zur Navigation springen

Regionales

03. Dezember 2016 | 18:47 Uhr

100 Jahre Volksabstimmung in Schleswig : Fußball-EM der Minderheiten im Grenzland: Für Europeada 2020 fehlt Geld

vom
Aus der Onlineredaktion

Nordschleswiger und Südschleswiger sind sich einig: Sie wollen die Europeada 2020 ins deutsch-dänische Grenzland holen. Die Euphorie ist groß, doch die Planungen könnten durchkreuzt werden.

Flensburg | Die Fußball-Europameisterschaft der autochthonen Minderheiten, die Europeada, soll nach dem Willen der deutschen und dänischen Minderheit 2020 in Nord- und Südschleswig stattfinden. Das steht seit einem gemeinsamen Treffen im Juni fest. 2020 jährt sich nämlich die Volksabstimmung in Schleswig zum 100. Mal. Das Turnier würde sich perfekt in die Feierlichkeit einreihen, so der Tenor. Der Südschleswigsche Rat (Sydslesvigske Samråd), in dem die Organisationen der dänischen Minderheit ihre Arbeit koordinieren, war sofort Feuer und Flamme. Doch die Idee, die Europeada ins ehemalige Herzogtum Schleswig zu holen, ist anscheinend bedroht, meldet Flensborg Avis.

Die Situation der Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland und deren Regelung wird häufig als gelungener europäischer Modellfall bezeichnet. 2020 soll die Grenzziehung per Referendum von 1920 groß gefeiert werden, die in beiden Ländern Minderheiten entstehen ließ.

Der dänische Jugendverband (Sydslesvigs danske Ungdomsforeniger, SdU) dämpft die Erwartungen. Die Unterstützung für den Plan ist laut dem Bericht zwar groß, aber nur ideell und nicht finanziell. Für die Realisierung des Fußballturniers braucht es aber Geld. Die Zeitung der dänischen Minderheit veranschlagt für das Turnier eine Million Euro mit einem sogenannten Restrisiko von 300.000 bis 500.000 Euro. Dies könne SdU nicht allein stemmen, sagt SdU-Direktor Anders King gegenüber der Zeitung.

Der Plan für eine Europeada 2020 im Grenzland ist aber auf der Seite der dänischen Minderheit noch nicht aufgegeben, sie sucht nach externen Geldquellen. Es soll geprüft werden, ob Gelder über Stiftungen akquiriert werden können, wird Jens A. Christiansen, Generalsekretär des Südschleswigschen Vereins (Sydslesvigsk Forening , SSF) zitiert. Am 5. Oktober gibt es zudem ein Treffen mit der Deutschen Minderheit. 

Lasse Tästensen, Vereinskonsulent des Deutschen Jugendverbands für Nordschleswig, bleibt trotz der Bedenken südlich der Grenze positiv gestimmt. Er sieht das Projekt Europeada 2020 nicht an seinem Ende, sondern an seinem Anfang, und er freut sich auf die Herausforderung, die Sache zu stemmen. Darum wundert ihn die Nachricht aus dem Süden ein wenig.

Die Gesamtkosten lagen bei der Europeada 2016 in Südtirol bei rund einer Million Euro, eingerechnet der Kosten, die die Teilnehmer beispielsweise für Essen und Unterkunft aufbringen mussten. Die Veranstalter hatten etwa 240.000 Euro ausgegeben. Für Lasse Tästensen ein Richtwert, wenn auch die Kosten im Norden sicherlich in dem ein oder anderen Posten abweichen werden. „Das sind 120.000 Euro für beide Seiten, das sollte zu schaffen sein, wir haben ja noch vier Jahre Zeit, um Sponsoren oder andere Fördermöglichkeiten zu finden.“

Spätestens Ende des Jahres soll die Bewerbung an die Minderheiten-Organisation Fuen (Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen) geschickt werden. Auf dem Kongress in Rumänien im kommenden Jahr will die Fuen dann zu den Bewerbungen Stellung beziehen. Auch die Minderheit der Slowenen in Österreich feiert in vier Jahren 100 Jahre Volksabstimmung.

zur Startseite

von
erstellt am 29.Sep.2016 | 12:54 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen