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Kofferraum-Baby aus Neumünster

Anton bleibt vorerst bei Pflegefamilie

09. September 2011 | 15:47 Uhr | Von Eckard Gehm, shz.de, dpa

Der kleine Anton bleibt vorerst bei einer Pflegefamilie. Foto: sh:z

Der kleine Anton bleibt vorerst bei einer Pflegefamilie. Foto: sh:z

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Zunächst soll der kleine Anton bei einer Pflegefamilie bleiben. Die jungen Eltern hatten ihren Säugling eingesperrt, damit sie feiern konnten. Jetzt erklären sie, warum ihr Sohn trotzdem bei ihnen bleiben sollte.

Neumünster. Das Baby, das ein junges Paar aus Neumünster für einen Konzertbesuch allein im Kofferraum gelassen hat, bleibt vorläufig in Obhut einer Pflegefamilie - auch gegen den Willen der Eltern. Das Familiengericht habe dies am Donnerstag erstmal abgesegnet, bis es eine endgültige Entscheidung gefällt habe, sagte der Fachdienstleiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes, Jörg Hellberg, in Neumünster.  Das Gericht bestreitet dies jedoch: Es habe am Donnerstag in dieser Angelegenheit überhaupt noch keine Entscheidung getroffen, teilt der  Direktor des Amtsgerichts Neumünster Andreas Martins am Freitag mit.

"Ich will mein Kind zurück", sagt allerdings Annika W. (18). Sie ist die junge Frau, die ihren acht Monate alten Sohn Anton in den Kofferraum sperrte, um mit ihrem Ehemann bei der Musikshow "The Dome" zu feiern. Es ist ein Fall, der fassungslos macht: Wie können Eltern nur so herzlos sein?

Besuch bei der Mutter: Annika W. lebt mit Ehemann Daniel W. (26) in einem Mehrfamilienhaus in Neumünster. Zwei Zimmer, ein Kinderbettchen, ein Kätzchen. Der Golf V des Pärchens parkt nicht mehr vor der Tür. "Eine Vorsichtsmaßnahme", sagt Daniel W. und wirft seinen zögerlichen Blick zu seiner Frau. Annika W. erklärt: "Wir bekommen Anrufe von Leuten, die mich als Rabenmutter beschimpfen und uns bedrohen."

"Er war ein Wunschkind"

Im Wohnzimmerregal steht ein Bild von Anton. Ein süßer Knirps im Arm seiner strahlenden Mutter. "Er war ein Wunschkind", sagt sie, lächelt. Warum dann nur der Kofferraum? Annika W. antwortet sachlich: "Wir hatten die Fenster einen Spalt offen gelassen und eine Seite der geteilten Rückbank umgeklappt. Anton hatte genug Licht und Luft. Und das Auto stand im Schatten."

Mittwoch war das Pärchen beim Jugendamt, hat der amtlichen Inobhutnahme des Babys widersprochen. Die beiden haben einen Rechtsanwalt eingeschaltet und ein Besuchsrecht durchgesetzt.

"Weil die Karten schon gekauft waren, sind wir los"

"Wir hatten unsere Familienhelferin über die Fahrt zu dem Konzert informiert und für diese Tage jemanden organisiert, der auf Anton aufpasst", sagt Annika W., die vom Jugendamt betreut wird, seit sie mit 15 Jahren das erste Mal schwanger wurde. "Doch die Sachbearbeiterin meinte, dass Baby müsse bei uns bleiben. Weil die Karten schon gekauft waren, sind wir los."

Die kleine Familie machte sich auf den Weg nach Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Daniel W.: "Wir haben uns noch andere Städte angesehen und natürlich die ganze Zeit überlegt, wie wir das mit Anton regeln können." Beide beschlossen, nur je eine Hälfte des Konzerts zu besuchen. So wäre Anton nicht allein geblieben. "Es war dann eine spontane Entscheidung, doch gemeinsam zu gehen", meint Annika W. leise. "Das tut uns heute sehr leid."

"Ja, wir haben daraus gelernt"

Wussten die beiden, dass ihr kleiner Sohn bis zum Ende des Konzerts über sieben Stunden allein gewesen wäre? Annika W.: "Wir wollten doch in der Pause nach ihm sehen, aber die Security ließ uns nicht vom Gelände." Die Lautsprecherdurchsagen der Polizei wollen beide nicht gehört haben, erst durch den Anruf eines Nachbarn aus Neumünster erfuhren sie davon, dass Beamte eine Scheibe eingeschlagen, den schreienden und durchgeschwitzten Anton aus dem Golf befreit hatten.

"Ja, wir haben daraus gelernt", sagt Annika W. und erzählt von ihrem Leben. Neun Jahre lebte sie in Heimen, ihre Mutter starb an Leberzirrhose, der Kontakt zum Vater ist schlecht. Die Schule schmiss sie ohne Abschluss nach der achten Klasse - schwanger von ihrem heutigen Ehemann, den sie beim Chatten kennengelernt hatte. Er sucht Arbeit, und der erste Sohn der beiden lebt heute bei den Eltern von Daniel W. Geheiratet hat das Pärchen dann einen Monat vor Antons Geburt. "Wir sind vier Jahre zusammen, das schaffen viele andere Paare nicht", sagt Annika W. und fügt hinzu: "Wir sind eine Familie und werden kämpfen. Ich will mein Kind zurück."


 
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