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Zugdrama in Stormarn
Hunderte im Zug steckengeblieben - Bahn entschädigt
Weil der Strom wohl infolge eines Kurzschlusses ausfiel, ging die Reise für den Zug nicht weiter. Foto: dpa
Stundenlang hingen 500 Passagiere eines Regionalexpress bei Tremsbüttel (Kreis Stormarn) fest. Wegen eines Oberleitungsschadens war ihr Zug in der Nacht zu Freitag auf offener Strecke zwischen Bargteheide und Bad Oldesloe stehen geblieben. Nach etwa 30 Minuten waren die Batterien leer: Das Licht ging aus, die Heizung versagte, Informationen Mangelware, stattdessen verriegelte Türen, schlechte Luft - und weil die Spülung nicht funktionierte, wurden auch die Toiletten abgeschlossen. "In manchen Abteilen ist Panik ausgebrochen", schildert Stefan Rohlf (22) die Stunden im Zug: "Da wurden Türen aufgebrochen und die Leute liefen weg."
In der Gegenrichtung von Lübeck nach Hamburg fuhren weiter Züge. Doch die Passagiere in der gestrandeten Bahn warteten vergeblich. Wegen technischer Probleme konnte die Diesellok aus ihrem Hamburger Bahnhof nicht verlassen. Stunden verrinnnen, und genau das führt zu heftiger Kritik.
Abschleppen hat Priorität
"Die Bahn will nicht, dass die Leute auf freier Strecke aussteigen. Aber sie darf nicht so lange warten, bis die Fahrgäste aus Verärgerung selber handeln", sagt Stormarns Kreiswehrführer Gerd Riemann. "Es hätte längst ein Betreuungstrupp angefordert werden können, der mit heißem Tee durch den Zug geht." Doch genau das wollte die Bahn offenbar verhindern. Sprecher Egbert Meyer-Lovis: "Sobald Rettungskräfte an den Zug wollen, muss die Strecke voll gesperrt werden." Priorität habe deshalb, dass der Zug abgeschleppt wird. Schuldbewusst räumt Meyer-Lovis ein: "Das hat einfach viel zu lange gedauert."
Stormarns Landrat Klaus Plöger ist verärgert: "Wir haben von der Bahn überhaupt nichts erfahren, unsere Leitstelle musste die Bahn kontaktieren, weil uns die Polizei angerufen hat." Markus Hilchenbach, Chef der Leitstelle wird noch konkreter: "Die Kommunikation mit der Bahn ist stark verbesserungswürdig. Es kann nicht sein, dass wir uns massiv um Informationen bemühen müssen." Insgesamt waren 130 Rettungskräfte im Einsatz, fünf Passagiere mussten notärztlich behandelt werden. "Ein Mann ist kollabiert, inzwischen geht es ihm besser", sagte Notarzt Dr. Sven Günow am Einsatzort.
Verband: Bahn hat "wieder einmal" versagt
Thomas Rettmer vom Fahrgastverband Pro Bahn warf der Bahn vor, "wieder einmal" versagt zu haben: "Es ist sehr fahrlässig, wenn man die Menschen im Zug wie im Gefängnis stundenlang sitzen lässt ohne Licht. Angesichts der Ängste wegen der jüngsten Terrorwarnungen dürfte das für viele Menschen im Zug eine gruselige Situation gewesen sein - nicht alle sind nervenstark", sagte Rettmer vom Regionalverband Lübeck und Umgebung des Fahrgastverbandes.
Laut Rettmer ist es unverständlich, dass die Bahn trotz des vergangenen harten Winters auch in diesem Jahr nicht mit widrigen Wetterverhältnissen klarkomme. "Für solche Fälle muss es einen Plan B geben und das Personal hierfür geschult sein." Bei einem Krisengespräch am Freitag zog die Bahn erste Konsequenzen.
Bundespolizei erst zwei Stunden später informiert
Auch Gerhard Stelke, Sprecher der Bundespolizei übt Kritik: "Es hätte nicht zur Eskalation kommen müssen. Wir sind erst zwei Stunden nachdem der Zug stehen geblieben ist, informiert worden - da muss man hinterfragen ob das sinnvoll war."
Die Bahn sieht ihre Schuld ein. Egbert Meyer-Lovis Freitagabend: "Jeder Kunde, der vier Stunden in dem Zug gesessen hat, bekommt 250 Euro Entschädigung." Die Ansprüche können per Mail unter ran-schleswig-holstein@deutschebahn.com geltend gemacht werden.
Leserkommentare
Es wäre auch interessant zu erfahren, wo denn noch eine Diesellok für solche Fälle einsatzklar gehalten wird. Die Anfahrtstrecke war sicher etwas länger, denn ich vermute, dass da auch wieder Einsparungen eine Rolle spielen.
