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Erneuerbare Energien

Die Umwelt schonen und trotzdem sparen

18. Dezember 2012 | 06:00 Uhr | Von Frederic Wanders


Der Strom wird wieder teurer. Zum Glück sind erneuerbare Energien aber nicht nur gut für die Umwelt. Foto: pt

Der Strom wird wieder teurer. Zum Glück sind erneuerbare Energien aber nicht nur gut für die Umwelt. Foto: pt

Ökostrom muss nicht immer teurer sein. In 70 der 100 größten Städte Deutschlands ist grüne Energie günstiger als traditioneller Strom. Man muss nur die Preise vergleichen und auf das richtige Gütesiegel achten.

Flensburg. Die Energiewende kommt. Sie ist zwar noch weit von ihrem Abschluss entfernt, aber sie ist auf dem Weg. Das lässt sich vor allem an den Strompreisen ablesen: 2013 steigt die Umlage des Erneuerbaren Energien Gesetzes auf 5,28 Cent pro Kilowattstunde an. Lohnt es sich da überhaupt schon jetzt auf erneuerbare Energien zu setzen? Ja, wenn man die Angebote der Anbieter vergleicht.

Christine Hannemann von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein sagt jedoch, dass auf der Suche nach billiger Energie, Ökostrom nicht unbedingt die beste Wahl sei. "Eigentlich zahlt man bei Ökostromversorgern immer etwas mehr", sagt sie. Ein Vergleich des Aktionsbündnisses "Atomausstieg selber machen" (ASM) vom November dieses Jahres besagt dagegen, dass in 70 der 100 größten deutschen Städte mindestens ein reiner Ökostromanbieter günstiger sei als der lokale Grundversorger.

"Man muss sich informieren und Preise vergleichen"

"Man muss sich eben informieren und vergleichen", sagt Tina Mieritz, Referentin für Energiepolitik und Klimaschutz beim Naturschutzbund Deutschland. Sie meint auch, dass ein Wechsel zu einem unabhängigen Ökostromversorger nicht immer teurer sein muss. Es dürfe sich aber nicht nur um den Preis drehen - auch auf die ökologischen Aspekte sollte man Wert legen. "Der Anbieter sollte auf jeden Fall in den Ausbau der regenerativen Energien investieren", sagt sie. Das verändere auch langfristig die Preise. Der ASM-Vergleich besagt auch, dass ein Privathaushalt mit einem Wechsel zu einem unabhängigen Ökostromanbieter bis zu 171 Euro an Stromkosten im Jahr sparen kann. Außerdem hätten Grundversorger-Kunden in den vergangenen zwei Jahren Preisanstiege zwischen zwölf und 24 Prozent verkraften müssen. Währenddessen seien die Preise der Ökostromversorger nur zwischen fünf und neun Prozent angestiegen.

Melanie Ball, Leiterin des Aktionsbündnis ASM, sagt wie diese Ergebnisse ihrer Meinung nach zu Stande kommen: "Soweit ich weiß obliegt es den Versorgern selbst, welche Kosten sie an die Kunden weiterreichen", sagt sie. Deshalb läge es auch hauptsächlich an ihnen, wie hoch die Stromrechnung am Ende werde. In Flensburg beispielsweise zeigt der Vergleich, dass die vier aufgeführten Ökostromanbieter günstiger als der einfache Tarif der Flensburger Stadtwerke sind. In Kiel und Lübeck gebe es jeweils zwei Ökostromanbieter mit besseren Konditionen als der Grundversorger.

Fünf Gütesiegel und eine Kritik

Aber wie kann ich herausfinden ob ich auch wirklich nur Ökostrom verbrauche? Da es in Deutschland kein einheitliches Gütesiegel für die Produktion von Ökostrom gibt, muss sich der Kunde selbst über die verschiedenen Zertifikate informieren. Insgesamt gibt es in Deutschland fünf Prüfstellen: Das Renewable Energy Certificate System (RECS). Die Gütesiegel des TÜV Nord und des TÜV Süd, das OK Power-Gütesiegel, das Grüner Strom Label und das Siegel der Landesgewerbeanstalt Bayern.

RECS-Zertifikate werden in Deutschland vom Öko-Institut e.V. in Freiburg ausgegeben. Jedes Mitglied erwirbt die Zertifikate für eine vorher selbst bestimmte Anzahl an Megawattstunden. Die bezahlten Megawattstunden werden dann als grün ausgewiesen. Verbraucherschützer kritisieren die RECS-Zertifikate allerdings, da sie Kohle- oder Atomstrom als grüne Energie ausweisen. Die vier großen Energielieferanten in Deutschland sind alle Mitglieder des RECS-Verfahrens.

