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Randale in Hamburg
Lebhafter Jahreswechsel im Norden
Brennende Barrikaden: In der St.-Pauli-Hafenstraße schoben die Randalierer Müllcontainer auf die Straße und warfen Abfall auf die Fahrbahn. Anschließend zündeten sie alles an. Foto: Wüst
Während beim großen Feuerwerk an den Hamburger Landungsbrücken rund 35 000 Besucher friedlich das neue Jahr begrüßten, errichteten rund 200 Randalierer in St. Pauli Straßenbarrikaden. Die Polizei musste sie mit zwei Hundertschaften abdrängen. Vor dem Untersuchungsgefängnis Holstenglacis versammelten sich ebenfalls etwa 200 teils gewaltbereite Menschen. Sie bewarfen die Polizei mit Böllern, die daraufhin die Versammlung beendete.
In der St.-Pauli-Hafenstraße schoben die Randalierer Müllcontainer auf die Straße und warfen Abfall auf die Fahrbahn. Anschließend zündeten sie alles an. Die Polizei ordnete sie dem linken Spektrum zu. Rund 200 Beamte waren im Einsatz, drei Polizisten wurden leicht verletzt, zwei Randalier vorübergehend festgenommen.
Die Feuerwehr in der Hansestadt berichtete von 892 Einsätzen zwischen 18.00 und 06.00 Uhr, 276 weniger als im Vorjahr. Vermutlich durch nicht sachgemäßen Umgang mit Feuerwerk wurden zwei Männer schwer im Gesicht und am Oberkörper verletzt. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers explodierte in Hamburg-Altona ein Böller vor dem Gesicht eines 40-Jährigen. Dabei wurde der Mann lebensgefährlich am Kopf verletzt. Ebenfalls in Altona erlitt ein 21-Jähriger durch eine Verpuffung Verbrennungen zweiten und dritten Grades am Oberkörper.
Lebensgefährliche Verletzungen erlitt ein 20-Jähriger in Jenfeld. Der junge Mann rutschte mit einem ausgeklappten Butterfly-Messer in der Hand auf einem Gehweg aus und stürzte. Dabei rammte er sich die Klinge in ein Auge.
Ruhiger Jahreswechsel in Schleswig-Holstein
Überwiegend friedlich und ohne größere Vorkommnisse verlief der Jahreswechsel in Schleswig-Holstein. In Kiel zählte die Polizei 190 Einsätze, hauptsächlich wegen Streitigkeiten und kleinerer Schlägereien.
Auch im übrigen Land sprach die Polizei von einer insgesamt durchschnittlichen Silvesternacht. Am häufigsten hatten sich die Beamten mit Bagatellen wie Körperverletzungen, Schlägereien oder Ruhestörungen zu befassen.
Die Feuerwehren bezeichneten den Jahreswechsel in Schleswig-Holstein ebenfalls als "normal": Zu rund 300 Einsätzen wurden sie gerufen. Zahlreiche Brände und Personenschäden wurden durch Feuerwerkskörper verursacht. Bei Großbränden in Basedow, Elmshorn und Husum mussten zahlreiche Personen aus den Häusern gerettet werde. In Kiel waren sechs begrünte Dachflächen durch Feuerwerkskörper in Brand geraten. In der Nähe von Neustadt (Ostsee) brannte ein Reiterhof. Zur genauen Schadenhöhe und Brandursachen liegen bisher noch keine weiteren Angaben vor.
Als einen Grund für das nur durchschnittliche Einsatzaufkommen zu Silvester sieht der Landesfeuerwehrverband die kühlen Temperaturen. Diese haben mit dazu geführt, das beispielsweise verirrte Böller von allein erloschen und keine größeren Schäden anrichten konnten. Durch die ruhigen Windverhältnisse konnten auch Raketen senkrecht in den Himmel aufsteigen.
In Hamburg sind in der Silvesternacht rund 25 Tonnen Partyabfälle zusammenkommen, etwas weniger als im vergangenen Jahr. Seit 0.30 Uhr am Neujahrsmorgen entfernen 67 Mitarbeiter der Stadtreinigung Hamburg Silvesterabfälle von Fahrbahnen und Gehwegen an traditionellen Treffpunkten. Gereinigt werden Landungsbrücken, Reeperbahn, Fischmarkt, Jungfernstieg, Innenstadt, Straßenzüge um die Außen- und Binnenalster und Fußgängerzonen in den Innenstädten von Harburg und Bergedorf. Wie im übrigen Norden sind viele Böllerreste festgefroren und können erst nach Tauwetter entfernt werden.
Persönlichen Lebensstil hinterfragen
Der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich hat die Menschen dazu aufgerufen, das neue Jahr ohne Angst zu beginnen. "Das Schreckliche dieser Welt droht nieder zu drücken. Der Glaube aber ist die Macht gegen das Erschrecken", sagte der Vorsitzende der nordelbischen Kirchenleitung am Freitag im Schleswiger St.-Petri-Dom. Zu hoffen sei, dass im neuen Jahr wieder mehr auf die alten Werte gesetzt werde, dass die Menschen wieder mehr Achtung vor den Schwachen hätten und mehr Nächstenliebe, Wärme und Geborgenheit in der Gesellschaft herrsche. "Dazu müssen wir bereit sein, auch unseren persönlichen Lebensstil kritisch zu hinterfragen und zu ändern."
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