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Urteil in Hamburg
Mord an der Reeperbahn: Lange Haftstrafen
Der Polizeieinsatz im April 2012 in St. Pauli: In diesem Café wurde der Mann niedergestochen. Foto: dpa
Hamburg. In den frühen Morgenstunden schlugen sie zu: Wie ein Rollkommando stürmten vier Männer im April 2012 in eine Kaffeebar nahe der Hamburger Reeperbahn, erstachen den 44-jährigen Besitzer, schlugen mit einem Meißel auf ihn ein und schossen seine 31 Jahre alte Schwester an. Gerade einmal 20 Sekunden dauerte der Überfall, dann flüchteten sie. Knapp ein Jahr später verhängte das Landgericht Hamburg am Donnerstag lange Haftstrafen gegen die Männer.
Die Kammer verurteilte einen 24-Jährigen wegen Mordes zu lebenslanger Haft, seinen vier Jahre älteren Cousin zu elf Jahren Gefängnis. Zwei 33 und 37 Jahre alte Männer sprach das Gericht der gefährlichen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, sie müssen für je sieben Jahre ins Gefängnis.
Streit zwischen befreundeten Familien eskalierte
Vorausgegangen war dem tödlichen Überfall offenbar ein alltäglicher Streit zwischen den ehemals befreundeten Familien, der nach und nach eskalierte. "Sie strebten nach gewaltsamer Vergeltung für die ihnen geschehene Demütigung", erklärte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung.
Nach Ansicht des Gerichts hatten sich die beiden Cousins gegen Mitternacht mit ihren Komplizen in der Nähe der Kaffeebar getroffen und das Vorgehen besprochen. "Alle vier Angeklagten wussten um die Bewaffnung des jeweils anderen", sagte der Vorsitzende Richter. Auch, dass das spätere Opfer gemeinsam mit mehreren Brüdern in der Kaffeebar sein würde, sei bekannt gewesen. Der Hauptangeklagte habe bewusst die Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt und "absichtlich getötet", als er in die Kaffeebar stürmte und dem 44-Jährigen das Messer zweimal in den Rücken rammte. Das Opfer habe sich noch nicht einmal mehr umdrehen oder wehren können.
Festnahme auf dem Damenklo
Auch der Cousin hatte es gezielt auf das spätere Opfer abgesehen. Mit einem Meißel schlug er auf den Kopf des 44-Jährigen ein, verletzte ihn lebensgefährlich. Tödlich waren jedoch die Messerstiche, wie die Obduktion der Leiche ergab. Die Mitangeklagten hatten die Cousins offenbar zur Unterstützung mitgenommen. Sie hätten aus "landsmannschaftlicher Verbundenheit" und einem Gefühl der Verpflichtung gegenüber der Familie gehandelt, erklärte der Richter.
Ob der 33-Jährige oder der 37 Jahre alte Angeklagte auf die Schwester des Opfers geschossen hatte, konnte das Gericht nicht abschließend klären. Die Frau wurde lebensgefährlich verletzt. Auch ihre Flucht hatten die vier Männer geplant: Auf der Straße schossen sie auf ihre Verfolger und gelangten dann mittels zuvor beschaffter Schlüssel durch die Diskothek "Tunnel" in das "Café Keese" auf der Reeperbahn. Dort nahm die Polizei sie wenig später auf dem Damenklo fest.
Anstifter der Tat war offenbar der Vater des Haupttäters - das sagte der mitangeklagte Cousin vor Gericht. Die umfassende Aussage des 28-Jährigen, die ein Verfahren wegen Anstiftung zum Mord gegen den Onkel ermöglichte, sowie sein Geständnis werteten die Richter als außergewöhnlich mildernde Umstände und verurteilten ihn deshalb wegen Mordes nicht zu einer lebenslänglichen Haftstrafe, sondern zu elf Jahren Gefängnis.
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