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Regionales

11. Dezember 2016 | 13:06 Uhr

Rettungsdienste in Süddänemark : Bios schuldet der Region 8,5 Millionen Euro

vom
Aus der Onlineredaktion

Blaues Licht und rote Zahlen: Bios wird die Forderungen des Hauptgläubigers wohl nicht begleichen können.

Vejle | 31,6 Millionen Kronen zahlte die Region Süddänemark versehentlich zu viel an Bios. Dass das Rettungsunternehmen nicht in der Lage war, die Summe zurückzuzahlen, versetzte die Region in Alarmbereitschaft. Als Hauptgläubiger beantragte sie daraufhin den Konkurs von Bios Dänemark. Nun wird klar, dass die Summe, die das gescheiterte Rettungsdienst-Unternehmen der Region schuldet, noch viel höher ist. Das berichtet die Zeitung „Jydske Vestkysten“.

Knapp 100 Retter aus Deutschland sind im September 2015 unter anderem von hohen Salären angelockt nach Süddänemark gewechselt, um dort beim Rettungsdienstanbieter Bios ihren Dienst anzutreten. Nach vielen Zerwürfnissen und Zahlungsproblemen hat die Region Süddänemark selber die Rettungsdienste übernommen.

Aufgrund von Vertragsbrüchen haben sich im Laufe des Jahres Geldstrafen von 31,8 Millionen Kronen angesammelt, so dass sich der Betrag, den Bios der Region noch schuldig ist, auf insgesamt 63,4 Millionen Kronen (8,52 Millionen Euro) beläuft.

Als das Unternehmen den Ambulanzbetrieb in Süddänemark im vergangenen Jahr aufnahm, wurde eine Bankgarantie von 55 Millionen Kronen bei der niederländischen Bank „Rabobank“ eingerichtet. Die Regionsratvorsitzende Stephanie Lose von der rechtsliberalen Partei Venstre erwartet, dass aus der Bankgarantie mindestens die 31,6 Millionen Kronen der Fehlüberweisung plus die 4,5 Millionen Kronen der Juli-Strafe bezahlt werden.

Was war das Problem mit Bios? Fragen und Antworten

Warum hatte der Großteil der Region Süddänemark den Rettungs-Dienstleister gewechselt?

Der Sektor Krankentransport ist privatisiert. Der bisherige Anbieter Falck hat eine Ausschreibung gegen den billigeren Anbieter Bios 2014 verloren.  Das Angebot der dänischen Firma Falck wurde angeblich um knapp zehn Prozent unterboten. Der Vertrag begann am 1. September 2015 und läuft über zehn Jahre.

Warum schaffte Bios es nicht, an genügend Personal zu kommen?

Dänemark gilt als Land der Monopole. Die Wechselwilligkeit des im Süden beschäftigten Falck-Personals war von Anfang an gering, der Argwohn ob möglicher Arbeitsplatzverluste groß. Der Vorwurf machte jüngst die Runde, Falck hätte seine Marktdominanz in Dänemark (85 Prozent) genutzt, um Bios zu schwächen. Es sollen demnach Gerüchte über schlechte Arbeitsbedingungen bei Konkurrenten bewusst gestreut worden sein, heißt es in einem Bedenklichkeitsbericht der Konkurrenz- und Verbraucherbehörde. Das streiten Falck und seine Mitarbeiter jedoch ab.  Die Hinterfragung der Arbeitsbedingungen stehe jedem offen, oft habe die empfundene Arbeitsplatzsicherheit oder einfach das Bauchgefühl entschieden, heißt es in einem Brief der Belegschaft.

Begünstigt durch die über mehr als ein halbes Jahr viel zu enge Personaldecke bewahrheiteten sich die Vorurteile über schlechtere Arbeitsbedingungen quasi automatisch. Das rief die Gewerkschaft auf den Plan. Dienstpläne wurden z.B. zu spät erstellt und Mitarbeiter mit panischen SMS zu noch mehr Überstunden überredet. Das machte schnell die Runde.

