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Beschwerde bei der EU

Vormarsch gegen Fracking

01. Februar 2013 | 17:00 Uhr | Von dpa


Beim Fracking wird ein Chemikaliengenmisch in tiefe Gesteinsschichten gepresst - viele befürchten, dass dadurch Grundwasser verunreinigt werden könnte und protestieren gegen die Methode. Foto: dpa

Beim Fracking wird ein Chemikaliengenmisch in tiefe Gesteinsschichten gepresst - viele befürchten, dass dadurch Grundwasser verunreinigt werden könnte und protestieren gegen die Methode. Foto: dpa

Der Druck steigt: Im Bundesrat setzte sich Ministerpräsident Albig am Freitag gegen die umstrittene Methode der Gasgewinnung ein.

Kiel/Berlin. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat bundesweit einen Genehmigungsstopp von Erdgasgewinnung durch die umstrittene Fracking-Methode gefordert. Umweltverträglichkeitsprüfungen müssten zwingend vorgeschrieben werden, sagte Albig am Freitag im Bundesrat. Die Länderkammer forderte auf Antrag von fünf Ländern, darunter Schleswig-Holstein, den Bund auf, strenge Auflagen für die umstrittene Gasgewinnung aus tiefen Gesteinsschichten zu erlassen. Bisher fehlt hierfür eine bundesweit einheitliche Regelung. "Es geht darum, die Anwendung dieser Technologie solange abzulehnen, bis die Risiken hundertprozentig geklärt sind", sagte Albig.

Beim Fracking wird unter Chemikalieneinsatz mit hohem Druck Gestein aufgebrochen, damit Gas entweichen kann. In den USA hat die Förderung die Energiepreise purzeln lassen. Allerdings gibt es erhebliche Umweltrisiken. Experten sehen insbesondere Gefahren für das Grund- und Trinkwasser. Albig betonte, das Wohl und die Gesundheit der Bevölkerung müssten an allererster Stelle stehen. Er werde die Menschen in Schleswig-Holstein keinesfalls unkalkulierbaren Risiken aussetzen. Die Risiken von Fracking müssten erst erforscht werden. "Erst dann können wir über Anträge zu konkreten Fracking-Maßnahmen entscheiden", sagte der Ministerpräsident.

Anträge für Westküste und Raum Kiel liegen vor

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ergänzte: "Die Entscheidung des Bundesrats ist vor allem ein klares Signal gegen Fracking. Diese Einigkeit ist eine wichtige Basis für alle weiteren Schritte."

Besorgt äußerte sich die Piratenpartei, dass in Schleswig-Holstein zurzeit 19 bergbaurechtliche Anträge von Unternehmen vorliegen, Gebiete auf solche Erdgasvorkommen zu untersuchen oder sich Claims mit entsprechenden Vorkommen zu sichern. Für die Städte Elmshorn und Barmstedt (Kreis Pinneberg), Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg), Ostrohe (Kreis Dithmarschen) und Gettorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) habe eine Firma fünf Anträge gestellt. Insgesamt sind fast die ganze Westküste und auch der Großraum Kiel betroffen. Nach Angaben des zuständigen Energiewende- und Umweltministeriums ist über die 19 Anträge noch nicht entscheiden worden. Es sei damit aber im Februar zu rechnen. Sollten die Anträge genehmigt werden, wäre dies aber noch keine Fördergenehmigung.

Piraten sehen Verstoß gegen EU-Umweltrichtlinie

Die Piraten-Landtagsfraktion legte derweil eine Beschwerde gegen Deutschland bei der EU-Kommission ein. Das deutsche Bergrecht verstoße gegen eine EU-Umweltrichtlinie, begründete Fraktionschef Patrick Breyer den Vorstoß. So seien im Gegensatz zu der EU-Richtlinie Umweltverträglichkeitsprüfungen vor Fracking-Vorhaben nicht zwangsläufig vorgesehen. Bereits in einem Gutachten des Bundesumweltamts sei dies festgestellt worden. Breyer sieht große Chancen, dass die EU-Kommission der Beschwerde folgen und Deutschland zu Gesetzesänderungen auffordern werde. Sollte Berlin dem nicht nachkommen, könnte die EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof Deutschland verklagen. Die Beschwerde dürfte laut Breyer mehr Chancen haben als der von den Piraten begrüßte Bundesratsbeschluss, der für die Bundesregierung keinen verbindlichen Charakter habe. Im Bundestag habe Schwarz-Gelb in der Vergangenheit Anträge gegen eine obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfung verworfen.

Die Piraten lehnen Fracking aus Umweltschutzgründen ab. "Dabei werden Chemikalien eingesetzt, die das Grundwasser gefährden können", sagte die Piratenabgeordnete Angelika Beer. In Österreich habe allein wegen der dort inzwischen verbindlichen Umweltverträglichkeitsprüfung kein Unternehmen einen Antrag auf Fracking gestellt. Die Piraten fordern bei Fracking-Anträgen mehr öffentliche Transparenz. Bisher dürften nicht einmal die genauen Gebiete genannt werden, für die Unternehmen Anträge stellen. Die Piraten setzen sich im Landtag außerdem dafür ein, dass die jeweils betroffenen Kreise ein Widerspruchsrecht erhalten.


