Zusammenfassung verschiedener Assistenzfunktionen verstehen.

Was ist autonomes Fahren?

Autonomes Fahren ist eine solche Abstufung des automatisierten Fahrens und bezeichnet das „fahrerlose“ Fahren. Damit ist sie die höchste Automatisierungsstufe. Das System übernimmt das Fahrzeug vollständig vom Start bis zum Ziel. Alle Personen die im Fahrzeug sitzen sind Passagiere.

Was sind intelligente Verkehrssysteme?

Im Fokus von intelligenten Verkehrssystemen (IVS) im Straßenverkehr stehen intelligente Fahrzeug- und Straßensysteme, die durch Kooperation miteinander wesentlich dazu beitragen, dass der Straßenverkehr sicherer, effizienter und umweltfreundlicher wird.

Es sind Systeme, bei denen Informations- und Kommunikationstechnologien im Straßenverkehr und an den Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern eingesetzt werden. Das sind zum Beispiel Ampeln, die mit Fahrzeugen kommunizieren können, Brücken, die Informationen über ihre Tragfähigkeit weitergeben können oder intelligente Auto, die wissen wo der nächste freie Parkplatz ist.

 

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erstellt am 04.Aug.2016 | 06:36 Uhr

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