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Blaulichtmonitor

03. Dezember 2016 | 10:40 Uhr

Hamburg : „Soko Castle“: Auch die verschwundene Parfumflasche kann Hinweise geben

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Hamburger Polizei verzeichnet weniger Einbrüche. Ab Winteranfang rechnet sie aber wieder mit einer Zunahme.

Hamburg | Zu Beginn der Winterzeit haben Polizei und Staatsanwaltschaft die Hamburger aufgerufen, ihr Hab und Gut besser gegen Einbrecher zu schützen. Ein Einbruch im Schutz der Dunkelheit dauere nur zehn bis 15 Minuten, sagte Alexandra Klein, Leiterin der auf Einbruchskriminalität spezialisierten „Soko Castle“, am Dienstag.

Einige Täter brächten wegen der Unachtsamkeit der Bewohner nicht einmal Werkzeug mit. „Es liegt im nicht abgeschlossenen Schuppen oder es werden die Regentonne oder die Leiter im Garten benutzt.“ Positiv sieht Klein, dass die Menschen immer öfter den Notruf wählen, wenn ihnen etwas verdächtig vorkomme. „Die Kampagne hat Wirkung gezeigt, die Hemmschwelle, die 110 zu wählen, ist gesunken.“

Seit Gründung der „Soko Castle“ vor über einem Jahr hat die Polizei nach den Worten Kleins ein deutlich besseres Bild von den Tätern. Es handele sich oft um reisende Serientäter. Genaue Zahlen konnte Klein nicht nennen, betonte aber: „Wenige sind für eine Vielzahl von Taten verantwortlich.“ Man wisse auch deutlich mehr über ihr Verhalten: „Und wir wissen anhand der Spuren, wer in der Stadt ist.“ Oberstaatsanwalt Lars Röhrig ergänzte, dass es bei den Ermittlungen vor allem wichtig sei, herauszufinden, ob eine Person eine zweite oder dritte Tat begangen habe. „Erst dann fallen strafmildernde Umstände wie bei einer Erstverurteilung weg.“ Es gehe darum, diese „Ersttäter-Entschuldigung“ zu durchbrechen, ergänzte Klein.

Die Ermittler der „Soko Castle“ versuchten deshalb, möglichst viel über die Täter und ihre Gewohnheiten zu erfahren. Auch der verschwundene Parfum-Flakon oder die Flasche im Kühlschrank, aus der getrunken wurde, könne helfen, ein Täterprofil zu erstellen und so reisende Serientäter zu identifizieren.

Bezüglich der Strafverfolgung räumte Oberstaatsanwalt Röhrig ein, dass es bei Tätern aus Nicht-EU-Staaten schwieriger sei, Informationen zu beschaffen. Röhrig ist der einzige Staatsanwalt in Hamburg, der sich ausschließlich mit Einbruchsdelikten beschäftigt. Im Januar nächsten Jahres soll er zwei Kollegen bekommen.

Soko-Leiterin Klein bilanzierte, dass die Einbruchszahlen in Hamburg seit Februar um bis zu 20 Prozent gefallen seien. Allerdings zeigt die offizielle Statistik der Polizei auch, dass sie im Juni dieses Jahres beinahe genauso hoch gewesen sind, wie in den beiden Vorjahren. Danach fällt die Kurve wieder ab. Zu Beginn des Winters rechnen die Ermittler wieder mit einer Zunahme.

Dennoch ziehen Polizei und Staatsanwaltschaft vorläufig eine positive Bilanz. Nach den Worten Kleins habe man eine Haftquote von 95 Prozent. „Die, die wir zuführen, bleiben auch drin.“ Vor Gericht zählten allerdings materielle Beweise und das, so Klein, sei eine Frage von genügend Personal und von Hilfe aus der Bevölkerung: „Wir als Polizei können das nicht alleine lösen“, räumte die Kriminaloberrätin ein.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 15:39 Uhr

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