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Hamburg

04. Dezember 2016 | 01:00 Uhr

Hamburg : Angriffe in der Silvesternacht: Angeklagte weisen Vorwürfe zurück

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Silvesternacht sollen mehr als 400 Frauen sexuell belästigt worden sein. Jetzt hat der Prozess gegen drei Männer begonnen.

Ja, sie haben in der Silvesternacht auf dem Hamburger Kiez gefeiert. Aber nein, Frauen wollen sie nicht begrabscht haben: Auch der zweite Prozess um die massenweisen sexuellen Übergriffe auf St. Pauli hat gestern ohne Geständnisse der Angeklagten begonnen. Die drei jungen Männer aus Tunesien, Marokko und dem Irak (22 bis 26 Jahre) haben über ihre Verteidiger die Vorwürfe zurückgewiesen. Das Trio ist angeklagt, am frühen Morgen des 1. Januar 2016 in der Großen Freiheit eine 18-Jährige umringt, unsittlich berührt und versucht zu haben, ihr das Handy zu rauben.

 Wie in Köln war es auch in der Hansestadt während der Silvesterfeierlichkeiten auf offener Straße zu Hunderten Grabsch-Attacken auf Frauen und Diebstählen gekommen. 240 Opfer erstatteten Anzeigen. Verurteilt wurde noch kein Täter. In einem ersten Verfahren war im Mai ein Asylbewerber freigesprochen worden, nachdem ihn die belästigten Frauen vor Gericht nicht wiedererkannt hatten. Manches deutet darauf hin, dass es diesmal ähnlich laufen könnte.

Die 18-Jährige war laut Anklage im Gedränge der Großen Freiheit von mehreren Männern oberhalb der Kleidung an den Brüsten, im Genitalbereich und am Gesäß berührt worden. Dies sei mit dem Vorsatz geschehen, „die Geschädigte in ihrer Ehre herabzuwürdigen“. Die Verwirrung der Bedrängten habe ein Angreifer nutzen wollen, um ihr das Telefon aus der Hand zu reißen, was aber misslang. Die Täter tauchten unter.

Bei der Anzeigeerstattung hatte das Opfer noch keine eindeutige Beschreibung der Männer geben können. Erst als ihr die Polizei Fotos aus der Tatnacht vorlegte, identifizierte die junge Frau die drei angeklagten Asylbewerber. Für einen Schuldspruch muss sie dies im Gerichtssaal wiederholen. Sie soll morgen als Zeugin aussagen.

Gestern zeigte das Gericht Aufnahmen eines Partyfotografen vom Getümmel in der Großen Freiheit. Darauf sind mutmaßlich die Angeklagten zu sehen, allerdings nicht bei der Ausübung von Straftaten. Der Fotograf sagte, er habe in der Nacht einige Frauen weinen sehen, aber keine Übergriffe beobachtet.

Der Verteidiger des 22-Jährigen, Jonas Hennig, erhob schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Die junge Frau sei „suggestiv befragt“ worden, die Belastung der Angeklagten erst durch die „manipulative Beeinflussung“ einer Vernehmungsbeamtin entstanden. Hennig: „Das ist mir nur erklärlich durch starken politischen Druck, unter dem die Staatsanwaltschaft steht.“

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erstellt am 18.Okt.2016 | 19:20 Uhr

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