Alkohol
KOMMENTAR: Die Droge für alle
Er ist überall verfügbar, billig, und er bringt den Tod. 552 Schleswig-Holsteiner sterben jedes Jahr an Alkoholmissbrauch. Das ist eine Zahl, die alarmieren sollte, aber wohl ernsthaft niemanden überraschen dürfte. Jeder weiß, was Alkohol anrichten kann - und trotzdem setzen sich die meisten Menschen ganz bewusst dem Risiko aus, weil sie irrtümlich glauben, nicht gefährdet zu sein.
Jeder der glaubt, mit restriktiven Maßnahmen, Verboten oder Regeln könnte man die Zahl der Abhängigen senken, sollte sich in diesen Tagen einmal in Schleswig-Holstein umschauen. Kein Weihnachtsmarkt auf dem es keinen Glühwein gibt. Keine Adventsfeier ohne Bier. Und auch in vielen Familien wird unterm Weihnachtsbaum kräftig gebechert. Es gibt viele Ausreden, warum ständig getrunken werden muss, und sie werden gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Und daran wollen die meisten Menschen auch nichts ändern.
Teil der Alltagskultur
Genau das ist das Problem: Alkohol ist Teil der überlieferten Alltagskultur, die sich nicht einfach modifizieren lassen wird. Alkohol ist bei allen möglichen Anlässen präsent. Alkohol ist schon immer die Droge des kleinen Mannes gewesen - und sie wird es bleiben. In Zeiten von Wirtschaftskrisen wird die Masse der Alkoholkranken und -toten deshalb eher noch zunehmen.
Was also kann helfen, die Zahl der Zecher zu senken? Nicht viel. Natürlich können die Preise radikal erhöht werden, aber seien wir ehrlich: Alkohol-affine Menschen werden lieber an anderem sparen als an Bier, Wein oder Korn. Denn Besäufnisse in Kneipen sind ja heute schon nicht günstig - und trotzdem gibt es sie.
Die Verteuerung kann das Problem nicht lösen, ist aber die einzige Möglichkeit, um Trinker an dem zu beteiligen, was die gesamte Gesellschaft tragen muss: die gesundheitlichen Folgekosten, die jährlich 30 Milliarden Euro betragen - wieder eine alarmierende Zahl. Wem der Alkohol zu teuer sein sollte, der kann ja einfach aufhören. Ist gar nicht so schwer, oder?
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