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Umfrage in Kiel
Viele Kreuzfahrer bleiben im Terminal
Für große Einkaufstouren und Abstecher ins Umland bleiben Kreuzfahrt-Passagieren meist nur zwischen fünf und sieben Stunden Zeit. Foto: Staudt
Kiel. Der Kreuzfahrtpassagier, der nach Kiel kommt, war bislang ein unbekanntes Wesen. Warum steigt er ausgerechnet in Kiel ein, wann reist er an, was macht er bis zur Abfahrt des Schiffes? Jetzt weiß man mehr über die Urlauber. Im Auftrag des Tourismusverbandes und des Seehafens Kiel hat das Meinungsforschungsunternehmen Trendscope 2500 Reisende befragt, darunter 1700, die in Kiel ihre Reise begannen und 800, die mit dem Kreuzfahrtschiff einen Zwischenstopp in Kiel einlegten. Der erste Teil der Auswertung liegt dem sh:z jetzt exklusiv vor.
Die zentralen Ergebnisse: Die Mehrheit der Kreuzfahrtpassagiere fährt zusammen mit dem Partner, Informationen für die Reise holen sich immer noch mehr Menschen im Reisebüro (47 Prozent) als im Internet (40 Prozent) und die Anreise in die Landeshauptstadt organisieren 80 Prozent der Urlauber alleine. Knapp die Hälfte reist per Pkw an und braucht demnach einen Stellplatz in der Nähe der Terminals. 32 Prozent kommen per Bahn und knapp zehn Prozent mit dem Flugzeug. Die meisten Passagiere, die in Kiel mit dem Schiff einen Zwischenstopp einlegten, kamen aus Italien (30 Prozent), mit deutlichem Abstand gefolgt von Spaniern und US-Amerikanern.
Kaum Zeit für große Einkaufstouren
Interessante Ergebnisse lieferte die Umfrage besonders für die Kieler Wirtschaft - vor allem für Gastronomie und Einzelhandel. Zwei von drei Kreuzfahrtpassagieren, die in Kiel ihren Urlaub beginnen, reisen am gleichen Tag an, an dem ihr Schiff in See sticht. Für große Einkaufstouren und Abstecher ins Umland bleiben meist nur zwischen fünf und sieben Stunden Zeit. 62 Prozent der Passagiere bleiben während dieser Zeit ohnehin lieber im Terminal - offenbar, weil sie Angst haben, die Abfahrt des Schiffes zu verpassen. Wer dennoch shoppen will, erkundet die Einkaufsstraßen in der Umgebung des Terminals.
Immerhin 28 Prozent gaben an, schon einen Tag vor Abfahrt anzureisen. Davon profitiert die Stadt genauso wie von den Passagieren, die Kiel nicht als Wechselhafen, sondern für einen Sightseeing-Stopp nutzen. "Hier profitiert Kiel von der Innenstadtlage des Terminals", erklärt Seehafensprecher Ulf Jahnke. "Dass Hafen und Stadt bei uns eine Einheit sind, ist ein klarer Vorteil gegenüber anderen Häfen." Allein im vergangenen Jahr hatte Kiel über 50 000 solcher Tagestouristen. Sie nutzen auch Ausflugsangebote der Tourismusagentur (Tash) zu Schlössern, Burgen und Seen, machen Busausflüge nach Hamburg aber auch Abstecher nach Molfsee ins Freilichtmuseum oder zum Marine-Ehrenmal in Laboe.
Terminals als "mittelmäßig" bewertet
Bei der Wahl des Starthafens waren eine gute Verkehrsanbindung (Auto 47 Prozent, Zug 45 Prozent) und ausreichend Parkplätze nach Aussage der Befragten sehr wichtig. Dass die Terminals in der Innenstadt liegen, fanden nur 21 Prozent besonders attraktiv - eine Botschaft, die die Hafenmanager hören werden. Momentan rüsten sie den Ostuferhafen mit einem dritten Mega-Liegeplatz für die kommende Seesaison aus. "Viele Gäste von MSC-Schiffen reisen per Bahn an, für sie ist die Bahnhofsnähe attraktiv. Passagiere von Tui-Schiffen kommen hingegen häufig mit dem Auto nach Kiel, "die brauchen Parkplätze", beschreibt Jahnke die Lage.
Die bestehenden Terminals wurden als "mittelmäßig" eingestuft. Am besten schnitten noch die Toilettenanlagen ab, die von 31 Prozent der Urlauber als "sehr gut" bezeichnet wurden. Besserungsbedarf gibt es noch bei den Bistros und der Gesamt-Atmosphäre. Letztere stuften immerhin 25 Prozent der Reisenden als "nicht zufriedenstellend" ein, beim Bistroangebot waren es sogar 30 Prozent. Die gute Botschaft zum Schluss: "Knapp ein Drittel der Reisewechselpassagiere plant eine erneute Reise nach Schleswig-Holstein."
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