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Niebüll

Schreiende Schweine: Bürger sind in Aufruhr

14. August 2011 | Von Birger Bahlo

Sitz des Schlachtbetriebes: Rechts und gegenüber Lebensmittelmärkte. Foto: Bahlo

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Niebüller klagen seit drei Jahren über die Zustände im Schlachthof Skare – und haben bis heute keine Antworten erhalten.

Niebüll. Schweine schreien nachts noch immer, Gestank belastet nach wie vor die Nachbarschaft, Möwen sollen angeblich Tierabfälle auf Terrassendächer fallen lassen - den Niebüllern stinkt’s jetzt. Sie beklagten sich in mehreren Ratsversammlungen dieses Jahres - und bekamen bis heute offiziell keine Antwort.

Hilke Eckert (61) vermutete bereits vor drei Jahren Schweinereien in dem Betrieb. Die freiberufliche Fotografin hatte im Sommer 2008 Fotos von apathischen und verletzten Tieren gemacht, zeigte sie der Polizei und anderen Behörden, wollte sie veröffentlichen lassen. Doch die Geschäftsleitung ließ ihr das kurzerhand vom Amtsgericht Niebüll verbieten. Ihr Problem: Für die Aufnahmen hatte sie sich ein paar Meter auf das Grundstück gewagt, was ihr als Hausfriedensbruch vorgehalten wurde. Die Fotos hält sie daher bis heute unter Verschluss. "Aber ich halte immer noch Augen und Ohren auf", sagt die engagierte Tierschützerin.

Seit dem Frühjahr bemühte sich Fritz-Walter Baumgardt vom Ordnungsamt des Amtes Südtondern um Antworten auf die bohrenden Fragen der Bürger. Bei den Veterinären des Kreises Nordfriesland drang er vor allem darauf, dass die Abfallcontainer für Vögel unzugänglich aufbewahrt werden. Der Kreis ließ Schleswig-Holstein am Sonntag jetzt durch Baumgardt mitteilen: "Wir haben dem Unternehmen auferlegt, Schlachtabfälle ausschließlich unter Dach zu lagern." Deshalb dürften die Möwen inzwischen nicht mehr an die Abfälle herankommen können.

Schweine werden heute nur noch aus Dänemark angeliefert

Obwohl die Behörden in Niebüll und in Husum sich über die Lage bei Skare austauschen, leugnet Geschäftsführer Reinhard Annuss (51) jedes Problem: "Es gibt ja noch andere Schlachtereien in Niebüll, die dafür in Frage kommen."

Alles in Ordnung sei auch bei der von Hilke Eckert so argwöhnisch beäugten Anlieferung von Schweinen. Zumindest 2008, als sie die Fotos gemacht hatte, muss aber offenbar einiges schief gelaufen sein. Wie Augenzeugen berichten, die damals beim Abladen dabei gewesen sind, fielen ihnen in einem Fall acht tote Schweine vor die Füße. Dieser Zwischenfall in Niebüll und weitere Unregelmäßigkeiten auf den Transporten durch Dänemark führten dazu, dass der dänische Spediteur seine Lizenz verloren hatte.

Auch Reinhard Annuss sieht jeden Tiertransport kritisch. "Jedes verletzte oder tote Tier ist eine wirtschaftliche Belastung für uns", sagt er. Daher habe auch er "ein großes Interesse daran, dass die gut versorgt sind." Früher seien Tiere noch "auf acht- bis zehnstündigen Touren" aus Sachsen-Anhalt oder Westfalen angeliefert worden, heute nur noch binnen "zwei, drei Stunden" auf dem kurzen Weg aus Dänemark.

Annuss betont, dass nach Beschwerden beim Kreisveterinär ein halbes Jahr lang jede Anlieferung an Ort und Stelle von Tierärzten begleitet worden sei, inzwischen nur noch sporadisch, was die Pressestelle des Kreises bestätigt. Unterm Strich hält der Kreis die Unterbringung der Schweine heute für art- und tierschutzgerecht.

"Wir bleiben hier"

Was ist mit dem andauernden lauten Quieken der Schweine? Auch beim Kreis weiß man um das Problem. Das könnte, so die Pressestelle, "durch Aufmauern der Außenwände reduziert werden, was sich aber negativ auf das Stallklima auswirken würde." Und eine Lüftung würde ebenfalls wieder Geräusche verursachen.

Sollten Bürger von Geruch belästigt werden, verspricht Reinhard Annuss, jedem Einzelfall nachzugehen. "Einfach bei mir anrufen, ich kümmere mich."

Skare verarbeitet in Niebüll nach eigenen Angaben mit 60 Mitarbeitern und - je nach Bedarf - bis zu 40 weiteren Kräften jährlich 20.000 Rinder und 80.000 Schweine. Der Schlachthof steht seit den sechziger Jahren in einem Industriegebiet, an ihn herangewachsen sind Gewerbe- und Wohngebiete. Direkte Nachbarn sind zwei Lebensmittelmärkte, vor denen sich die Kunden bei ungünstigen Windrichtungen die Nase zuhalten. Von einer Aussiedlung will Annuss nichts wissen: "Wir bleiben hier, es gibt keine Fördergelder mehr für den Neubau von Schlachtbetrieben."

Zuständig für Beschwerden bei Lärm und Gestank im Schlachhof Skare: Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flensburg, 0461/804-0.

Wer den Tierschutz verletzt sieht, wendet sich an die Polizei (110) oder das Ordnungsamt im Amt Südtondern (04661/601-0); von dort werden die Kreisveteri näre alarmiert.

Skare-Geschäftsführer Reinhard Annuss ist erreichbar unter 04661/606-0


 

Leserkommentare

 
SABINE TEDENS 15.08.2011 08:01
Abartig

Tierquäler!

ANTONIETTA TUMMINELLO 29.08.2011 14:52
Tierquälerei

Tiere sind Lebewesen genau wie Menschen. Sie empfinden Schmerz und Gefühle wie z.B. Angst. Trotzdem werden Schweine, Rinder, Hühner usw. von Menschen wie Produkte oder Waren behandelt. Wir sperren sie ein, halten sie teilweise unter den schlimmsten Bedingungen, mästen und töten sie, um sie dann zu essen.

ALEXANDRA SETZER 29.02.2012 20:13
Und was lernen wir daraus?

Mich würde mal interessieren, wie viele der Herrschaften, die sich von den Schreien der gequälten Lebewesen beschweren und sich bei ihrem Einkauf belästigt fühlen, Konsequenzen für ihr eigenes Handeln ziehen. Man hält sich die Ohren zu und erträgt die Todesschreie nicht, marschiert aber dann in den Supermarkt hinein und packt dort ordentlich Würstchen und Hackfleisch in den Einkaufswagen. Ursache und Wirkung werden entkoppelt. Leider schaffen es nur wenige gebildete Menschen einzusehen, dass der eigene Konsum solche Stätten des Grauens erst möglich macht. Anstatt aber die eigenen Ernährungsgewohnheiten zu überdenken, baut man lieber höhere Mauern wie in dem Artikel beschrieben, weil es so herrlich bequem ist, die
Augen und Ohren zu verschließen.

ALEXANDRA SETZER 29.02.2012 20:28
Der aufgeklärte Konsument informiert sich

Eine gut gemachte und seriöse Informationsseite für Konsumenten: www.schlachthof-transparent.org



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