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Hamburg

08. Dezember 2016 | 21:18 Uhr

Kriminalität in Hamburg : Alkohol, Drogen, Gewalt - ist der Jungfernstieg schon ein Brennpunkt?

vom

Die Polizeieinsätze am Jungfernstieg in Hamburg häufen sich. „Alles normal“, sagen die Ordnungskräfte.

Hamburg | Alkoholgelage, Pöbeleien, manchmal auch Schlimmeres: Der Hamburger Jungfernstieg ist in die Schlagzeilen geraten. Polizeieinsätze häufen sich, allein in der vorigen Woche gab es drei Einsätze gegen Gewalttäter. Bei Kontrollen finden Beamte zudem immer wieder Drogen, schicken Minderjährige nach Hause und nehmen gesuchte Straftäter fest. Sind die lautstarken Treffen Hunderter am Alsteranleger noch normales Großstadt-Vergnügen? Oder ist die Prachtmeile schon ein Brennpunkt? Die Meinungen gehen auseinander.

Vor allem an Wochenenden kommen auf den Treppenanlagen an der Binnenalster allabendlich größere Gruppen meist junger Männer zusammen, feiern lautstark und promillehaltig; in Spitzenzeiten nehmen mehrere hundert Partyfreunde den Bereich in Beschlag, ein Großteil davon Migranten. Viele Citybummler machen einen weiten Bogen um die lebhafte, teils aggressive Szenerie. Ansässige Gastronomen beklagen Vandalismus. Am Alsterpavillon summieren sich die Schäden allein an Sonnenschirmen auf nahezu 10.000 Euro. Feiern ist erlaubt, so lange alles friedlich bleibt. Die breiten Stufen mit Sitzgelegenheiten sind ein öffentlicher Bereich und wegen des famosen Ausblicks auf die nächtliche Binnenalster beliebt.

„Der Jungfernstieg ist kein Kriminalitätsschwerpunkt“, sagt Polizeisprecher Timo Zill. Trotz der jüngsten Häufung von Vorfällen sei die Lage nicht anders als den Sommern zuvor. Nach seinen Angaben gab es seit Anfang August vier registrierte Raubdelikte sowie seit Jahresbeginn 50 Körperverletzungen - ähnlich wie in den Vorjahren.

Dass es am Jungfernstieg öfter zu Streit und Prügeleien zwischen Angetrunkenen kommt, verbuchen die Ordnungskräfte als Normalität, so wie rund um die Reeperbahn. Zuletzt hatte sich die Lage allerdings zugespitzt, mit nahezu täglichen Großeinsätzen. In der Nacht zu Freitag war ein Syrer mit einer Flasche angegriffen und im Gesicht verletzt worden. Hintergründe: unklar. Die Polizei rückte mit elf Streifenwagen an. In der Nacht zuvor sprang ein 27-Jähriger auf der Flucht vor der Polizei in die Alster. Anfang der Woche nahmen die Beamten inmitten der Feiernden einen Intensivtäter (20) aus Ägypten nach mehreren Gewalttaten fest. Meist müssen sich Polizisten bei diesen Einsätzen von Umstehenden beschimpfen und bedrängen lassen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) schlägt Alarm, wegen Personalmangels könne nicht rigoroser vorgegangen werden. Laut DPolG-Landes-Vize Thomas Jungfer müssen Zivilfahnder die Personallöcher stopfen: „Die Unzufriedenheit der Kollegen steigt.“

Die Polizei habe den Bereich im Blick, versichert deren Sprecher, wolle aber grundsätzlich nichts an ihrem Binnenalster-Einsatzkonzept ändern. Und das heißt Flagge zeigen. So überprüften Beamte am vergangenen Wochenende gezielt minderjährige Mädchen am Jungfernstieg. Streit um junge Frauen war dort schon mehrfach Auslöser von Krawallen. Ein Dutzend Eltern mussten ihre halbwüchsigen Zöglinge abholen. Timo Zill: „Manchmal muss man klar zeigen, wer der Herr im Haus ist, und auch einzelnen Leuten auf die Füße treten.“

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erstellt am 22.Aug.2016 | 17:53 Uhr

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