Bios hatte unter anderem im deutschen Grenzland versucht, an Rettungs-Personal zu kommen und später hohe Handgelder ausgeschrieben. Dass die Besetzung der Krankenwagen teilweise ohne dänische Sprachkompetenz auskommen musste, sorgte zum Teil für heftige Kritik.

Macht sich die Unterbesetzung bei den Noteinsätzen bemerkbar?

Zu gewissen Zeitpunkten hat es in der jüngeren Vergangenheit nur acht bis neun einsatzfähige Krankenwagen in der von Zentralkrankenhäusern geprägten, weitläufigen Dreiecksregion Süddänemark gegeben. Auf Fünen hatten sich deshalb die Reaktionszeiten verlängert. Allein für das erste Quartal müsste Bios aufgrund der Versäumnisse zehn Millionen Kronen Konventionalstrafe zahlen.

Nachdem der Dienstleister die Schuld für sein Rekrutierungs-Dilemma jüngst der Region in die Schuhe schieben wollte, ruderte letztere etwas zurück. „Die Bürger bekommen den Service, den sie haben sollen. Die uns soeben für die Ambulanzen vorgelegten Reaktionsszeiten im April waren die niedrigsten seit einem Jahr,“, sagte die Vorsitzende des Regionsrates für Süddänemark, Stephanie Lose, Ende April auf Anfrage des „Nordschleswigers“.

Welche Vorwürfe macht Bios der Region?

Das Problem der Unterversorgung liege am Mangel an Rettungssanitätern und Rettungsassistenten, die die Region nicht geliefert habe, sagt der Konzern – und plädiert angesichts eines anstehenden Millionen-Bußgeldes auf höhere Gewalt.

Mit den restlichen Geldstrafen verhält es sich laut Aussage von Lose schwierig, da die Region auch als Hauptgläubiger nicht einfach das Geld nehmen könne. Selbst wenn die Region die gesamte Bankgarantie von 55 Millionen Kronen ausbezahlt bekäme, würde dies nicht die Gesamtschulden von 63,4 Millionen Kronen decken. Lose sieht dies allerdings nicht als Verlust an, sondern freut sich über jede Krone, die herein kommt und hilft, Kosten zu decken.

Auf Initiative von Lose hatte der Regionsrat Ende Juli beschlossen, dass die Region Süddänemark die Rettungsdienste und damit Mitarbeiter sowie Fahrzeuge zum 15. August übernimmt. Nach Angaben von „Danmarks Radio“ wird der künftige Betrieb die Region im Jahr 420 Millionen Kronen kosten, mehr als die 380 Millionen Kronen für Bios – allerdings immer noch weniger als für den Service des Bios-Vorgängers Falck, der bis September 2015 für die Rettungsdienste im Süden verantwortlich war. „Wir müssen uns ins Zeug legen, um einen guten Rettungsdienst anbieten zu können. Reden hilft nun nicht länger. Wir müssen den Bürgern zeigen, um was es geht und ich hoffe, wir können das beweisen“, erklärte Lose am Tag der Übernahme gegenüber DR Syd. Über den Namen der neuen Gesellschaft sollen die Mitarbeiter entscheiden.

Die fünf dänischen Regionen (hier Syddanmark) kümmern sich hauptsächlich um soziale Serviceleistungen, wenn die Organisation die Kommunen überfordert. Ihre Kernkompetenz sind die Krankenhäuser, die Behindertenbetreuung sowie Entwicklungspläne für die Bereiche Natur und Kultur.

Syddänemark und Bios: Chronologie eines Missverständnisses

2014

25. August: Der Regionsrat Süddänemark beschließt nach einer Ausschreibung, dass ein neuer dänischer Zweig des niederländischen Unternehmens Bios die Notfalltransporte in Südjütland und auf Fünen zum 1. September 2015 von Falck übernehmen soll. Auch der Firma Responce fällt ein Teil des Kuchens zu. Der mächtige Falck-Konzern ist raus.

