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Regionales

09. Dezember 2016 | 06:56 Uhr

DAK-Gesundheitsbericht : Frauen in SH sind häufiger krankgeschrieben als Männer

vom
Aus der Onlineredaktion

Häufigster Grund, dass Frauen am Arbeitsplatz fehlen, sind seelische Leiden. Bei Männern sind es Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Kiel | Frauen in Schleswig-Holstein werden häufiger krankgeschrieben als Männer. Von 1000 erwerbstätigen Frauen fehlten im vergangenen Jahr im Schnitt 45 pro Tag bei der Arbeit, bei den Männern waren es nur 36. Das ist ein Ergebnis des DAK-Gesundheitsreports für Schleswig-Holstein, den die Krankenkasse am Dienstag in Kiel vorstellte.

Wegen krankheitsbedingter Fehltage ihrer Mitarbeiter entstehen deutschen Unternehmen jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. Die Einbußen wirken sich auch auf die gesamte Wertschöpfung des Landes aus.

Der Krankenstand der Frauen lag im Norden um 23 Prozent höher als der der Männer. Bundesweit liegt die Differenz bei 14 Prozent. In Schleswig-Holstein sind Frauen im Gegensatz zum Bund und anderen Bundesländern im Schnitt länger krankgeschrieben als Männer, nämlich 12,2 Tage. Männer fehlten im Schnitt 11,6 Tage.

Bevor die Krankenkasse Zahlen für Schleswig-Holstein veröffentlichte, hatte es die schon für Hamburg gegeben. Auch hier gibt es ein ähnliches Krankheitsbild der arbeitenden Bevölkerung.

Die Studie zeigt auch, dass Männer und Frauen anders krank sind: Männer fehlten deutlich öfter wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frauen wegen seelischer Leiden. Frauen sind auch häufiger wegen Krebsleiden krank, was durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs bedingt sei, sagte Jörg Marschall vom Berliner Iges-Institut. Das Institut erstellte die Studie im Auftrag der DAK.

Die betroffenen Frauen stünden oft noch voll im Erwerbsleben, sagte DAK-Landeschefin Regina Schulz. Die häufigste Krebserkrankung bei Männern, der Prostatakrebs, trete hingegen erst im höheren Alter auf. Grundsätzlich sei das Risiko, an Krebs zu erkranken, bei beiden Geschlechtern gleich.

Insgesamt erreichte der Krankenstand in Schleswig-Holstein mit 4,0 Prozent den höchsten Wert seit 16 Jahren. Er liegt aber noch leicht unter dem Bundesschnitt von 4,1 Prozent. Besonders Erkältungen machten den Menschen zu schaffen, heißt es im Report.

Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand in Schleswig-Holstein waren 2015 das Gesundheitswesen (4,8 Prozent) und die öffentliche Verwaltung (4,2). Den niedrigsten Krankenstand verzeichnete der Wirtschaftszweig Rechtsberatung.

Eine Rolle für die höhere Zahl an Fehltagen könnte auch spielen, dass sich Frauen häufiger krank melden, wenn der Nachwuchs das Bett hüten muss. Rund ein Viertel der befragten Frauen gab an, sich in solchem Fall nicht anders helfen zu wissen, als sich selbst krank zu melden. Von den Männern taten dies nur 6,9 Prozent.

Aber auch offiziell melden sich in Schleswig-Holstein nach wie vor weitaus mehr Mütter als Väter von der Arbeit ab, damit sie sich um ihr krankes Kind kümmern können. Nach einer aktuellen Auswertung der AOK Nordwest erhielten im vergangenen Jahr fast 7000 Mütter und 1800 Väter Kinderpflege-Krankengeld. Das heißt, nur nur bei jedem fünften Krankheitsfall übernahm der Vater die Pflege. Im Durchschnitt blieb ein Elternteil pro Krankheitsfall 2,2 Tage zu Hause. Jedes Elternteil kann für jedes Kind unter zwölf Jahren bis zu zehn Arbeitstage pro Jahr Kinderpflege-Krankengeld in Anspruch nehmen.

Frauen seien immer noch diejenigen, die die Doppelbelastung Familie und Beruf stärker spürten, sagte DAK-Landeschefin Schulz. Diese könne in vielen Fällen auch Ursache für psychische Erkrankungen sein. Es müsse daher noch mehr für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf getan werden.

Für die DAK-Analyse wurden unter anderem die Daten von rund 118.000 erwerbstätigen Mitgliedern der Krankenkasse durch das Iges-Institut ausgewertet. Zudem wurden Beschäftigte zu aktuellen Einstellungen und Praktiken bei der Krankmeldung befragt.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 14:56 Uhr

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