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Hamburg

06. Dezember 2016 | 13:12 Uhr

Prozess in Hamburg : Angriff auf christlichen Iraner: Angeklagter spricht von Streit

vom

Dem Asylbewerber wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Religiös sei er nicht, sagte der junge Mann vor Gericht.

Im Prozess um einen Angriff auf einen christlichen Iraner in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft hat der angeklagte Afghane eine Schlägerei unter den beiden jungen Männern eingeräumt. Anlass sei eine abfällige Bemerkung des Iraners über den Propheten Mohammed und den Koran gewesen, sagte er am Donnerstag vor der Jugendstrafkammer am Hamburger Landgericht. Er selbst habe sich aber nicht beleidigt gefühlt. „Ich habe noch nie gefastet, ich bin kein religiöser Mensch“, sagte der Angeklagte, der sein Alter mit 19 Jahren angab. 

In zahlreichen islamischen Ländern werden Konvertiten verfolgt. Nach islamischen Recht wird der Abfall vom Glauben (Apostasie) mit dem Tode bestraft.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Asylbewerber versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Er soll am 18. Oktober vergangenen Jahres den damals 24 Jahre alten Iraner mit einem Teleskop-Schlagstock angegriffen und schwer verletzt haben. Die Tat hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft einen religiösen Hintergrund. Der Afghane soll über den Übertritt des Iraners zum Christentum empört gewesen sein. Der Prozess hatte bereits am 19. Mai vor einer Erwachsenen-Strafkammer begonnen. Er muss nun vor einer Jugendstrafkammer neu aufgerollt werden, weil der Afghane zur Tatzeit möglicherweise noch unter 21 war, wie ein Alters-Gutachten ergab.

In seiner Aussage betonte der Angeklagte am Donnerstag, dass er zuerst von dem Iraner angegriffen worden sei. Er habe zurückgeschlagen. Den Teleskop-Schlagstock habe er während der Auseinandersetzung, an der sich weitere Afghanen und Iraner beteiligten, auf dem Fußboden entdeckt. Er habe den Stock gegriffen, um damit zu schlagen, doch sei ihm die Waffe entrissen worden.

Auf Nachfrage der Vorsitzenden der Strafkammer erklärte er, dass der Iraner nach eigenem Bekunden bereits seit vier Jahren Christ war. Er habe das völlig in Ordnung gefunden, schließlich habe er nichts gegen Christen. Dann fügte er hinzu: „Irgendwie sagen die Leute immer, dass sie Christen sind, um Asyl zu bekommen. Morgens gehen sie in die Kirche und abends in die Moschee.“ Als die Richterin an dieser Stelle nachfragen wollte, ging der Verteidiger dazwischen. Nach einer Beratung mit dem Angeklagten sagte er, sein Mandant werde vorerst keine weiteren Fragen beantworten. 

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erstellt am 14.Jul.2016 | 13:55 Uhr

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