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Hamburg

04. Dezember 2016 | 21:22 Uhr

App-Entwickler Fox&Sheep : Apps für Kinder – „Die wahrscheinlich schönste Zielgruppe“

vom
Aus der Onlineredaktion

Digitales wird immer mehr Teil der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen. Auch App-Entwickler sind in der Pflicht, sie darauf vorzubereiten, sagt eine von ihnen.

Hamburg/Berlin | Es ist dunkel draußen, die Tiere auf dem Hof sind gefüttert – Zeit, schlafen zu gehen. Doch in den Stallungen ist noch keine Ruhe eingekehrt. Hier sind helfende Kinderhände gefragt: Mit einem Fingertipp auf den Tabletbildschirm knipst der kleine Spieler das Licht in den virtuellen Ställen der App „Schlaf gut!“ aus und sieht zu, wie Schaf, Pony oder Hühner es sich für die Nacht gemütlich machen. Und danach ist dann hoffentlich auch der kleine Spieler selbst müde.

Die App soll ein Bestandteil des Einschlaf-Rituals sein, schreibt der Kinder-App-Entwickler „Fox & Sheep“ auf seiner Webseite. Und doch sollen die Apps nichts Analoges ersetzen, das gut funktioniert, stellt Verena Pausder klar. Das Buch zum Beispiel habe nicht ausgedient. Die 37-Jährige ist Mitgründerin des Berliner Entwicklerstudios. „Ein Tablet muss leisten, was ein Buch nicht leisten kann.“ Das bedeutet: Das Kind macht etwas, und das Tablet reagiert. Insbesondere bei kleinen Kindern sorge dies für einen Aha-Moment: „Sie sind extrem stolz, wenn sie in der Lage sind etwas zu machen, ohne die Hilfe ihrer Eltern“, weiß Pausder, die selbst drei Kinder zu Hause hat. „Sie strahlen, weil sie auf das Schaf getippt haben, und das hat dann ,Määh’ gemacht.“ 

Verena Pausder – Preisträgerin des Scoop Award 2016

Seit 2010 ist Verena Pausder in der Gamesbranche tätig, gründete im Jahr 2012 den Kinder-App-Entwickler „Fox & Sheep“, der vor eineinhalb Jahren  vom Spielzeughersteller Haba übernommen wurde. Bis heute ist sie Geschäftsführerin des Unternehmens. Die Lern- und Unterhaltungs-Apps wie „Schlaf gut“, „Streichelzoo“ oder „Kleine Bauarbeiter“ sind in 17 Sprachen erschienen und zählen bislang weltweit über 15 Millionen Downloads.

Am Donnerstag spricht Pausder auf der Innovationskonferenz scoopcamp in Hamburg über den Schlüssel zu unternehmerischem Erfolg – und wird außerdem für ihr Engagement in der Vermittlung von Medienkompetenz mit dem Scoop Award 2016 ausgezeichnet.

 

Doch um der digitalen Welt zu begegnen, brauche es Konsequenz, sagt die Unternehmerin. Wie oft wird im Hause Pausder das Tablet für eine Spielstunde gezückt? „Während der Woche gar nicht“, sagt Pausder deutlich. „Ich arbeite Vollzeit“, sagt sie. „Die Zeit abends ist unsere gemeinsame Zeit“, dann werden die Hausaufgaben gemacht, es wird gegessen und gebadet. Am Wochenende gebe es ein bis eineinhalb Stunden, in denen die Kinder machen könnten, was sie möchten – nach vorheriger Absprache. „Das ist wie: Es gibt eine Süßigkeitenschublade, aber ihr bedient euch bitte nicht selber“, erklärt sie. „Diese Geräte brauchen genauso Regeln, wie andere Dinge, die Kinder gerne machen.“ Und dennoch sei es nur menschlich, die Kinder auf dem Tablet spielen zu lassen, wenn Eltern einmal einen Moment Ruhe für etwas anderes bräuchten. Früher habe man schließlich auch mal das Sandmännchen angeschaltet, um kurz Wäsche aufzuhängen oder kochen zu können, sagt sie.

Von einem totalen Aussperren der digitalen Technik hält Verena Pausder nichts: „Das ist nicht das Leben der Kinder später“, sagt die Unternehmerin. „Da finde ich eher, dass die Eltern den Kindern damit schaden, als dass sie ihnen helfen. Sie suggerieren ihnen, dass diese Welt keinen Einfluss auf ihr Leben hat. Das hat sie aber.“

Nicht nur für Eltern und Lehrer, auch für die App-Entwickler selbst bedeute das eine große Verantwortung: „Man kann viel kaputt machen.“ Sinn sei, Kinder schonend an die digitale Welt heranzuführen. Aus diesem Grund hat Pausder in Berlin die Digitalwerkstatt ins Leben gerufen. Vormittags nutzen Schulklassen die vorhandenen Tablets, 3D-Drucker, MacBooks oder Roboter für digitale Unterrichtsstunden, nachmittags und am Wochenende finden Kurse und Workshops für Kinder, Eltern oder Lehrer statt. Hier können sie die digitale Welt nicht nur konsumieren, sondern selbst gestalten und eigene Ideen umsetzen. „Der beste Schutz vor Datensammelei ist Ausbildung“, sagt Pausder – „Wer liest was mit? Wie deaktiviere ich das?“, so zu denken, müsse Kindern vermittelt werden.

„Fox & Sheep“ selbst sammele keinerlei Daten von Kindern, sagt Pausder klar. Außerdem sind die Anwendungen werbefrei und es gibt keine In-App-Käufe. Alle Apps von „Fox & Sheep“ kosten für 2,99 Euro – dieses Modell funktioniere deshalb, weil das Unternehmen die Apps weltweit in verschiedenen Sprachen anbiete, erklärt Pausder. Eine Veröffentlichung nur in Deutschland würde die Entwicklungskosten von etwa 150.000 Euro pro App nicht einspielen. Außerdem: Bei kleinen Kindern zahlten die Eltern gern dafür, dass die Inhalte werbefrei sind und keine In-App-Käufe enthalten, sagt Pausder.

Um auch die Inhalte so kindgerecht wie möglich zu gestalten, ist für Pausder und ihre Mitarbeiter das Feedback sowohl von Eltern als auch Kindern besonders wichtig: „Kinder sind wahrscheinlich die schönste Zielgruppe“, sagt sie. „Sie sind echt, das finde ich sehr erfrischend.

> Hier gibt es das scoopcamp im Livestream:

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erstellt am 26.Sep.2016 | 18:31 Uhr

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