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Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt

Eier-Betrug auch in Schleswig-Holstein

26. Februar 2013 | 17:42 Uhr | Von shz.de/dpa


Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie Bio-Betrieben sollen als angebliche Bio-Eier in den Handel gelangt sein. Foto: dpa

Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie Bio-Betrieben sollen als angebliche Bio-Eier in den Handel gelangt sein. Foto: dpa

Auch aus Schleswig-Holstein sollen falsch deklarierte Bio-Eier in den Handel geraten sein. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg übergab mehrere Fälle an die Behörde in Kiel.

Kiel. Am Dienstagmittag ging die Akte bei der Staatsanwaltschaft Kiel ein: Auch in Schleswig-Holstein steht ein landwirtschaftlicher Betrieb unter Verdacht, Eier falsch deklariert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Kiel habe mehrere Fälle von der Behörde in Oldenburg übernommen, teilte Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Dienstag mit. Einer von diesen Fällen wird demnach weiterverfolgt. Nähere Angaben machte sie mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Noch am Montagabend hatten die Staatsanwaltschaften in Kiel, Lübeck, Flensburg und Itzehoe mitgeteilt, es gebe zurzeit keine Ermittlungen gegen landwirtschaftliche Betriebe.

Acht Bundesländer betroffen

Der übergeordneten Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein lägen bisher keine Informationen über eventuelle Betrugsfälle in diesem Bereich vor, sagte deren Sprecher Heinz Döllel in Schleswig.

Die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Oldenburg hat mehrere Fälle in sieben andere Bundesländer abgegeben - unter anderem nach Schleswig-Holstein. Manche Verfahren seien schon um die Jahreswende 2011/2012 weitergeleitet worden, sagte Frauke Wilken von der Staatsanwaltschaft Oldenburg.

Ermittlungen gegen 200 Betriebe bundesweit

 Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie Bio-Betrieben vor allem aus Niedersachsen sollen als angebliche Bio-Eier in den Handel gelangt sein. Bundesweit wird gegen 200 Betriebe ermittelt. In dem Skandal hat die Oldenburger Staatsanwaltschaft mehrere Fälle in sieben andere Bundesländer abgegeben. Betroffen seien Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Die Legehennen sollen in überfüllten Ställen nicht so gehalten und gefüttert worden sein, wie es für Bio-Eier vorgeschrieben ist. Der Verband der niedersächsischen Geflügelwirtschaft lehnte eine Stellungnahme mit Hinweis auf die laufenden Verfahren und fehlende Informationen ab.

Berufsverband fordert mehr Personal

Der Vorsitzende des Bundestags-Verbraucherausschusses, Hans- Michael Goldmann (FDP), forderte eine schärfere Überwachung. "Wir benötigen intensivere und fachlich bessere Lebensmittelkontrollen", sagte der Politiker.

Der Berufsverband der Lebensmittelkontrolleure forderte mehr Personal. Teils sei ein Prüfer für 1200 Betriebe zuständig. "Dadurch können wir nicht den spürbaren Überwachungsdruck auf die Branche ausüben, der notwendig wäre", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller, der "Welt". Statt der 2400 Prüfer bundesweit seien mindestens 4000 Kontrolleure nötig.

Sorge um den guten Ruf von Bio-Ware

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Eckehard Niemann, fürchtet um den guten Ruf der Bio-Bauern. "Unsere Sorge ist, dass es jetzt wieder heißt: Bio kann man auch nicht trauen", sagte er. "Jetzt müssen sich die Verbände deutlich von der Agrarindustrie distanzieren und entsprechende Betriebe ausschließen", forderte Niemann.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen ein Zivilverfahren vor dem Osnabrücker Landgericht. Dabei war aufgefallen, dass ein Landwirt aus dem Emsland statt der im Biostall erlaubten 12.000 Junghennen 15.000 Tiere hielt. Das Gericht leitete die Akte an das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) weiter. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg übernahm schließlich die Ermittlungen.


