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Hamburg

04. Dezember 2016 | 00:58 Uhr

Hamburg : Angriff auf Taxifahrer: Prozess gegen Mutter und Sohn hat begonnen

vom

Der Taxifahrer konnte nur durch Notoperationen gerettet werden. Das Duo soll noch weitere Taten begangen haben.

Hamburg | Zweieinhalb Jahre nach einem blutigen Angriff auf einen Taxifahrer an den Hamburger Messehallen hat am Dienstag der Prozess vor dem Landgericht begonnen. Angeklagt sind ein 33-Jähriger und dessen 52 Jahre alte Mutter. Der Sohn soll der Anklage zufolge in der Nacht zum 7. Mai 2014 den damals 59 Jahre alten Taxifahrer mit einem Küchenmesser 24 Stich- und Schnittverletzungen zugefügt haben.

Das Leben des Mannes konnte nur durch mehrere Notoperationen gerettet werden. Knapp zwei Jahre später sollen der 33-Jährige und seine Mutter ein weiteres Verbrechen begangen haben. Sie hätten einen Auftragsmörder engagiert, um den Bruder der Ex-Freundin des Angeklagten umbringen zu lassen, erklärte die Staatsanwältin.

Hintergrund war nach Angaben der Verteidigung ein Streit zwischen den beiden Familien über die Beziehung. Die Angeklagten sollen den Mordauftrag erteilt haben, nachdem sich beide Männer am 16. Februar 2016 auf dem Heiligengeistfeld eine schwere Auseinandersetzung geliefert hatten. Dabei soll der Bruder der Ex-Freundin dem 33-Jährigen so heftig zwei Finger in die Augen gedrückt haben, dass dieser ein Augenlicht verlor, das andere schwer geschädigt wurde. Möglicherweise habe der Bruder jedoch in Notwehr gehandelt, sagte die Staatsanwältin.

Der vermeintliche Auftragsmörder war ein verdeckter Ermittler, wodurch der angebliche Mordplan aufflog. Mutter und Sohn waren am vergangenen 2. Juni auf St. Pauli verhaftet worden. Nach Angaben der Staatsanwältin hatten beide 15.000 bis 20.000 Euro für den Mord zahlen wollen, 5000 Euro habe der 33-Jährige bereits in zwei Raten übergeben gehabt. Der Angeklagte habe den vermeintlichen Auftragsmörder dazu noch aufgefordert, das Opfer mit zwei Löchern im Kopf zu entstellen.

Die Polizei hatte nach Hinweisen auf den 33-Jährigen im Zusammenhang mit dem Angriff auf den Taxifahrer insgesamt drei verdeckte Ermittler auf ihn angesetzt, wie die Verteidiger sagten. Gegenüber einem von ihnen soll der Angeklagte die Tat zugegeben haben. Zuvor hatte sich nach einem Beitrag in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ ein Zeuge gemeldet, der den 33-Jährigen bezichtigte.

Die Verteidiger kritisierten das Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaft heftig. „Die verdeckten Ermittler sind aus Sicht der Verteidigung rechtswidrig eingesetzt worden“, sagte die Anwältin der Mutter, Gül Pinar. Ihr Kollege Nils Meyer-Abich, Anwalt des Sohnes, ergänzte: „Ich hoffe, dass das Gericht die Rechtskonformität wiederherstellt.“ Die Beweise gegen seinen Mandanten im Fall des Taxifahrers seien äußerst dünn. Der Angriff sei eine grauenvolle Tat gewesen. Aber es gebe keine Spuren. Der Taxifahrer habe den Angeklagten nicht wiedererkannt, sagte Meyer-Abich.

Sein Mandant bestreite vehement, irgendetwas mit dieser Tat zu tun zu haben. „Hier sitzt der Falsche“, betonte der Anwalt. Gleichwohl wolle sich sein Mandant dazu nicht äußern. „Sein Schweigen ist eher Ausdruck der Sprachlosigkeit.“ Klar sei, dass es ohne den Angriff auf den Taxifahrer den angeblichen Mordversuch gar nicht gegeben hätte. Denn nach der Fernsehfahndung habe sich ein Zeuge gemeldet, der den Angeklagten verleumdet habe.

Polizei und Staatsanwaltschaft hätten dem Zeugen Anonymität zugesichert. „Das ist rechtswidrig aus meiner Sicht“, sagte der Anwalt. Pinar erklärte, ihre Mandantin würde erst dann möglicherweise aussagen, wenn sie die aufgezeichneten Gespräche zwischen ihrem Sohn und den verdeckten Ermittlern kenne. Diese drei Personen seien „illegalerweise“ in die Familie hineingebracht worden. „Das verbitte ich mir, Frau Verteidigerin“, unterbrach sie die Staatsanwältin.

Meyer-Abich erklärte, einer der Ermittler habe seinen an den Augen verletzten Mandanten im Krankenhaus besucht und angeboten, den Mordauftrag zu übernehmen. Das Gericht hat Termine bis Ende Februar 2017 angesetzt.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 17:10 Uhr

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