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Jürgen Klopp nach Pokalspiel
"Man spielt auch nicht Eishockey auf Rasen"
"Im Winter gehört eine Rasenheizung dazu. Das muss Pflicht sein", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach dem Spiel gegen Holstein Kiel.
Kiel. Mit einer Schimpfkanonade auf "Football on Ice" hat Jürgen Klopp die nationalen TV-Sender aufgescheucht und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) unter Druck gesetzt. "Unter normalen Umständen war dieser Platz nicht zu bespielen. Aber der Schiedsrichter hatte keine Handhabe für eine kurzfristige Absage, weil es ein Live-Spiel im Fernsehen war", wetterte Jürgen Klopp trotz des standesgemäßen 4:0 (2:0) von Borussia Dortmund im Pokal-Viertelfinale bei Holstein Kiel über die irregulären Platzverhältnisse. Er wolle "ja nicht wie ein schlechter Verlierer" wirken, ergänzte Sieger Klopp, aber die Verletzungsgefahr sei "zu groß" gewesen und der DFB daher in der Pflicht. "Im Winter gehört eine Rasenheizung dazu. Das muss Pflicht sein. Da muss der DFB reagieren. Und wenn es keine Rasenheizung gibt, muss eben woanders gespielt werden", forderte er. "Man spielt auch nicht Eishockey auf Rasen. Das ist im Profi-Fußball nicht in Ordnung."
Während sich der DFB nach Klopps Tiraden "mit der Frage, ob eine Anpassung der Durchführungsbestimmungen sinnvoll wäre", beschäftigen will, wies die ARD den Vorwurf vehement zurück, auf die Austragung des Pokalspiels gepocht zu haben. "Unser Einfluss ist null, null Komma null", erklärte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky am Mittwoch auf Anfrage. "Der Schiedsrichter stimmt sich nicht mit uns ab, und das völlig zu Recht."
Immerhin 5,79 Millionen Fußballfans hatten das Match im Ersten verfolgt. Balkausky widersprach auch der Vermutung, dass TV-Sender Druck auf Veranstalter von Sportereignissen ausüben, die im Fernsehen gezeigt werden. "Das ist eine große Mär. Wir entscheiden nicht, ob irgendwelche Sportveranstaltungen stattfinden."
Der TV-Mann betonte, dass für Ausfälle Ersatzprogramme bereit gehalten werden. Bei einer Absage des Kieler Spiels hätte die ARD einen Film gezeigt. Laut Balkausky fallen wegen der Kälte auch Spiele in der 3. Liga aus, die in der ARD-Sportschau am Samstag gezeigt werden sollen. DFB-Mediendirektor Ralf Köttker war um Deeskalation bemüht: "Wir haben durchaus Verständnis und alle das gemeinsame Interesse, die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen."
"Da brauchst Du in der Mitte Noppen, außen Bürsten"
Die Verantwortlichen der Kieler hatten alles Erdenkliche getan, um nach den Cup-Coups gegen Cottbus (3:0), Duisburg (2:0) und Mainz (2:0) auch das "Spiel des Jahres" gegen den Meister im kleinen Holstein-Stadion absolvieren zu können. Da die Arena aber über keine Rasenheizung verfügt, wurde wie vor dem Mainz-Spiel im Dezember ein 8000 Quadratmeter großes Klima-Zelt gemietet. Erst drei Stunden vor Anpfiff wurde es entfernt, und das kürzlich frisch verlegte Grün wirkte wie ein Teppich. Allerdings lag in den Nächten zuvor die Temperatur bei minus zehn bis minus 15 Grad, so dass das Spielfeld an einigen Stellen weich und an anderen "wie Beton" (Klopp) gewesen sei.
"Da brauchst Du in der Mitte Noppen, außen Bürsten - solche Schuhe gibt es gar nicht", meinte Trainer-Zeugwart Klopp. Seine Asse stellten sich wie von ihrem Trainer gefordert ("Notfalls hätten wir auch auf dem Parkplatz gespielt") den schwierigen Bedingungen und spulten ihr Programm konzentriert und routiniert herunter. Nach Toren von Robert Lewandowski (11.) und Shinji Kagawa (18.) war früh alles klar. Lucas Barrios (80.) und Ivan Perisic (87.) trafen später ebenfalls.
"Der Rasen war gut, das Problem war der Boden darunter. Es war eine Kunst, darauf zu spielen. Aber wir haben den Platz angenommen, weil wir unbedingt zum Pokalfinale nach Berlin wollen", sagte Nationalspieler Mats Hummels. Er blieb auch auf rutschigen Geläuf standfest. Das gilt auch für seine Meinung, dass der BVB sein erstes Double der Club-Geschichte anstrebt. "Wenn man in zwei Wettbewerben vorne dabei ist, sollte man auch das Ziel haben, beide zu gewinnen."
Video vom Nachmittag: Vorfreude auf die Partie
Leserkommentare
Ach Herr van Halen ! Dann haben sie sicher auch früher auf Grandplätzen gespielt. Nur die Harten kommen in Garten.Bei der fussballerischen Athletik heutzutage ist die Verletzungsgefahr um einiges höher als in den 70ern. Damit meine ich die Standfussballer Beckenbauer , Netzer und viele mehr.Wenn man es krachen lassen will ist man heutzutage beim Americanfootball oder beim Rugby besser aufgehoben. Schöne Grüsse Eddy van Halen ;-)
... kann man wirklich meinen. Die Fußballprofis müssen sich wirklich fragen lassen, warum dann im Winter überhaupt gespielt werden muß. Ist es nicht eher so, dass das zu harte Einsteigen zum Gegner auf dem Platz grundsätzlich die Ursache von schlimmen Verletzungen ist, welches ja auch (hinter veschlossenen Türen) von den Trainern verlangt wird. Da ist nichts mit Fairness, da wird gnadenlos zur Sache gegangen. Beim bersagten Spiel Kiel gegen Dortmund konnte man auf der anderen Seite sehr schön sehen, dass die Profifußballer sehr wohl wußten um den "gefrorenen Platz" und deshalb kaum hart auf den Gegner eingestiegen sind.
"Rasenheizung" finde ich ziemlich krank gerade heutzutage. Herr Klopp: Sie sollten erst nachdenken, bevor Sie in die Kamera reinkotzen, zumal Sie offensichtlich die Falschen beschuldigt haben !!!
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Ich kann mich erinnern als das Wort Rasenheizung noch ein Fremdwort war, Bundesligaspiele auf hartgefrorenen, schneebedeckten Rasen gespielt wurden.
Fußball wird immer mehr ein Weicheierspiel.