 

September: Falck reicht eine Beschwerde ein. Bestimmte Parameter seien falsch bewertet worden. Klage wird abgewiesen.

 

November: Negative Diskussionen machen sich unter den Rettungssanitätern breit. Es soll Probleme bei den Arbeitsbedingungen und Dienstpläne im Mutterkonzern Bios geben.

2015

März: Es offenbart sich, dass viele Rettungssanitäter in Süddänemark nicht zu Bios wechseln wollen. Sie bevorzugen es, in andere Regionen zu ziehen, um bei Falck weiter arbeiten zu können. Dänische Politiker kritisieren, dass Bios die diskutierten Misstände nicht mit dem nötigen Ernst anpackt.

 

1. September: Die Ambulanzdienste gehen offiziell von Falck zu Bios über. Die Niederländer hatten zuvor monatelang Falck dafür verantwortlich gemacht, nicht genügend Personal rekrutieren zu können.

 

Oktober: Die Zeitpläne können nicht eingehalten werden. Es sind weniger Krankenwagen unterwegs als vereinbart und die Responsezeit verlängert sich.

2016

Januar: Bios kann nicht mehr genügend Bereitschaften stellen. Im Januar – und letztendlich für das ganze erste Quartal – muss Bios aufgrund der vertraglichen Versäumnisse eine Geldstrafe zahlen.

Mai: Der Regionsrat trifft zusammen. Bios soll eine Konventionalstrafe von 13 bis 15 Millionen Kronen zahlen. Die Niederländer weisen das zurück. Ihr Argument: Der Rettermangel gehe auf irreguläres Verhalten von Falck zurück, die Bios Steine in den Weg gelegt hätten. Das Fälligkeitsdatum wird zunächst nach hinten verschoben.

Juni: „Wir meinen, dass wir nicht die einzigen sind, die eine Mitverantwortung für die Situation tragen“, sagt Morten Hansen, Geschäftsführer bei Bios. Es seien auch die Versäumnisse der Region, bei der Bereitstellung von Personal. Bios will Ausgleichszahlungen für die teuren Anwerbungsversuche und Umschulungsmaßnahmen deutscher Mitarbeiter. Insgesamt betrügen die Sonderausgaben 25 Millionen Kronen.

Die Regionen weist die Forderungen zurück. Überdies wird  bekannt, dass die Probleme mit Bios die Region bereits 6,9 Millionen Kronen gekostet haben.

Juli: Im Jahr 2015 hat Bios 42 Millionen Kronen Verlust gemacht. Es kommt obendrein heraus, dass Süddänemark 30 Millionen Kronen für Bios zu viel im Voraus bezahlt hat. Die Region beruft eine Dringlichkeitssitzung ein. Am Ende verpflichtet das Unternehmen verpflichtet sich, das Geld zurück zu zahlen.

24. Juli: Bios und die Region streiten um die Rückzahlungsmodalitäten und werden sich nicht einig. Die Region rät Bios, am Montag einen Konkursantrag zu stellen. Wenn nicht, wolle man den Konkurs des Unternehmens selber herbeiführen.

25. Juli: Die Region beauftragt ihre Anwälte, den Konkurs von Bios zu beantragen.

27. Juli: Bios beschuldigt Falck abermals einer llegalen Wettbewerbspraxis, leistet gegen die die Insolvenzerklärung jedoch keinen Widerspruch. „Wir sind überzeugt davon, dass es die ganze Zeit den politischen Wunsch in der Region gab, den Rettungsbetrieb heimzuholen. Die Region hat sich selbst in eine Situation gezwungen, die im Einverständnis hätte gelöst werden können“, heißt es in einer Mitteilung.

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erstellt am 15.Aug.2016 | 15:02 Uhr

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