Diejenigen, die eine Elektrifizierung der Marschenbahn bis nach Sylt fordern (warum eigentlich?), sollten sich dieses Beispiel mal vor Augen führen. Ein wegen Stromausfall auf dem Hindenburgdamm liegen gebliebener Zug mit hunderten Fahrgästen ist sicher ein interessantes Einsatzszenario, vor allem bei entsprechendem Wetter.
macht es sich sehr leicht: 250,- Entschädigung und das Thema ist durch. Die Durchsage wurde mit Sicherheit gemacht: "Und hier ist Schluss, meine Damen und Herren".
Eines klappt bei der Bahn wirklich: Verspätungen und Erhöhung der Fahrpreise-
ansonsten kann man diesen Haufen langsam verschrotten
in Form von Dieselloks wird in Lübeck wie in Hamburg vorgehalten. Da der Zug in der Mitte liegengeblieben ist, Anfahrt aus beiden Richtungen ca. 30 Min. Die Loks konnten aber wegen "technischer" Probleme (sprich. mangelnde Wartung) nicht ausfahren, vielleicht waren aus Kostengründen auch keine Lokführer vorrätig?
Interessant wäre auch, wie mit den Fahrgästen in Hamburg, welche sich auf dem Bahnsteig den Arsch abgefroren haben, verfahren wird.
Und mit den Fahrgästen des nachfolgenden Regionalzuges, welche in Ahrensburg mit den fürsorglichen Worten "Bitte nehmen sie sich ein Taxi" ausgesetzt wurden. Sicher ganz hilfreich bei einer Kleinstadt mit einer vermuteten Taxenstärke von 20-30 Fahrzeugen, die nur auf abgekippte Bahngäste warten und ihre eigenen Touren gern hintenanstellen.
Heute in Flensburg.Frage:" fährt der Regional" Express" von Flensburg nach Kiel pünktlich?" Antwort DB: "Ja, nur die Abfahrt wird sich einen Moment verzögern." Frage:" Wieviel Minuten beinhaltet der Moment?" Antwort DB:" so ca. 10 Minuten." Antwort: Danke, fährt also pünktlich, verzögert sich aber um 10 Minuten. Am Bahnsteig verzögert sich die Ankunft des Zuges aus Kiel noch einmal um 10 Minuten( ohne Info) dann eine Ansage: "Der Regional " Express" ( allein schon die Bezeichnung" Express" ist doch ein Witz) aus Kiel verspätet sich wegen eines Defektes um ca. 10 Minuten." - Hohn und Gelächter. Ich weiß nicht wieviele Reisende am Bahnsteig standen, aber es waren einige und alle haben 30 Minuten sinnlos in der Kälte stehen müssen. Ich habe es neulich schon einmal geschrieben, früher hat die Bahn mit:" Die Bahn fährt immer" geworben , heute ist die Bahn in meinen Augen : "EIN WITZ," leider bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Mit der Hoffnung auf Besserung und mit freundlichen Grüßen Eckhard Schlüter ha!
Zwischen Tarp und Schuby ging vorgestern zwischen 17:30 und 02:30 auch nichts mehr. Wer entschädigt die Aut(omobil)isten?
Wir sollten uns lieber fragen, wieso es im vergleich zu früheren jahren zu sovielen Problemen kommen kann. Es fehlt einfach an Leuten, die Verantwortung übernehmen und handeln. Und da scheint die Bahn ein erstes Problem zu haben.
Der Bahnsprecher sagt: "Jeder Kunde, der vier Stunden in dem Zug gesessen hat, bekommt 250 Euro Entschädigung." Heißt das, dass alle, die ihrem Fluchtinstinkt gefolgt und auf den Gleisen gelaufen sind, nichts bekommen? Außer vielleicht sogar noch einer Anzeige wegen Gefährdung des Eisenbahnverkehrs? Unglaublich!
Man traut sich ja schon fast nicht mehr mit der Bahn zu fahren. An Schrottreife Züge und Bahnhöfe fast ohne Personal hat man sich ja schon gewöhnt. Wenn dann noch etwas unvorhergesehenes passiert, ist mit dem schlimmsten zu rechnen. Die Bahn hat einen öffentlichen Versorgungsauftrag zum sicheren und bezahlbaren Transport von Menschen zu erbringen. Dafür wird die Bahn zusätzlich zu den Fahrpreisen mit hohen Steuermitteln finanziert. Die Politik muss die Bahn-Verantwortlichen zu einer besseren Qualität und Notfall-Vorsorge zwingen.
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will der Notfall-Einsatzleiter der Bahn vor Ort ? Bilder machen ??
Hatte sich das Personal in Form von Lokführer und Zugbegleitern schon in Sicherheit gebracht, daß man die Entscheidung eines Sachkundigen vor Ort braucht, um einen Zug abzuschleppen?
Allmählich wird mir klar, warum es fast drei Stunden braucht, bis Rettungskräfte vor Ort und eine Ersatzlok mobilisiert werden.