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Adressenhandel

Deutsche Post am Pranger

27. Januar 2012 | 17:35 Uhr | Von Hauke Mormann

Briefträger in der Kritik: Welche Informationen sammeln sie über Postempfänger? Foto: dpa

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Die Deutsche Post Direkt GmbH handelt mit 37 Millionen deutschen Adressen. Dank der Briefträger kennen die Postler noch mehr als nur die Anschrift. Und die Gesetze lassen das zu.

Kiel / Bonn. Wer in einer Suchmaschine den Begriff "Postwurfsendung" eingibt, kommt unter anderem auf die Seite der Deutschen Post Direkt GmbH. Dieses Tochterunternehmen der Deutschen Post wirbt damit, über 37 Millionen Adressen zur Neukundengewinnung zu verfügen. Diese können Interessenten für Werbebriefe kaufen. Und mehr noch: Deutsche Post Direkt wirbt mit Informationen zu Alter, Kaufkraft und Kaufverhalten, Pkw-Vorlieben und privatem Versicherungs- und Bankverhalten – selbst wie viele Singles in einem Haus wohnen will die Post wissen. Woher kommen die Informationen?

Laut der Verbraucherzentrale in Kiel sollen die Briefträger der Post überprüfen, ob die Adressen stimmen. Von ihnen könnten auch die Informationen stammen, welche Post der Adressat erhält. "Gerade in Zeiten der Flut ungewollter Werbung und untergeschobener Verträge halten wir eine weitgehende Art des Adressenhandels für äußerst problematisch", sagt Boris Wita, Rechtsreferent der Verbraucherzentrale.

Adressenhandel ist gesetzlich erlaubt

Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert bezeichnet die Vorwürfe als "höchst unerfreulich". Der reine Adressenhandel sei nicht einmal verboten. "2008 ging der große Datenschutzskandal von einem Callcenter in Lübeck aus, als bekannt wurde, dass unzählige Kundendaten verkauft wurden", erinnert Weichert. Daraufhin sei eine Gesetzgebungsaktion "wie ein Tiger" gestartet worden. "Doch der Tiger endete als Bettvorleger, weil das neue Gesetz so viele Ausnahmen zulässt, dass es sogar schlechter ist als das alte", sagt Weichert. Die Wirtschaft habe derart erfolgreiche Lobbyarbeit geleistet, wie es der Datenschützer nach eigenen Worten noch nie erlebt hat.

Die Post weist die indirekten Vorwürfe der Bespitzelungen durch ihre Briefträger zurück. "Wir stehen immer im engen Kontakt mit den Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder", sagt Anja Ehlen von Deutsche Post Direkt. Zu den konkreten Vorwürfen will sie sich aber nicht äußern.

Rat: Aufkunft über gespeicherte Daten einholen

Machtlos ist der Verbraucher gegen die Adressweitergabe aber nicht. Er kann Auskunft darüber verlangen, welche Daten über ihn gespeichert sind, woher sie stammen und wie sie genutzt werden. Die Verbraucherzentrale bietet dazu auf www.verbraucherzentrale-sh.de ein Musterschreiben an. Darüber hinaus rät Datenschützer Weichert dazu, der Datenspeicherung und -nutzung zu widersprechen: "Daran muss sich jedes Unternehmen halten. Andernfalls droht ein Bußgeld."


 

Leserkommentare

 
A CL 27.01.2012 19:12
GEZ als Nutznießer?

Daher hab ich 2 Wochen nach einen Umzug immer Post von der GEZ im Briefkasten...

STEUER ZAHLER 27.01.2012 19:43
Post als Adresshandel.....

Die GEZ bezieht als öffentlich-rechtliche Körperschaft Adressänderungen vom zuständigen Meldeamt. Leider. Das kann man auch nicht verhindern.
Die Post hat vor Jahren schon auch E-Mail Adressen von t-online verkauft, deshalb kamen immer wieder fremde Mails und viel Spam auf die Rechner.
Da sagt man Datenschutz zu........

FRIEDRICH NIEMANN 27.01.2012 20:04
Lobby

Wie schaffen es eigentlich Lobbies, solchen Einfluss zu haben? Geht das ueberhaupt ohne Anreizgeschenke? Und, sind die gesetzlich erlaubt?
Heute unterschreibe ich mal mit:
Blauaeugig

JAN PAWALEK 27.01.2012 20:13
Werbung...

Hm. Finde ich eigentlich ganz gut. Evtl. bekomme ich in Zukunft ja nur die Werbung, die mich wirklich interessiert und nicht noch zusätzlich den ganzen anderen uninteressanten Mist. Würde sicherlich auch den Papiermüll reduzieren.
Aber schön, das mal wieder ein möglicher Umweltschutzgedanke zu einem Datenschutz-Skandal hochskandiert wird...
Wenn mal grad kein Erdbeben oder Tsunami ist, dann zieht immer irgendeine "Big Brother Is Watching You"-Räuberpistole...

HANS ALBERS 27.01.2012 20:26
Gähn...., wie langweilig!

