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Wie gehen Diebesbanden vor? : Auto in HH viermal aufgebrochen: Osnabrücker Geschäftsmann berichtet

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Ein Geschäftsmann ist in Hamburg viermal Opfer von Autoknackern geworden. Wie gehen die Diebe vor? Wo kommen sie her?

Hamburg/Osnabrück | Ein aufgebrochenes Auto ist für jeden Besitzer ein großes Ärgernis – besonders dann, wenn es gleich mehrfach innerhalb kurzer Zeit geschieht. So erging es einem Osnabrücker, dessen BMW 550 in Hamburg ganze vier Mal aufgebrochen wurde.

Die Diebe gingen dabei immer gleich vor: Sie schlugen die hintere Autoscheibe ein und stahlen das Navigationsgerät, die Airbags, das Lenkrad und den Tachometer. Nach dem ersten Aufbruch wurden zwei Männer aus Litauen festgenommen. Die Täter der drei weiteren Aufbrüche wurden nicht ermittelt. „Bei jedem Einbruch entstand ein Schaden von mehreren Tausend Euro“, sagt der Osnabrücker.

Nach Angaben des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sind wiederholte Einbrüche keine Ausnahmen. Die Täter suchen immer wieder die gleichen Stadtteile und sogar die gleichen Anschriften auf. Der BDK spricht vom sogenannten Supermarkteffekt: Gestohlene Autoteile und technische Geräte werden von der Versicherung ersetzt – und das Auto wie gewohnt vor derselben Wohnadresse abgestellt. Die Täter haben dann leichtes Spiel und „bedienen“ sich an Ort und Stelle. Die Kriminalpolizei bringt vor allem osteuropäische und litauische Banden mit dem Diebstahl fest eingebauter Navigationssysteme in Verbindung.

Banden mit festen Strukturen

Festgenommen werden häufig litauische Jugendliche, bei denen es sich in vielen Fällen um Mitglieder organisierter litauischer Banden mit klaren Strukturen und Hierarchien handelt. Nach Angaben des BDK stellen diese jedoch nur die unterste Ebene dieser Banden dar. Die Hintermänner organisieren den Transport der Jugendlichen und bringen sie in Wohnungen unter, von denen aus die Diebstähle geplant werden. Ein „Wohnungschef“ ist für die Logistik und für die Verbindung zu den Hintermännern in Litauen verantwortlich.

Diebesgut im Bunker zwischengelagert

Ausgerüstet mit dem nötigen Werkzeug verlassen die Täter, die meistens zu zweit agieren, in den späten Abendstunden die Wohnung. Am Auto selber gehen die Täter unterschiedlich vor: Bei Autos der Marke Mercedes wird meist die hintere kleine Dreiecksscheibe, bei Autos der Marken VW, Audi oder Skoda eine Seitenscheibe zerstört. Bei BMW-Autos konnte häufig festgestellt werden, dass das Schloss mittels eines Werkzeuges gezogen wird. Häufig nehmen die Täter das Diebesgut nicht sofort mit, sondern legen es zunächst in sogenannten Zwischenbunkern ab, die in den Folgetagen tagsüber geleert werden. Die Täter bringen die Beute in die Wohnung und verpacken sie. Die eingepackten Geräte werden zunächst in größeren Bunkern gelagert und dann nach Litauen geschickt. In einigen Fällen stellten Beamte auch gekennzeichnete Geräte fest. Bei dieser Kennzeichnung handelte es sich um Kürzel der jeweiligen Täter. Auf diese Weise erfolgte die Abrechnung in Litauen. Die gestohlenen Geräte verkaufen die Täter nach Veränderung der Sicherheitssoftware im Internet. Fahnder berichten außerdem, dass die Jugendlichen in ihren Heimatländern häufig unter Androhung von Gewalt von den Banden erpresst und zum Stehlen gezwungen werden, wenn sie aussteigen wollen.

Aufklärungsquote von 17 Prozent

Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen wurden in Niedersachsen im Jahr 2016 rund 13.500 Delikte, die unter „schwerem Diebstahl an/aus Kraftfahrzeugen“ fallen, verzeichnet. Darunter sind Diebstähle zusammengefasst, bei denen das Auto verschlossen war und von Dieben geöffnet wurde. Auch Diebstähle von Geldbörsen und Handys aus dem Auto fallen laut LKA darunter. Die Aufklärungsquote lag bei diesen Delikten bei rund 17 Prozent. Im Jahr 2015 wurden noch rund 14.300 Delikte gezählt und die Aufklärungsquote lag bei rund 14,5 Prozent.

Welche Marken sind besonders betroffen?

Die höchsten Fallzahlen zählt das LKA für den Bereich der Polizeidirektion Hannover und sieht in der Nähe zu wichtigen Autobahnen den Grund dafür. Danach folgen die Polizeidirektionen Oldenburg, Lüneburg, Braunschweig, Osnabrück und Göttingen. Vor allem Autos der Hersteller Volkswagen, Audi, BMW und Mercedes seien von den Diebstählen betroffen.

Nach Angaben des LKA haben es die Täter überwiegend auf sogenannte „festverbaute Multifunktionsgeräte“ (Navigation/Medienwiedergabe) abgesehen, welche im Anschluss schnell und einfach weiter verkauft werden. Die mobilen Navigationsgeräte würden für die Täter nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Auffällig ist nach Angaben des LKA, dass die Diebe Beleuchtungseinrichtungen zum Beispiel Xenon-Scheinwerfer und Tagfahrlichter fachgerecht aus den Autos ausbauen.

Wie können sich Besitzer schützen?

Der ADAC rät dazu, Autos an beleuchteten Straßen oder auf überwachten Parkplätzen und Tiefgaragen abzustellen. Auch moderne Alarmanlagen, die eine SMS an den Besitzer schicken, sobald beispielsweise die Autotür geöffnet wird, können vor Einbrüchen schützen. Nach Angaben des ADAC würden außerdem die Schließsysteme „Keyless“ Autodieben das Handwerk leichter machen. Ist ein Fahrzeug mit diesem System ausgestattet, lässt sich die Autotür durch das Ziehen an der Tür öffnen, sobald sich der Schlüssel in der Nähe des Autos befindet. Das geschieht mithilfe eines Signals, welches vom Schlüssel an das Auto gesendet wird. „Genau dieses Signal nutzen die Diebe. Wenn zum Beispiel der Autobesitzer sich mitsamt dem Autoschlüssel im Haus befindet und das Auto an der Straße geparkt wurde, verlängern die Diebe mithilfe von selbst gebauten Geräten das Signal. Auf diese Weise lässt sich dann das Auto ohne Einbruchspuren öffnen, ohne das der Besitzer es merkt“, erklärt ein ADAC-Sprecher im Gespräch mit unserer Redaktion.

BMW bietet seinen Kunden auf Wunsch „besonders wirkungsvolle Alarmanlagen an“. Diese beinhalten „die Überwachung von Türen, Motorhaube und Heckklappe, einen ausgefeilten Innenraumschutz, Neigungsalarmgeber und Notstromsirenen“, erklärt der Hersteller auf Anfrage unserer Redaktion. Außerdem verweist BMW darauf, dass seit Ende 2015 nahezu jedes BMW-Auto in Deutschland mit Navigation auch mit einer Diebstahlwarnanlage ausgerüstet ist.

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erstellt am 11.Mär.2017 | 15:05 Uhr

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