Landtag

Schwarz-Gelb gibt Theater "Todesstoß"

27. Februar 2010 | Von Michael Stitz

Alle Proteste helfen nichts: Die schwarz-gelbe Regierung im Kieler Parlament fordert einen massiven Sparkurs für das Landestheater.

Kiel. "Was wäre die größte Schande? Kultur-Demontage im Lande!" So stand es auf einem der vielen Spruchbänder, die gestern Morgen vor dem Landeshaus in Kiel zu lesen waren. Rund 400 Mitarbeiter des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, aber auch der Bühnen Kiel und Lübeck sowie zahl reiche Theaterfreunde waren mit Protestplakaten, Trommeln, Trompeten, Posaunen und einer Menge Frust vor das Parlament gezogen, um die Volksvertreter für ihre Sache, das Theater, zu begeistern. Denn gestern Mittag wollte der Landtag über Rettungsmodelle für das kurz vor der Insolvenz stehende Landestheater debattieren.

Knapp 30.000 Unterschriften hatten die musikalischen Demonstranten zuvor dem Landtagspräsidenten Thorsten Geerdts überreicht. Unterschriften, die sich für den Erhalt des Landestheaters in seiner bisherigen Form einsetzen. Stimmgewaltig und berührend sangen sie dann aus Wagners Meistersingern "Ehrt die deutschen Meister", beschworen in Reden, dass sich der Landtag bei den Kommunalen Spitzenverbänden (Städteverband, Gemeindetag und Landkreistag) für die erneute Dynamisierung der sogenannten FAG-Mittel einsetzen möge. Geld, das ihnen erlauben würde, das Landestheater auf dem bisherigen personellen und künstlerischen Niveau weiterleben zu lassen. Denn ohne diese Erhöhung sind tiefe Einschnitte in die Struktur unvermeidbar, müssen Entlassungen vorgenommen werden, wird das Landestheater zumindest im Musik bereich so beschnitten, dass es keine großen Konzerte und Opernaufführungen realisieren kann.

Es bleibt ein "amputiertes Haus"

Doch wie sich einige Stunden später heraus stellen sollte, halfen weder schöner Gesang, Trommelwirbel oder Reden - der Landtag stimmte einem Antrag der CDU/FDP zu, der von allen drei Theatern des Landes einen "Business-Plan" fordert, aber keinerlei weitere Zuwendungen zugesteht. Die Gespräche mit den Kommunalen Spitzenverbänden über die Wiedereinführung der Dynamisierung der FAG-Mittel, sagte Kulturminister Ekkehard Klug (FDP), sind in diesem Punkt gescheitert. Das Land selbst, so der Minister weiter, sieht sich nicht in der Lage, seine Theaterzuschüsse von bisher 36,7 Millionen Euro für alle drei Bühnen "in dieser wirtschaftlich schwierigen Lage, in der alle sparen müssen" zu erhöhen.

Der Antrag von SPD, Bündnis90/Grüne, SSW und Linke ging davon aus, dass sich die Kommunalen Spitzenverbände in Verhandlungen mit der Landesregierung sehr wohl zu einer auf drei Jahre be fristeten Wiedereinführung der Dynamisierung bereit erklären könnten. Ähnlich wie der Antrag der Regierungsparteien sah aber auch der der Opposition vor, dass das Landestheater innerhalb dieses Zeitraums "seine Organisations- und Marketingstrukturen auf den Prüfstand stellt" und die Zusammenarbeit mit den Bühnen in Kiel und Lübeck prüft. In der Landtagsdebatte widersprachen sich die Vertreter von Regierung und Opposition, was die endgültige Haltung der Kommunalen Spitzenverbände in der Theaterfrage betrifft.

Dennoch sollen die Verbände gemeinsam mit den Trägern und Gesellschaftern der Theater des Landes unverzüglich Verhandlungen über deren Zukunftssicherung beginnen. Kulturminister Klug, dem viele in der Theater-Debatte eine zu große Abwesenheit vorwarfen, soll die Gespräche im Auftrag der Regierung moderieren. Für Peter Grisebach, den zukünftigen Intendanten des Landestheaters, der die Landtagsdebatte von der Tribüne aus verfolgte, war der Beschluss des Landtages ein "Todesstoß" für sein Haus. Bis zum Schluss hatten er, die mitgereisten Musiker, Schauspieler und anderen Mitarbeiter des Theaters gehofft, dass es eine Mehrheit im Landtag für einen Beschluss geben würde, der die drohende Insolvenz abwenden könnte. So blieb Grisebach gestern nur der Weg zum Betriebsrat des Landestheaters. Mit ihm wird er in den kommenden Tagen und Wochen über Entlassungen verhandeln müssen. Dann hat er "ein amputiertes Haus, für das es schwer sein wird, gute Künstler zu halten oder gar neue zu gewinnen".


 

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