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Hamburg

04. Dezember 2016 | 07:11 Uhr

Ina Müller : 100. Sendung: Was wir an Inas Nacht nicht mögen. Und was sehr.

vom

Inas Nacht mag man oder nicht. Die Argumente der Redaktion von shz.de in sieben Punkten. Bei Punkt 6: Schleichwerbung!

Am Sonnabend ist es soweit: Zum 100. Mal sendet der NDR aus dem „Schellfischposten“ am Hamburger Fischmarkt die Sendung Inas Nacht. Dafür schon einmal ein großes „Respekt!“ an Ina Müller. Wer sich so lange im Haifischbecken (super Metaphorik!) TV-Unterhaltung hält, kann so vieles nicht falsch machen.

Aber Ina Müllers Sendung polarisiert so wie die Protagonistin. Von „Kult“ bis „Geht gar nicht“ gehen die Meinungen auseinander. In der Redaktionskonferenz von shz.de war der bevorstehende Termin immerhin Anlass für eine längere Diskussion. Haupttenor: Mögen wir nicht so, bis auf eine Sache. Voilà:

Ina Müller selbst

Als „Sabbeln“ bezeichnet sie selbst ihre Tätigkeit. Singen kann sie auch einigermaßen. Nerven tut sie trotzdem, es sei denn, man steht auf sabbelnde klimakterische Blondierte um die 50, die sich so geben, als seien sie 35, und einen ebenso alten Freund (Johannes Oerding) haben. Das mit dem Klimakterium hätten wir nicht erwähnt, würde sie es nicht selbst dauernd tun bei ihren Bühnenshows oder Talkshow-Auftritten (nicht bei Inas Nacht!). Auch das nervt (hat nichts direkt mit Inas Nacht zu tun, spielt aber ins Gesamtbild).

Ab Minute 7: Ina Müller über die Kombination aus Altersbosheit und Hormonen im Alter.

Die Gäste

Wen wir woanders schon 100 Mal gesehen haben, der taucht garantiert irgendwann auch bei Inas Nacht auf. Kein Wunder, 100 Sendungen mussten gefüllt werden, und so viele echte Promis haben wir in Deutschland nicht. Howard Carpendale, Heiner Lauterbach, Peter Maffay, Jan Josef Liefers, Nina Hagen, Alice Schwarzer, Klaus Meine, Til Schweiger: alle schon mal da gewesen.

Ausnahme: Helge Schneider. Gelungene Interviews mit Helge Schneider gibt es nicht viele. Hat sie geschafft. Blindes Huhn.

Der Gesang der Gäste

Dieter Pfaff war ein ganz guter Schauspieler. Aber musste man ihn in der Sendung vom 28. Oktober 2010 dazu bringen, ein Lied des großartigen, des übermenschlichen Johnny Cash zu singen? Wir lassen die Frage mal so stehen.

Der Alkohol

Saufen vor der Kamera war früher im deutschen Fernsehen normal. Der Internationale Frühschoppen lebte davon, die NDR-Talkshow einst auch. Gibt es nicht mehr. Außer bei Inas Nacht. Machen wir uns nichts vor: Alkohol ist ein gefährliches Nervengift, das abhängig macht und Menschen zerstören kann. Die späte Sendezeit dient hier nur als Feigenblatt. Besonders deutlich in dieser Sendung. Wie lallt Frau Müller bei 1:34 über die Gefahren des Alkohols: „Haben wir jetzt gehört.“ Und kippt.

Der Shanty-Chor „Tampentrekker“

Die armen Jungs aus Wilhelmsburg. Werden als Kulisse und lebendiges Jingle missbraucht und müssen bei Wind und Wetter vor der Tür stehen. (Für die Sendung am Sonnabend kündigt der NDR an, dass sie endlich mal reindürfen. Wird eng.) Und ganz ehrlich: Wer kann ihn noch hören, den „Drunken Sailor“ (siehe: Der Alkohol). „Moskau“ hatten wir schon 1979 satt, und durch die 500-malige Wiederholung wird der darauf gedichtete Text „Witzig, witzig! Heute haben wir viel gelacht, denn wir sind bei Inas Nacht, ha ha ha ha ha, hey!“ auch nicht witzig.

Besonders fieses Beispiel: Inas Silvesternacht 2012. War das kalt. Aber wenigstens Abwechslung im Repertoir bei den Tampentrekkers. Etwa mit den Fanta 4 bei Minute 45.

Das Ambiente im „Schellfischposten“

Geht da ein Hamburger hin? Nicht viele. Tourifalle. Und dann nimmt der NDR noch weg, was eine echte Hamburger Hafenkneipe zu einer echten Hamburger Hafenkneipe macht: die Astra-Werbung. Abgeklebt neben dem abgeschmackten Spruch „Ob jung oder alt, ob arm oder reich, im Schellfischposten sind sie alle gleich“ aus Angst vor Schleichwerbevorwürfen. Albern.

Der Schellfischposten im Original ohne albern abgeklebte Astra-Werbung.

Der Schellfischposten im Original ohne albern abgeklebte Astra-Werbung.

Foto: Udo Grimberg, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php

Aber oft ziemlich gut: die musikalischen Gäste

Zugegeben: Die Bands in Inas Nacht sind oft großartig und oft auch echte Neuentdeckungen. Jetzt nicht wie am Sonnabend, wenn Jan Delay und Santiano kommen. (siehe: Die Gäste). Aber: Wer kannte 2009 schon Johannes Oerding? (Den hat sie sich dann auch gegriffen, siehe: Ina Müller selbst). Und: Katzenjammer!

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erstellt am 10.Aug.2016 | 15:57 Uhr

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