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Studie

Nichtraucher in Kneipen schlecht geschützt

03. Juli 2012 | 07:00 Uhr | Von kim


Rund 3300 Menschen sterben jährlich bundesweit durch Passivrauchen. Foto: dpa

Rund 3300 Menschen sterben jährlich bundesweit durch Passivrauchen. Foto: dpa

80 Prozent verrauchte Bars und Kneipen: Der Nichtraucherschutz in Schleswig-Holsteins Gastronomie weist nach einer Studie "eklatante Missstände" auf.

Kiel. Mehr als 80 Prozent aller Kneipen in Schleswig-Holstein sind verqualmt. Vor allem in kleineren Städten wird das Nichtraucherschutzgesetz missachtet. Das geht aus einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums hervor, die am Montag in Kiel vorgestellt wurde.

 

Nichtraucherschutz

Sollten Nichtraucher im Norden stärker geschützt werden?

Ja, Rauchen ist an zu vielen Orten noch erlaubt. An allen öffentlichen Plätzen - egal ob drinnen oder draußen - sollte es verboten werden.

Es gibt doch schon das Rauchverbot in Gaststätten. Abgetrennte Raucherbereiche reichen völlig aus.

Die Gaststättenbetreiber halten sich nicht an das Nichtraucherschutzgesetz. Hier muss stärker kontrolliert werden.

Jeder Kneipen und Restaurantbesitzer sollte frei wählen können, ob bei ihm geraucht werden darf. Die Gäste können dann selbst entscheiden, ob sie in ein Raucher- oder Nichtraucherlokal gehen wollen.



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Dafür untersuchten Wissenschaftler rund 800 Gastronomiebetriebe in Kiel, Flensburg, Lübeck, Husum, Itzehoe und Neustadt. "Der Nichtraucherschutz im Norden weist eklatante Miss stände auf", so Studienleiterin Martina Pötschke-Langer. Der Anspruch des Gesetzgebers, die Bevölkerung wirksam vorm Passivrauchen zu schützen, müsse " als gescheitert angesehen werden". Zwar werde in Cafés und Imbissbuden wenig oder gar nicht geraucht, aber bei den Restaurants sei der Glimmstängel noch in fast jedem vierten Betrieb erlaubt.

Flensburg Spitzenreiter im Norden

Dabei bestehen starke regionale Unterschiede: Während in Flensburg 80 Prozent der Gastro-Betriebe ohne blauen Dunst auskommen, sind es in kleineren Städten oft nur 60 Prozent. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter München sind 95 Prozent der Betriebe rauchfrei. Dort gilt allerdings auch ein generelles Rauchverbot, während hierzulande zahlreiche Ausnahmeregelungen - etwa für Eckkneipen oder große Restaurants mit extra Raucherräumen - die Kontrolle erschweren.

Die Folge: In Husum, Itzehoe und Neustadt erfüllte kein einziger Raucherraum die gesetzlichen Auflagen. In Flensburg wurden - trotz Verbot - in jeder zweiten Kneipe Speisen verkauft. Pötschke-Langer plädiert angesichts dieser "eklatanten Verstöße" für eine Gesetzesänderung: "Der Norden soll sich ein Beispiel an Bayern nehmen". Auch in Skandinavien habe man mit einer Rauchverbot ohne Ausnahmen gute Erfahrungen gemacht.

3300 Tote pro Jahr durch Passivrauchen

"Die neue Landesregierung wird die Umsetzung des Gesetzes überprüfen", sicherte Christian Kohl, Sprecher des Gesundheitsministeriums, zu. Eine Überprüfung sei im Koalitionsvertrag ohnehin vorgesehen. "Ziel ist ein effizienter und konsequenter Gesundheitsschutz", sagte Kohl. Auch die Grünen wollen sich für die Streichung der Ausnahme regelungen stark machen.

Rund 3300 Menschen sterben jährlich bundesweit durch Passivrauchen, wie kürzlich die Uni Münster meldete. Seit langem fordern Ärzte und Kassen die Verschärfung des Nicht raucherschutzgesetzes. In Bundesländern mit striktem Rauchverbot ist laut einer Studie der DAK die Zahl der Herzinfarkte um acht Prozent gesunken. Prävention "Ja", Gängelung "Nein", meint denn auch Anita Klahn, Landtagsabgeordnete der FDP. Allerdings bemängelt sie "dass die Freiheiten der Bürger weiter eingeschränkt, die Bagatellgrenzen für weiche Drogen aber angehoben werden sollen.


 
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