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Ahrensburg

Pastor wird nach Missbrauchsfällen entlassen

17. November 2010 | 15:31 Uhr | Von dpa

Er kommt einem Rausschmiss zuvor: Nach dem Missbrauchsskandal in Ahrensburg hat der betroffene Pastor seine Kündigung gefordert.

Nach dem Missbrauchsskandal in der evangelischen Kirchengemeinde in Ahrensburg wird der beschuldigte pensionierte Pastor aus dem Dienst entlassen. "Wir haben die Ermittlungen abgeschlossen. Sie haben die Vorwürfe gegen ihn bestätigt", sagte der stellvertretende Sprecher der Nordelbischen Evangelischen-Lutherischen Kirche, Thomas Kärst, am Mittwoch in Kiel. Der Beschuldigte hatte seine Entlassung zum Ende des Jahres beantragt und ist damit einem Rausschmiss zuvorgekommen.

Der 72 Jahre alte Pastor soll in den 70er und 80er Jahren mehrere Jugendliche sexuell missbraucht haben. Strafrechtlich sind alle bisher bekannten Vorfälle verjährt. "Bei uns haben sich rund ein Dutzend betroffene Menschen gemeldet", sagte Kärst. "Die Ermittlungen haben gezeigt: Die Verfehlungen waren tatsächlich gravierend." Die Missbrauchsvorwürfe hatten Mitte des Jahres die evangelische Kirche erschüttert. Im Zusammenhang mit dem Fall war Hamburgs Bischöfin Maria Jepsen im Juli zurückgetreten. Ihr war vorgehalten worden, konkreten Hinweisen auf die Missbrauchsvorwürfe nicht energisch genug nachgegangen zu sein.

Keine Äußerung zu Ermittlungsergebnissen

Dem Entlassungs-Antrag des Pastors müsse die Kirche stattgeben, sagte Kärst. Ein Disziplinarverfahren gegen den Mann, der seit Ende 2000 im Ruhestand ist, müsse dem Kirchenrecht entsprechend eingestellt werden. "Faktisch ändert das aber nichts", betonte Kärst Das Kirchengericht hätte das gleiche entschieden. Der Fall sei jetzt nur schneller zu Ende gegangen. Zu den Ermittlungsergebnissen äußerte sich der Mann nicht.

Durch die Entlassung verliert er unter anderem seine Ruhestandsbezüge. "Das sind in der Regel 71 Prozent des letzten Dienstgehaltes", erklärte Kärst. Nun bekommt der Pastor eine deutlich geringere Rente. Außerdem darf er nicht mehr predigen und die Sakramente verwalten, die Amtsbezeichnung nicht mehr führen und keine Amtskleidung tragen.

Ermittlungen gegen zweiten Pastor

Die Missbrauchsfälle in Ahrensburg waren im Mai dieses Jahres an die Öffentlichkeit gelangt, nachdem die damalige Bischöfin Jepsen einen Brief von einer Betroffenen erhalten hatte. Die Frau berichtete darin von sexuellen Übergriffen durch den Ahrensburger Pastor in der ersten Hälfte der 80er Jahre. Auch andere Jugendliche seien betroffen. Die Kirche richtete eine kircheninterne Ermittlergruppe ein und leitete ein Disziplinarverfahren ein. Gegen einen zweiten pensionierten Pastor wird noch ermittelt.

Gerüchte über den Missbrauch soll es schon lange gegeben haben. So soll die gleiche Frau, die den Brief an Jepsen geschrieben hatte, bereits im Jahr 1999 die damalige Stormarner Pröbstin Heide Emse informiert haben. Diese sorgte dann zwar für die Versetzung des Mannes - angeblich auf einen reinen Schreibtischposten. Strafanzeige erstattete sie nicht. Auch ein Disziplinarverfahren wurde nicht eingeleitet. Ein halbes Jahr nach der Versetzung habe der Pastor dann nach Zeugenaussagen im Jugendgefängnis Schleswig junge Inhaftierte betreut.


 

Leserkommentare

 
K. RITIKER 17.11.2010 19:44
Was denn nun?

Überschrift: "Pastor wird nach Missbrauchsfällen entlassen". Vorspann: ..hat der betroffene Pastor gekündigt". Im Text ist dann von "wird entlassen, ist einem Rausschmiss zuvorgekommen, Entlassungsantrag des Pastors" undsoweiter die Rede. So ein Durcheinander! Wenn der Pastor selbst gekündigt hat, kann er vom Arbeitgeber nicht mehr entlassen werden. Das ist arbeitsrechtlich gar nicht möglich. Also, was denn nun?

ALBERT ANSTAND 18.11.2010 12:03
Kriminelle Vereinigung

Da sich eine bestimmte Art von Straftaten in einer bestimmten Organisation auffällig häuft, diese Organisation diese Täter so lange deckt bis decken nicht mehr möglich ist, sollte man bei der Kirche (beide Firmen) von einer kriminellen Organisation sprechen und die Kirche statt die Linke vom Verfassungsschutz beobachten lassen.

Politromantisches Gerde einzelner Linke-Funktionäre ist von der Bedrohungslage her bedeutungslos im Vergleich zu den tausendfachen Mißbräuchen in der Kirche und ihren Organisationen.

HANS STEIN 18.11.2010 21:48
Traurig und traumatisch

Fast täglich lesen wir solche Nachrichten. Da man dies von der Kirche am wenigsten erwartet, fokussiert sich die Allgemeinheit eher auf diese Fälle. Es ist aber nur die Spitze des Eisberges.

Wer kümmert sich um die Opfer, die ein Leben lang damit nicht fertig werden, Ängste entwickeln? Posttraumatische Belastungsstörungen führen dazu, dass die Opfer nicht vernünftig arbeiten können und oftmals von Sozialhilfe leben müssen.

Die Taten verjähren viel zu früh, weil sich die Opfer oft erst spät erinnern oder ihre Persönlichkeit „gespalten“ wurde. Keine Regierung kümmert sich darum. Und jetzt werden von der Landesregierung auch noch die Frauenhäuser dicht gemacht. Schämt Euch!



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