Kiel
Wohnheime platzen aus allen Nähten
Neuer Wohnraum für Studenten: Am Steenbeker Weg wird drei Gebäuden jeweils ein drittes Stockwerk hinzugefügt. Foto: Strebos
Kiel. In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt wird jede Menge Wissen vermittelt. Aber viele der Wissbegierigen an Christian-Albrechts-Universität, Fachhochschule und Muthesius-Kunsthochschule plagt die Sorge, wo sie während ihres Studiums unterkommen sollen. Bezahlbarer Wohnraum für Studenten ist knapp. Ein Runder Tisch im Kieler Rathaus mit Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) nahm sich jetzt dem Problem an. Dabei stellten drei Investoren baureife Projekte mit mehr als 600 Wohneinheiten und einem Volumen von über 20 Millionen Euro vor. Weitere Investoren bekräftigten ihr Interesse am Standort Kiel.
Das Unternehmen "Linotec-Line" errichtet auf dem Ostufer in der Nähe der Fachhochschule 213 neue Einheiten und 62 Tiefgaragenplätze am Heikendorfer Weg. Die Arbeiten sollen im Herbst 2013 beginnen und nach Möglichkeit zum Wintersemester 2014/2015 abgeschlossen sein.
Vorsichtiger Optimismus
Die Hermann-Ehlers-Stiftung (HES) bietet derzeit bereits 86 Zimmer in Kiel-Projensdorf an und hat konkrete Pläne für 200 neue Wohnungen in unmittelbarer Uni-Nähe. "Auch dort werden wir Mieten auf Bafög-Niveau anbieten können. Wenn alles glatt geht, dann sollen die neuen Einheiten zum Wintersemester 2015/2016 fertig sein", ist HES-Geschäftsführer Guido Wendt vorsichtig optimistisch. Schon seit zwei Jahren sei das Projekt in Absprache mit der Stadt Kiel, der Universität und dem Studentenwerk Schleswig-Holstein in Planung.
Schon in diesem Frühjahr sollen am Steenbeker Weg die Arbeiten beginnen. Dort bietet das Studentenwerk derzeit 467 Wohneinheiten an. Die bisher zweigeschossigen Gebäude 4, 8 und 10 werden jeweils um eine weitere Etage aufgestockt. So entstehen 69 neue Wohneinheiten, die zum Wintersemester 2013/2014 bezugsfertig sein sollen. Das Investitionsvolumen liegt bei knapp fünf Millionen Euro. "Wir bieten in in Kiel etwa 2000 Wohnheimplätze an, die allesamt belegt sind. Vor jedem Semester sind rund 1000 Studierende auf der Warteliste", unterstreicht Susann Schrader, Geschäftsführerin des Studentenwerks, die angespannte Lage. Für das Projekt am Steenbeker Weg steht die Ampel aber bereits auf Grün. "Wir warten nur noch auf das Go vom Bauamt", erklärt Schrader. Ein weiter Teil des Projekts ist die Modernisierung von 131 Wohneinheiten. Die aktuell dort wohnenden Studenten müssen vor dem Beginn der Bauarbeiten Mitte März zwar ausziehen, kommen aber in anderen Wohnheimen des Studentenwerks unter.
Studentenwerk sieht sich auch selbst in der Pflicht
Trotz der hoffnungsvollen Anfänge sieht Schrader die Problematik des fehlenden Wohnraums noch lange nicht beseitigt: "Es muss weiter nachgebessert werden. Der Wohnraum ist immer noch knapp und der Peak in Sachen Studentenzahlen noch nicht erreicht." Dabei sieht sich das Studentenwerk auch selbst in der Pflicht: "Es ist unser Auftrag, günstigen Wohnraum für Studierende anzubieten. Durch unser Konzept mit Wohnheim-Tutoren und -Beiräten wissen wir, was die Studierenden wollen und versuchen natürlich den modernen Ansprüchen zu genügen", erklärte Schrader.
Kiels OB Susanne Gaschke zog ein positives Fazit des Runden Tisches, an dem Investoren, Hochschulen und Verwaltung zusammengesessen und die Probleme klar benannt haben: "Die Stadt hat deutlich erkannt, dass wir bei der Ausweisung neuer Flächen und der Lösung von bekannten Problemen an Tempo zulegen müssen." Daher wolle die Stadt den möglichen Investoren unter die Arme greifen: "Die Landeshauptstadt Kiel berät und unterstützt Entwickler und Investoren bei der Grundstückssuche und Nutzungskonzeptionierung sowie beim Schaffen von Planungsrecht", hieß es bei der Pressestelle der Stadt.
Kritik von den politischen Kontrahenten ließ indes nicht lange auf sich warten. So erklärte Stefan Rudau, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Kieler Linkspartei: "Die 600 neuen Wohnungen sind eine erfreuliche Erleichterung, aber die Mehrheit der Menschen wird nichts davon spüren. Fakt ist, es gibt eine eklatante Versorgungslücke bei preiswertem Wohnraum, die weiter wachsen wird."
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