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Regionales

08. Dezember 2016 | 07:04 Uhr

Streit um Rettungsdienste und Geldstrafen : Bios-Chaos in Süd-Dänemark: „Bürger bekommen ihren Service“

vom

Die Reaktionszeiten der Bios-Krankenwagen sind doch kürzer als angenommen. Darum beschwichtigt der bedrängte Regionsrat seine Vorwürfe. Doch die Vertragsstrafe bleibt ein heißes Thema.

Die Region Süddänemark beschäftigt weiter das Bios-Dilemma. Seit 1. September 2015 soll das niederländische Unternehmen Bios Ambulance Service die Rettungs-Transporte gewährleisten, doch wichtige vertragliche Vereinbarungen wurden nicht erfüllt. Es drohen heftige Konventionalstrafen. Nachdem der Dienstleister die Schuld für sein Rekrutierungs-Dilemma beim Rettungs-Personal jüngst der Region in die Schuhe schieben wollte, rudert letztere nun etwas zurück. „Die Bürger bekommen den Service, den sie haben sollen. Die uns soeben für die Ambulanzen vorgelegten Reaktionsszeiten im April waren die niedrigsten seit einem Jahr,“, sagte die Vorsitzende des Regionsrates für Süddänemark, Stephanie Lose, auf Anfrage des „Nordschleswiger“. Der Regionsrat hatte sich zuvor erneut unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Bios und dem Ambulanzdienst beschäftigt.

Bios will in der Region Süddänemark ein neues Organisationssystem aufbauen, doch verhärtete Strukturen, Misstrauen und Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen verhindern einen erfolgreichen Markteintritt. Niederländischen Berichten zufolge will das Unternehmen auch in Deutschland und den USA expandieren.

Doch selbst wenn der Service für Bürger ausreichend ist: Der Regionsrat macht weiterhin Ansprüche geltend, weil das holländische Unternehmen bisher nicht voll geliefert hat, was vertraglich vereinbart war. Bios fehlen trotz intensiver Anwerbungsmaßnahmen immer noch Rettungssanitäter. Der Vorwurf lautet, dass zu wenige Ambulanzen mit Personal besetzt sind und dass die Arbeitsbedingungen der Rettungskräfte auch bedingt durch die Personalsituation nicht den Regeln entsprechen.

„Laut Vertrag können wir Geldbußen einfordern, wenn die Bemannung nicht ausreicht – und wenn es zu lange dauert, bis die Ambulanzen auf die Straße kommen. Unsere Verwaltung rechnet gerade daran, wie wir das aufstellen, und im kommenden Monat werden dem Geschäftsausschuss und dem Regionsrat Modelle vorgelegt und Entscheidungen getroffen werden“, so Stephanie Lose. Dass Bios mitgeteilt haben soll, dass man sich auf höhere Gewalt bezieht und daher nicht zahlen will, wollte sie nicht kommentierten. „Dazu kann ich nichts sagen, und was Bios sagt, ist ja ihre Sache. Wir werden im Mai entscheiden, was wir tun. Dabei müssen wir dann auch beurteilen, ob es etwas ändert, dass die Wettbewerbsbehörde sich nun eingeschaltet hat. Aber all das müssen wir noch berechnen und abwarten.“

Allein fürs erste Quartal 2016 soll es um Bußgelder in Höhe von rund zehn Millionen Kronen (1,3 Millionen Euro) gehen. Bios bezieht sich auf den generellen Mangel an Fachkräften in der Region und meint, dass dies unter die Force-Majeure-Bestimmungen fällt – sprich: höhere Gewalt. Ein Argument, das durch die Einwände der Wettbewerbsbehörde nicht gerade abgeschwächt wird.

Warten auf Wettbewerbsbehörde

In einem sogenannten Bedenklichkeitsbericht hat die Wettbewerbs- und Verbraucherbehörde Indizien dafür gefunden, dass Falck seine dominante Position im Ambulanzbereich ausgenutzt hat. Zudem soll Falck Bios bei der Anwerbung neuer Rettungskräfte behindert haben. 

Gerade die Rekruktierung von neuen Rettern war und ist für das niederländische Ambulanzunternehmen Bios immer noch ein großes Problem. In ihrem Bericht behauptet die Behörde, dass Falck versucht, mehr Rettungskräfte anzuwerben, als man eigentlich benötigt und dass sich Falck unter anderem gegenüber seinen Rettungskräften negativ über Bios äußert, sowie diesen empfiehlt, sich nicht mit Bios einzulassen.

Falck hält den Verdacht der Konkurrenzbehörde für vollkommen falsch und versichert, dass man in keiner Weise irgendein Gesetz gebrochen habe – und wird darin auch von vielen Rettern unterstützt. Trotzdem untersucht die Region auch, was dies für Auswirkungen auf das Vertragsverhältnis mit Bios haben könnte hinsichtlich der Bußgelder.

Seitens der Region stellt man aber fest, dass man mit dem Agieren der Wettbewerbsbehörde gar nichts zu tun hat – man sei anfangs auch nur über eine Pressemitteilung von Falck informiert worden. Erstmal hält sich die Region an dem 10-Jahres-Vertrag mit Bios und stellt fest, dass es weiterhin hinsichtlich der zugesicherten Bemannung hinkt.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 14:44 Uhr

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