Mehr Ökostrom als Kernenergie

Die Wirtschaft zeigt aber, dass sie einen Schritt nach vorne getan hat. Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft am Dienstag in Berlin mitteilte, klettert der Ökostromanteil im laufenden Jahr auf den Rekordwert von rund 23 Prozent. Damit dürfte Ökostrom auch in diesem Jahr wieder vor der Kernenergie liegen. Auch die großen Konzerne setzen verstärkt auf Ökostrom.

Ein Recherchebericht des gemeinnützigen Vereins "Robin Wood" zeigt die Beteiligungen der Großkonzerne an den vier größten Ökostromanbietern im Land. Der Bericht stellt fest: EWS Schönau, Lichtblick, Naturstrom und Greenpeace Energy arbeiten alle mit Beteiligungen der Großkonzerne. Allerdings seien die Konzerne meist nur an den Wasserkraftwerken beteiligt, aus denen die Anbieter hauptsächlich ihren Ökostrom beziehen. Eine Einflussnahme auf die Ökostromanbieter schließt der Bericht daher aus.

http://www.stromauskunft.de/oekostrom/oekostrom-vergleich


 
Leserkommentare
 
UDO DAMERAU 18.12.2012 08:50
"Aber wie kann ich herausfinden ob ich auch wirklich nur Ökostrom verbrauche? "

ÜBERHAUPT NICHT!

Und ´nur´ Ökostrom wird nirgends geliefert - geht überhaupt nicht, denn
es gibt keine getrennten Lieferungen für Öko-Käufer und andere.
In der Straße liegt nur EIN Kabel für alle Verbaucher und nicht wie beim Telefon für jeden Anschluss ein eigener Draht.

Roter Draht im Stromkabel=Atomstrom, schwarzer oder brauner Draht = Fossilstrom und grün-gelber Draht=Ökostrom ist ein Irrtum ;-)

Außerdem hat weder Atom- noch Fossil- noch Wind- oder Photo- oder Biogas-Strom irgendeinen Einfluss auf das Wetter oder Klima; mit Ökostrom ein ´gutes Gewissen´ zu suchen ist vergebliche Mühe.

Wenn er irgendwo günstiger angeboten wird: Nehmen und zurücklehnen...
Es kommt der gleiche Strom an wie beim Nachbarn, egal was der kauft.

FLÖTEN SPIEL 18.12.2012 12:24
Sehr schön

Absolut Korrekter Beitrag @Udo Damerau.
Es gibt also doch noch Hoffnung, dass wir hier nicht nur kreischende Euphoristen für die Öko-Welle haben.
Und da ich ja hellseher bin, sage ich voraus:
Sobald die Mehrheit auf Ökostrom umgestellt hat, da unsere AKWs ja alle dichtgemacht werden, wird der Preis um 90% angehoben. So wie sie es mit den dieselfahrzeugen gemacht haben. Und nächstes jahr ist ja sowieso erhöhung, damit die subventionen für Öko-Strom bezahlt werden können. Den Preisvorteil zahlen also alle fleissig mit. Lustiges kleines Finanzspielchen was hier mit uns getrieben wird. Aber hauptsache man hat den albernen Aufkleber "Atomstrom? Nein Danke".... Daneben müsst man eigentlich direkt "ich bin ein Idiot" kleben.

HANS STEIN 18.12.2012 22:24
FLÖTEN SPIEL 18.12.2012 12:24 - Fakten?

".... Daneben müsst man eigentlich direkt "ich bin ein Idiot" kleben."

Fakt: Ich tanke seit über 10 Jahren Diesel. Mit äußerst (!) kurzen Ausnahmen war der Preis deutlich unter dem Preis von Benzin – auch unter steuerlichen Aspekten. Eine Anhebung um 90 % ist eine nicht beweisbare Behauptung und hat auch nie statt gefunden.

Zu den Erneuerbaren:
Die Importe für Energie-Träger (ohne Kernenergie) beliefen sich im Jahr 2011 auf 87 Milliarden Euro. Das waren 16 Milliarden oder 23 % mehr als im Vorjahr. Wir können also sehen, wo hin die Preis-Entwicklung bei den herkömmlichen Energieträgern geht.

Der größte Teil der Investitionen für die Erneuerbaren wird durch wegfallende Energie-Importe incl. der damit einhergehenden Preissteigerungen bereits aufgefangen. Schon deshalb ist die Energiewende volkswirtschaftlich sinnvoll. Besser-Wisser-Physiker können wohl nicht volkswirtschaftlich denken. Anders kann ich mir mache Kritiken hier einfach nicht erklären. Nebenbei: Ob nun menschengemachter Klimawechsel oder Natur gemachter, ist mir völlig egal. Wir werden uns darauf einstellen müssen. Klar ist aber, dass die Ressourcen begrenzt sind (langfristige Betrachtungsweise).

Uns wurde immer suggeriert, dass „Ich-bin-dagegen" ein Attribut der Grünen sei. Es scheint aber weit verbreitet zu sein....
Viel Spaß beim Flöten!



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