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Schleswig
Altstadt-Weg endet an einem Gitter
Schleswig. "Das ist ein Unding", sagt Karin Diestel empört und zeigt auf das Tor, das den Eingang des kleinen Spazierweges aus rotem Pflasterstein in der Altstadt versperrt. Dieser einst öffentliche Weg wird häufig von Bürgern genutzt, um von der Langen Straße in die Schlachterstraße zu gelangen. Auch Touristen gehen gern dort her, um den Ausblick auf den Mühlenbach zu genießen, bevor sie ihren Stadtrundgang fortsetzen.
In den 1980er Jahren wurde der Weg im Rahmen der Altstadtsanierung errichtet - und von Steuergeldern finanziert. Vor zwei Jahren umzäunte der Besitzer jedoch sein Grundstück, um es angeblich vor Müll zu schützen. Seit Juli des vergangenen Jahres versperrt zusätzlich ein Gitter den Zugang von der kleinen Abkürzung zur Schlachterstraße.
Idyllischer Ort versperrt
Karin Diestel und ihr Mann Berthold leiten den Tourismus-Verein für Schleswig und Schlei und vermieten Ferienwohnungen. Sie sind enttäuscht darüber, dass den Besuchern dieser idyllische Ort in Schleswigs Altstadt vorenthalten wird. "Viele Menschen wissen bestimmt nicht, dass sich am Ende des Weges bis zum Zaun und zum Gitter ein schönes Bild präsentiert", erzählen die beiden.
Doch kampflos wollen sie dies nicht hinnehmen. Karin Diestel führte zahlreiche Telefonate mit den Ämtern der Stadt und wurde immer wieder vertröstet. Sie würden sich um den Fall kümmern und sich innerhalb von zwei Wochen melden. Auf diese Anrufe wartet die 61-Jährige immer noch.
Laut Amt ist Durchgang kein öffentlicher Weg
Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Sie entschloss sich, sich persönlich beim Liegenschaftsamt zu erkundigen. Die Antwort, die sie dort bekam, war jedoch wenig zufriedenstellend. "Man sagte mir, die Grundstücksstruktur der Stadt sei ziemlich kompliziert und man könne die Grundstücksverhältnisse nicht richtig trennen", wiederholt Diestel die Worte der Mitarbeiterin. Demnach sei der Durchgang kein öffentlicher Weg. Doch dies wollte die Schleswigerin nicht glauben. Berthold Diestel suchte danach den Kontakt zu Bürgermeister Thorsten Dahl - und auch dieser vertröstete ihn. "Wir melden uns bei Ihnen", hieß es immer wieder.
Einen Tag vor dem Jahreswechsel 2012 spazierte Karin Diestel durch die Lange Straße und wurde Zeugin einer weiteren Abzäunung: Der Grundstücksbesitzer war gerade dabei, auch den zweiten Zugang des Spazierwegs zu sperren. Diestel ahnte nichts Gutes und ging auf den Mann zu. Dieser erzählte ihr, der Zaun solle nur verhindern, dass Silvesterböller auf sein Grundstück fielen. Nach der Silvesternacht käme er wieder weg. Als Diestel ihn auf das Gitter am anderen Ende des Wegs ansprach, hörte sie, dass die Stadt es angeblich versäumt habe, ihr Recht auf das Grundstück eintragen zu lassen. Der Eigner sei mehrfach auf die Mitarbeiter der Stadt zugegangen, um sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen. Da dies nie passierte, würde er nun selbst handeln, gibt dessen 61-Jährige die Worte wieder.
Vereinbarung mit der Stadt offenbar verjährt
Der Grundstücksbesitzer selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Bürgermeister Thorsten Dahl hat für den Fall aber eine, wie er sagt, plausible Erklärung. "Die Stadt hatte seit 1988 mit dem Vor-Vor-Eigentümer eine Vereinbarung", erklärte er auf Anfrage. Laut dieser Vereinbarung durften die Bürger den Gehweg benutzen - doch nur, bis das Grundstück weiterverkauft wurde. Dies geschah bereits vier Jahre später - und zwar 1992. Seitdem habe der Eigentümer das "hundertprozentige Recht über das Grundstück" und dürfe es laut Dahl auch absperren.
Die Diestels hoffen jedenfalls, dass die Geschichte doch noch einen guten Ausgang findet und dass Bürger und Touristen schon bald wieder von diesem Ort den Ausblick auf den Mühlenbach genießen können.
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