 
Leserkommentare
 
HANS HINRICH HATJE 26.02.2013 21:11
Skandal war zu erwarten...

denn zu sehr hat sich auch der Biomarkt "globalisiert". Deshalb erscheint die Forderung, sich von "bioagrarindustriellen" Betrieben zu trennen, nicht mehr glaubwürdig. Schließlich war es Frau Künast als zuständige Bundesministerin, die jetzt lauthals nach noch mehr Kontrollen ruft, die nach der BSE-Krise die "Ökowende" ausrief (2001/02) und durch ein vereinfachtes Biosiegel geradezu die ausländische Konkurrenz ermutigte, den deutschen Biomarkt zu "erobern". Dagegen konnten und können sich deutsche Biobauern nur mit größeren Strukturen wehren, wobei betrügerischen Machenschaften mehr und mehr Tür und Tor geöffnet wurden u. werden. Da, wo Bio besser funktioniert - sprich in kleineren strukturellen Einheiten wie in Bayern -, gibt es auch mehr Begleitförderung finanzieller Art seitens der Politik bzw. bessere Ideen der Vermarktung wie regionale Vermarktungsstrategien im Allgäu beispielsweise ("1000 Rinder Programm"). Etliche Ökobetriebe segelten viel zu lange - gerade in Schleswig-Holst. - im Schatten des "Ökobooms" in der Hoffnung, doch noch irgendwann etwas von dem Kuchen abzubekommen. Versprechungen rotgrüner, eher praxisferner Politik (z.B. unter Simonis) konnten nicht erfüllt werden. Im Gegenteil - mit der damaligen Auflösung des Agrarministeriums wurde eine Abkehr einer überschaubaren Regionallandwirtschaft noch verstärkt eingeleitet. Fazit: Bioerzeugnisse als Massenware bleiben im Trend vor dem Hintergrund einer pseudoökologischen Einstellung vieler Verbraucher, die z.B. den Gang zum Biodiscounter (weil billiger) dem Einkauf in einem kleinen Biohofladen auf dem Lande vorziehen.

FRIEDRICH FISCHER 26.02.2013 22:37
Herr Hatje

vollste Zustimmung zu Ihrem Beitrag! Seit über 40 Jahren bin ich am Thema und vertraue mittlerweile nur noch den Demeter-Produkten. Leider muß ich wegen der schwankenden Verfügbarkeit Kompromisse tätigen. Aufruf: Laßt Euch nicht verunsichern, konsumiert weiter zweifelhafte Chemieprodukte, geht zum 'Onkel Doktor' für die weitere Chemieversorgung - dann bleibt mehr für mich übrig. Danke.

X 275 27.02.2013 01:32
Kurzfassung von Hans Hinrich

Massentierhaltung plus Bio-Pflege (also zB weniger Medizin) ist nicht gut, da gibts schon Diverse Beispiele in den Zeitungen.

Wenn die Gesellschaft echt "Bio" will (und ich gehöre nicht zu denjenigen), dann wird das noch deutlich teurer, als nur ein kleiner grüner Stempel, der jetzt auf der Hälfte der Produkte ist und nichts bedeutet.

HANNES KIESSLING 27.02.2013 04:25
der Mensch heutzutage will immer mehr...!

Das Problem ist der Mensch!
Er will Alles und immer mehr... Jeden Tag Fleisch, jeden Tag Eier, jeden Tag...

Gott sei Dank legen meine eigenen Hühner echte Bioeier :-)

CLEMENS BORISCH 27.02.2013 08:24
@Herr Kiessling

So ist das leider. Dabei hoffe ich, das ihr Vorredner X 275 das auch verstanden hat, worum es hier geht?
Ich will auch so Vieles. Und Viele wollen nur ihren Profit auf Kosten der Tiere machen. Doch anscheinend gibt es auch legale Kriminalität, die von der Regierung nicht nur geduldet, sondern noch gefördert wird.

CHRISTIAN MATT 27.02.2013 16:00
Mich kotzt richtig an,

dass seitens der Behörden keinerlei Firmennamen genannt werden. Der Datenschutz hilft den Kriminellen und ich werde das Gefühl nicht los, dass hier sehr viel unter den Tisch gekehrt werden soll.

NORBERT KARL 27.02.2013 18:55
CHRISTIAN MATT 27.02.2013 16:00

Googlen Sie mal:
Tiemann,
Wiesengold
Deutsche Frühstücksei aus Neunkirchen-Vörden
Das muß erstmal reichen.

CHRISTIAN MATT 27.02.2013 19:41
@NORBERT KARL

Ich möchte nicht von Google wissen wer es in Deutschland sein könnte sondern von der Schleswig-Holsteinischen Regierung, welche Firma bei uns kriminelle Machenschaften verübt damit ich dessen gekennzeichnete Eier meiden kann.

NORBERT KARL 27.02.2013 20:46
CHRISTIAN MATT 27.02.2013 19:41

Da können Sie lange warten!
Diese Firmen sind laut Presse in dem Skandal verwickelt!
Die sitzen in Niedersachsen.
Allerdings weiß ich nicht, ob die auch in S-H ihre Geschäfte machen?



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