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Vorwürfe gegenüber Stiftungen

Illegale Wahlkampf-Hilfe für SPD und FDP?

22. Februar 2012 | 07:45 Uhr | Von H. Baethge / P. Höver

Martin Morlok. Foto: dpa

Politische Bildung oder Parteien-Werbung? Der renommierte Parteienrechtler Martin Morlok wirft politischen Stiftungen unzulässige Kampagnen vor.

Kiel. Diesen Freitag treffen sich in der "Business Lounge" der Kieler Ostseehalle zwei gute Bekannte und Parteifreunde. Der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl und Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig plaudert mit seinem früheren Chef und Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück über "gutes Regieren" in Zeiten der Finanzkrise. "Seien Sie dabei, wenn Torsten Albig und Peer Steinbrück da rüber diskutieren, wie die finanzielle Handlungsfähigkeit Schleswig-Holsteins gesichert werden kann", wirbt der Veranstalter für den Termin knapp zweieinhalb Monate vor der Wahl am 6. Mai. Auch Albig kündigt ihn auf seiner Homepage an.

Veranstalter ist allerdings nicht etwa die SPD, sondern die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung - und das ist aus Sicht des renommierten Düsseldorfer Parteienrechtlers Professor Martin Morlok ein Problem. Denn die vom Staat bezahlten parteinahen Stiftungen sollen zwar politische Bildung vermitteln, müssen dabei aber nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1986 "die gebotene Distanz zu den jeweiligen Parteien wahren" und sich aus Wahlkampagnen heraushalten. "Beteiligen sie sich trotzdem am Wahlkampf, ist das eine unzulässige verdeckte Parteienfinanzierung", sagt Morlok. Schließlich kosten Vor tragssäle und die Organisation von Veranstaltungen Geld.

Wo fängt die Werbe-Kampagne an?

Albigs und Steinbrücks Diskussion über die finanzielle Handlungsfähigkeit des Landes hat nach Morloks Einschätzung nicht viel mit politischer Bildung zu tun. "Das sieht sehr nach Wahlkampf aus", sagt der Experte gegenüber unserer Zeitung. Zwar dürfe die Stiftung durchaus Veranstaltungen mit Parteivertretern ausrichten. "Aber wenn sie den Spitzenkandidaten kurz vor der Wahl zu einem solchen Thema öffentlich auftreten lässt, wirft das schon die Frage auf, ob das nicht Wahlkampf ist", kritisiert Morlok. Bereits Ende Januar hatte die Stiftung einen ähn lichen Abend mit Albig und Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz vor gut 150 Zuhörern in Ahrensburg im Kreis Stormarn ausgerichtet - ebenfalls unter dem Motto "Gutes Regieren".

Auch die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung ist in Schleswig-Holstein gerade sehr aktiv. So sind allein im März gleich fünf Termine mit Parteiprominenz geplant: Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger referiert in Kiel über "liberale Einwanderungs- und Integrationspolitik", Landeschef und Sozialminister Heiner Garg in Husum über "Pflegefachkräftebedarf im Land der Gesundheit". Und Stiftungs- und Ex-Bundestagsfraktionschef Wolfgang Gerhardt erläutert innerhalb einer Woche gleich dreimal in drei Städten das "normative Profil liberaler Politik". Für Parteienrechtler Morlok ist zumindest Letztgenanntes fragwürdig: "Drei Vorträge in einer Woche - das begründet schon den Verdacht einer Kampagne."

Die anderen Parteien halten sich dagegen zurück. Weder die beiden CDU-nahen Stiftungen, die nach Konrad Adenauer und Hermann Ehlers benannt sind, noch die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung oder die Linken-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung haben wahlkampfverdächtige Veranstaltungen mit eigener Prominenz im Terminkalender.


 

Leserkommentare

 
RAFTER MAN 22.02.2012 09:26
Schmierig

Tja.. so läuft das schmierige Geschäft mit unserem Geld nunmal.