 
Leserkommentare
 
JUTTA POHN 01.02.2013 17:31
Jaja

Die USA wandeln sich vom Erdöl Importeur zum Exporteur, Kanada füllt seine Staatskassen. Nur Schleswig-Holsteins Albig sieht mehr Gefahr als Nutzen und bleibt abhängig von russischem Gas und arabischen Öl. Super!

HANS STEIN 01.02.2013 18:23
Wasser ist unser wichtigstes und kostbarstes Gut.

In Pennsylvania und Wyoming hat das Fracking bereits das Grundwasser verschmutzt. Prost !

HELMUT ERB 01.02.2013 21:20
Die Fürsorge der Landesregierung ist grenzenlos. Fast.

Seit 1961 wird das Fracking in Deutschland zur Förderung von Erdöl und Erdgas eingesetzt. Verunreinigungen des Grundwassers sind bisher nicht bekanntgeworden.

Die Landesregierung lehnt das Fracking ab, solange nicht alle Risiken hundertprozentig geklärt sind. Hundertprozentig.

Der Landesregierung ist bekannt, daß die sogenannten Erneuerbaren Energien neben vielen anderen Problemen auch das Wohl und die Gesundheit der Menschen gefährden. Krankmachender Infraschall aus Windkraftanlagen, Grundwassergefährdung und Oberflächenwasserverschmutzung durch Maisanbau und Agrargasanlagen werden nur von Investoren und Betreibern bestritten.

So gibt es eben Risiken für das Wohl und die Gesundheit der Bevölkerung, die die Landesregierung hundertprozentig geklärt wissen will. Und andere. Die sind ihr schnuppe.

HANS STEIN 01.02.2013 22:17
Chemiekeule

600 Chemikalien kommen zum Einsatz. Die Unternehmen schweigen – angeblich aus Wettbewerbsgründen - größtenteils über die Zusammensetzung. Von 260 bekannten Chemikalien wurden 58 als problematisch eingestuft.
- 17 Substanzen sind klassifiziert als toxisch für aquatische Organismen,
- 38 Substanzen als akut toxisch für die menschliche Gesundheit,
- 8 Substanzen als karzinogen,
- 6 Substanzen stehen im Verdacht, karzinogen zu sein,
- 7 Substanzen als mutagen und
- 5 Substanzen haben Effekte auf die Reproduktivität.

Hinzu kommen schädliche Substanzen aus den Lagerstätte wie z. B. Quecksilber, Blei, Arsen, radioaktive Verbindungen von Radium, Thorium und Uran, sowie organische Verbindungen wie organische Säuren, polyaromatische Kohlenwasserstoffe und flüchtige sowie halbflüchtige Kohlenwasserstoffe.

In Niedersachsen wurde bei einer Erdgasförderung mit Fracking der Ackerboden u. a. mit Quecksilber und Benzol kontaminiert, so dass 2.500 m3 Boden abgetragen und das Grundwasser abgesaugt und gereinigt werden mussten.

Dagegen ist das Wasser, das durch Oberflächenwasserverschmutzung durch Maisanbau und Agrargasanlagen verunreinigt wurde, der reinste Gesundheitstrunk!

Dann man Prost Herr Erb und immer schön auf Linie bleiben!

PS. Die Gaspreise müssen übrigens doppelt so hoch sein, damit sich das Fracking in Europa überhaupt rechnet.

UDO DAMERAU 02.02.2013 19:43
Was ist den hier los?

Unser Energiewendeminister will uns doch mit ´Erneuerbaren´ versorgen.
´Versorgen´ im Sinne von immer und in erforderlicher Menge verfügbar.
Mit der von ihm ´verstetigten´ Offshore-Energie sogar vollständig.

Und Onshore geht der Ausbau auch munter weiter.
Und die Dächer werden immer glänzender.
Und die grünen Pilze schießen aus dem Boden.

Und die Klima-Wahrsager versprechen aufgrund der Erwärmung immer mehr Wind - also Energie.
Und große Trockenheit wird uns angedroht - also mehr Sonne und damit mehr Photostrom.
Und für Energiepflanzen haben wir auch noch Platz.

Was soll denn dann das Fracking-Verfahren?

Und außerdem fangen alle (erst jetzt?) das Stromsparen an.
Sogar die Städte ´sparen´ nachts Strom mit LED für die Straßenbeleuchtung.
Das ´spart´ zwar nichts, wie hier nachzulesen,
www.shz.de/nachrichten/top-thema/artikel/kommunen-wollen-stromfresser-zaehmen.html
ist aber als Klimaschutz-Aushängeschild sehr geeignet, vor allem, wenn Journalisten, die ganz offensichtlich nicht recherchieren dürfen(?) / wollen(?) / können(?), es auch noch unkommentiert verbreiten.



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