FLENSBURGER TAGEBLATT
Kinderklinik rüstet auf
Warten auf den Baby-Notarztwagen
Freuen sich über den neuen Inkubator: Dr. Michael Dördelmann (l.) und der Rektor der Diako, Pastor Wolfgang Boten. Foto: Dommasch
Flensburg. Einen sehr großen Schritt hat das Perinatal-Zentrum der Diako gemacht, aber der zweite könnte sich als zu groß erweisen. Ein moderner Inkubator und ein Baby-Notarztwagen standen zu Jahresbeginn auf der Wunschliste der Kinderklinik. Dank der großen Spendenbereitschaft der Flensburger konnte Dr. Michael Dördelmann als Chefarzt der Kinderklinik jetzt mitteilen, dass die Diako den dringend benötigten Transport-Inkubator jetzt auch bezahlen kann. Der ergänzende Baby-Notarztwagen ist vorerst außerhalb der finanziellen Reichweite.
Die Björn-Steiger-Stiftung hatte der Klinik im Januar den Transport-Inkubator vorerst als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Der transportable "Brutkasten" ersetzte ein älteres, nicht reparables Gerät, war aber immer im Zusammenhang mit der Anschaffung eines modernen Fahrzeugs gesehen worden. "Mit dem Transport-Inkubator haben wir das entscheidende Gerät beschafft", sagt Dördelmann. "Zumal wir viele Transporte von Frühgeborenen im Hubschrauber abwickeln." Für die optimale Kombination mit einem speziell gefederten Straßenfahrzeug für die Transporte von den Entbindungskliniken ins Perinatal-Zentrum fehlt das Geld. Die Spendenaktion brachte bisher stattliche 80.000 Euro für den 120.000 Euro teuren Brutkasten. "Das ist wirklich toll gelaufen", freut sich Dördelmann. "Damit ist diese wichtige Beschaffung bis Ende dieses Jahres abgeschlossen."
Spezialfederung muss jegliche einwirkende Physik neutralisieren
Dafür aber ist die Finanzierung des Fahrzeuges außerhalb der Reichweite einer Spendenaktion angelangt. "Im Januar waren wir von Beschaffungskosten in Höhe von 200.000 Euro ausgegangen. Damit kommen wir leider nicht mehr aus", sagte Dördelmann. Wegen der hohen Entwicklungskosten verteuerte sich der Spezial-Transporter auf 450.000 Euro - ein Beschaffungspreis jenseits der Reichweite auch der wohlmeinendsten Spendenaktion.
Die hohen Kosten sind der Spezialfederung geschuldet, die jegliche auf den Wagen einwirkende Physik neutralisiert. "Die kleinen Patienten reagieren besonders empfindlich auf Stöße, Erschütterungen und Fliehkräfte, die bei einem normalen Notfalltransport auf den winzigen Körper wirken", sagt Dördelmann. "Größten Schutz braucht das unreife Gehirn, denn Frühgeborene können leicht Hirnblutungen erleiden." Dördelmann will nicht unbescheiden erscheinen. "Es wäre unlauter zu sagen, es ginge nicht ohne den Baby-Notarztwagen", räumt er ein.
Letztendlich läuft alles auf eine ethische Fragestellung hinaus. Ein Leben retten, Schaden von einem Neugeborenen abwenden - soll das eine Frage des Geldes sein? Soll es nicht. Nach einem Gespräch mit Vertretern der Björn-Steiger-Stiftung blickt Dördelmann optimistischer in die Zukunft. Die bundesweit bestens vernetzte Stiftung will jetzt versuchen, das Fahrzeug über Großsponsoren zu finanzieren und zu beschaffen. "Der zeitliche Rahmen dürfte sich zwischen einem und anderthalb Jahren bewegen", sagt Dördelmann. Dann ist die Klinik auf dem neuesten Stand. "Es ist doch schön zu sehen, dass dank der Spendenbereitschaft der Flensburger und des Einsatzes der Björn-Steiger-Stiftung bestmögliche medizinische Versorgung geleistet werden kann."
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