Was mich mal interessieren würde, ist z.B. warum keiner unserer Abmahnanwälte die SPD abmahnt. Seit Monaten schon verfügt die Flensburger SPD-Seite über kein gültiges Impressum:

www.spd-flensburg.de bzw.

www.spd-flensburg.de/nord/index.php

Unser einer würde schon beim Aufbau der Seite eine Abmahnung bekommen, wenn nicht sofort ein Impressum vorhanden ist.

Alle sind gleich, nur manche sind Gleicher ...

TIMO SVENSEN 22.02.2012 10:29
Na ja

Die Albig-Steinbrück-Veranstaltung ist schon erklärungsbedürftig, aber ob es etwas mit "Wahlkampf-Kampagne" zu tun hat, wenn der politische Altenteiler Wolfgang Gerhardt irgendwelche Grundsatz-Vorträge zum Liberalismus hält, ist doch sehr zweifelhaft. Küsten-Zampano Kubicki dürfte sich für solche "Wahlkampf-Hilfe" jedenfalls herzlich bedanken.

Wenn hier überhaupt eine Kampagne zu erkennen ist, dann wohl die des shz-Verlages für eine schwarz-grüne Koalition nach der Landtagswahl :-)))

GEGEN JEDEN EXTREMISMUS 22.02.2012 10:52
Geschmäckle...

Wow... genau 2 Kommentare hat es gedauert und es geschieht, was immer in diesen Fällen passiert: die Relativierung von Machenschaften bei SPD und Grünen, die CDU und FDP um die Ohren geschlagen werden würde. Naja, in diesem Fall kann die FDP sich freuen, dass sie mit der alten Dame SPD gemeinsam in diesem Artikel ihren Auftritt feiert; so wird es diesmal glimpflich verlaufen.

Das Fördern politischer Stiftungen mit Steuermitteln ist ohnehin grenzwertig. Oftmals dienen diese hauptsächlich der Allimentierung "verdienter" Politiker - also solcher, die nie aufgemuckt und im Parlament stets die Hand im richtigen Moment gehoben haben und trotzdem (oder deshalb?) aus dem Bundestag gewählt wurden. Das offene Betreiben von Wahlkampfhilfe besitzt dann aber deutlich mehr als nur ein "Geschmäckle". Und vorallem ist es ein Verstoß gegen ein BVG Urteil - das aber wieder einmal ohne Konsequenzen bleiben wird.

PETER DEMOKRAT 22.02.2012 13:57
Illegale Wahlkampf-Hilfe durch SHZ und Morlok? Oder einfach nur Unwissenheit?

Weder der Redaktion der SHZ, noch dem zitierten „Experten“ sind offenbar die Kriterien politischer Bildung und das Selbstverständnis aller politischen Stiftungen in Deutschland bekannt. Anders sind eine so nicht haltbare Position und ein zugleich absurder Gedanke einer politischen Wahlkampfunterstützung nicht zu erklären.

Wenn politische Bildung in Wahlkampfzeiten nicht stattfinden darf, hieße das letztendlich ein Verzicht auf politische Bildung und Information für die Bürgerinnen und Bürger.

Gern möchte ich zur Aufklärung der „Unwissenden“ beitragen und auf das gemeinsame Positionspapier aller politischen Stiftungen in Deutschland zu ihrer Bildungsarbeit hinweisen:

Die Bildungsarbeit der Politischen Stiftungen in Deutschland
Berlin, 13. Juli 2011
Link: www.kas.de/wf/doc/kas_23391-544-1-30.pdf

GEGEN JEDEN EXTREMISMUS 22.02.2012 15:14
@PETER DEMOKRAT

Und dieses Selbstverständnis steht über der Rechtsauffassung des BVG? Dann lesen sie einmal gründlich: www.servat.unibe.ch/dfr/bv073001.html

FRANK DZIALLAS 22.02.2012 16:52
??????

Gesetze gelten nur für das Volk, die Regierenden und alle die Ihnen "nahe stehen" stehen über den Gesetzen. Und das gilt aussnahmsweise mal für alle Parteien. Was das BVG entscheided scheint niemanden zu jucken.



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