Wo wurde das denn jetzt wieder ausgegraben? War schon vor zehn Jahren so, als ich bei der Post als Briefträger tätig war. Und es wird nicht erst seit dem Tage meiner Einstellung so gewesen sein, schätze ich.
Somit stimme ich auch Herrn Pawalek zu, wenn mal grad kein Rockerkrieg oder Politskandal zur Hand, tut es auch 1984 von Orwell. Herrlich...

PETE FISHMAN 27.01.2012 22:56
Wehrt euch doch

Solange niemand den unverlangt zugestellten Werbemüll mit dem Zusatz “Annahme verweigert“ in die von der Post freundlichst an den Straßenecken installierten gelben Kästen schmeißt, wird nichts passieren. Einfach mal probieren.

SCHLESWIG HOLSTEINER 28.01.2012 09:47
Die Post - dein Freund

Ich kann schon verstehen, das sich die Post andere Einnahmequellen in Zeiten von Handy und E-Mail suchen muss. So wie ich es verstanden habe gibt sie die Adressen ja nicht raus sondern übernimmt nur die selektive Zustellung der Werbung. Aber das die Post quasi nach Stasi-Manier Daten aus meinem Briefverkehr ableitet finde ich schon befremdlich. Wenn jetzt neben den normalen Verteilern auch noch die Post meinen Briefkasten mit Werbung flutet, denn kann man bald einen Mülleimer neben jedem Briefkasten aufstellen. Ich habe nichts gegen personalisierte Werbung, aber bitte nicht bei mir zu Hause. Den Tipp von meinem Vorredner von wegen "Annahme verweigert" setze ich auch gerne mal in die Tat um, der Post kann es ja egal sein, sie verdient ja nur wieder dran. Dies tut sie übrigens auch, wenn jeder von uns das Musterschreiben mit Einschreiben/Rückschein absendet, nämlich 4,40€. Damit könnte sie denn auch die Milliarden an unerlaubten "Subventionen" zurückzahlen.
PS: Wie die GEZ an ihre Daten kommt, DIE Praktiken sollten lieber hinterfragt werden.

SUSANNE KLEIN 28.01.2012 11:44
Christel von der Post

Wieder mal ein völlig oberflächlicher und tendenziöser Beitrag in der shz.- wahrscheinlich hatte der Redakteur keine Zeit, sich ausführlich mit dem von ihm selbst veröffentlichten Link zu beschäftigen. Genausowenig wie die vor Ort schuftenden Brief- und PaketzustellerInnen. Wer kürzlich die Reportage "'Paketsklaven" im NDR gesehen hat, kann dies sicherlich nachvollziehen. In dem veröffentlichten LINK kann man u. a. lesen, daß Daten zb. vom Kraftfahrzeugbundesamt in Flensburg erhalten werden und sämtliche Daten anonymisierter Wahrscheinlichkeitsrechung sowie von "Verbrauchern" freiwillig ausgefüllten Fragebögen entspringen. Weshalb sich der Zorn des Autors auf die Deutsche Post zentriert, entzieht sich unserer Kenntnis. Wer sich hingegen aktiv gegen Datenmissbrauch wehren will, ist herzlich dazu aufgerufen, bei nächstens sich bietender Gelegenheit mal was anderes zu wählen als spdcdufdpgrün, die sämtlich während ihrer Regierungszeiten dazu beigetragen haben, die bestehenden Gesetze zu verabschieden und besseren Datenschutz auch dadurch zu verhindern, daß den Datenschutzbeauftragten der Länder keinerlei Veto- bzw. Handlungsrecht zusteht. von selbst oder unter den bestehenden Verhältnissen wird sich nichts ändern.

SUSANNE KLEIN 28.01.2012 12:13
Christel von der Post

... ich meinte natürlich: Genausowenig, wie die vor Ort schuftenden Brief- und PaketzustellerInnen Zeit haben, derart differenzierte Daten zusammenzustellen. JedeR sollte sich auch mal Gedanken darüber machen, wieviele Daten er/sie selbst freiwillig preisgibt -bei online-Bestellungen, bei Preisausschreiben, um Rabattpunkte zu bekommen... oder einfach nicht beachtet, daß ein Kästchen angekreuzt werden kann, in dem bei online-Bestellungen das Weitergeben der Daten verweigert wird.

B. BÖDECKER 28.01.2012 19:46
Bedenkt man

dass früher jeder Brief per Hand abgestempelt wurde, machen es heute Maschinen-
Maschinen sind einstellbar.Soweit z Thema gläsern.Damit haben die Zusteller nichts zu tun.Die Post holt sich íhre Daten auf anderem Wege. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Zusteller jegl Adressaten notieren, den a die Post weiterleiten?Wäre dem so, würden wir unsere morgige Post in 14 Tg erhalten.Die Reviere sind grösser geworden, das Personal eingeschränkt.. Post speichert maschinell genauso alles, wie andere auch

ONLINEREDAKTION SHZ.DE 29.01.2012 10:03
Kommentare entfernt

Zwei Kommentare wurden auf Wunsch des Verfassers entfernt.



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