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Kiel
Bildungskonferenz: Acht Jahre bis zum Abitur
Acht Jahre bis zum Abitur: Auch der Elternverband und die Schülervertretung der Gymnasien eindeutig für G8 als Normschule votiert. Foto: dpa
Kiel. Trotz Kritik der Opposition: Der Bildungsdialog in Schleswig-Holstein läuft. Intensiv diskutierten Politiker, Lehrer, Eltern, Schüler und weitere Vertreter am Sonnabend in Kiel über die Probleme der Schulen in Schleswig-Holstein. Mit am stärksten erhitzte erneut die Dauer bis zum Abitur die Gemüter. Trotz Gegenstimmen wurde mit großer Mehrheit der Kurs der Regierungskoalition gebilligt, dass im Grundsatz die Gymnasien das Abi nach acht Jahren anbieten und die Gemeinschaftsschulen nach neun. "Ich fühle mich gestärkt in meiner Position", sagte Bildungsministerin Waltraud Wende.
Überrascht habe sie, dass auch der Elternverband und die Schülervertretung der Gymnasien eindeutig für G8 als Normschule votiert hätten, äußerte die parteilose Politikerin. "Der Tag ist absolut produktiv und konstruktiv verlaufen." Immer wieder kam auf der zweiten Bildungskonferenz der Wunsch nach mehr Ressourcen für die Schulen auf. "Ich weiß, dass wir mehr Geld brauchen. Aber wir haben auch eine Schuldenbremse." Die Verabschiedung des Schulgesetzes im nächsten Jahr werde nicht das Ende der Diskussion sein.
Bestandsschutz für Y-Gymnasien
Sie verstehe sich als Botschafterin der an Bildung Beteiligten, sagte die parteilose Politikerin den Teilnehmern zu. Sie werde die Anliegen und Meinungen der Lehrer, Schüler und Eltern in den politischen Prozess einfließen lassen. Am Ende entscheide aber der Landtag.
Der Fahrplan der Regierung zum neuen Schulgesetz sieht einen Bestandsschutz für die G9-Gymnasien vor. Die Möglichkeit für G9-Gymnasiasten, zu G8 zuwechseln, soll erhalten bleiben. Viele Konferenzteilnehmer plädierten dafür, die vier Y-Gymnasien mit parallelem G8- und G9-Angebot (Satrup, Quickborn, Barmstedt und Kiel) zu erhalten. "Diesen Wunsch nehmen wir sehr ernst", sagte Wende. "Ich werde versuchen, dass sie einen Bestandsschutz bekommen." Im neuen Schulgesetz soll auch verankert werden, dass sich Regionalschulen zum 1. August 2014 zu Gemeinschaftsschulen umwandeln müssen. Deren Mindestgröße wird von 300 auf 240 verringert - dies unterstützte auf der Konferenz eine große Mehrheit. Regionalschulen, die nicht diese Vorgabe erreichen, laufen aus. Gemeinsames Lernen soll im neuen Schulgesetz das durchgängige Prinzip sein.
170 Experten arbeiteten in Workshops
Vertreter nahezu aller Institutionen, die mit Bildung zu tun haben, beteiligten sich an der Konferenz - vom Ministerium über die Kieler Universität, Parteien und Kirchen bis hin zum Netzwerk der Dorfschulen und der Türkischen Gemeinde. Im Plenum und in Workshops erörterten die rund 170 Experten die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Schulen ebenso wie die Ausbildung der Lehrer.
Die CDU-Bildungspolitikerin Heike Franzen befürchtete, dass die Koalition aus SPD, Grünen und SSW ihren Kurs ohnehin durchzieht, ungeachtet der Diskussionen auf den Bildungskonferenzen. "Die Stimmung war gut", räumte Franzen aber ein und lobte die Bereitschaft, den Meinungsaustausch zu pflegen. "Es ist nicht viel Neues dabei herausgekommen", sagte FDP-Fraktionsvize Anita Klahn.
Schulen müssen geschhlossen werden
Als besondere Herausforderungen nannte die Ministerin sinkende Schülerzahlen, die steigende Zahl sogenannter Risikoschüler und den Anspruch, allen Schülern eine faire Chance zu geben - unabhängig von den Voraussetzungen des Elternhauses. Die Gewerkschaft GEW forderte mehr Lehrer und eine Senkung der von ihnen zu leistenden Pflichtstunden. 2020 werden an den Schulen im Norden 50.000 Schüler weniger lernen als heute. Deshalb müssten auch Schulen geschlossen werden, keine aber plötzlich, sagte Wende.
Die Opposition im Landtag hatte kritisiert, dass die Regierungskoalition nur zwei Tage vor der Bildungskonferenz ein Vorschaltgesetz zu der für 2014 geplanten Schulreform beschloss. Danach dürfen bestehende G8-Gymnasien künftig kein Abitur nach neun Jahren anbieten und G9-Gymnasien kein zusätzliches G8-Angebot schaffen. Ermöglicht wird die Einrichtung von Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen, an denen bislang kein Abitur erworben werden kann.
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