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AWO Neumünster
Abkassiert mit Ein-Euro-Jobbern?
Dieser Vorwurf steht nach einem Bericht von NDR Info im Raum. Zwar wies der AWO-Landesverband den Vorwurf der Abzocke, den der Sender erhoben hatte, zurück - bestätigte jedoch, dass die AWO Wohnpflege und Service GmbH den Senioren Leistungen mit acht Euro pro Stunde in Rechnung stellt.
Nur 1,25 Euro erhalten dagegen die eingesetzten Kräfte. Die Differenz diene zur Deckung von Kosten für Anfahrten, verwendete Putzmittel - aber auch für die Einsatzkoordination der Kräfte. Genau dafür jedoch kassiert die AWO auch ein monatliches "Regiegeld" von etwa 200 Euro von der Bundesagentur für Arbeit - für jeden einzelnen der Ein-Euro-Jobber.
Wirtschaftsexperten kritisieren laut dem Hörfunkbericht die Praxis der AWO. Der Sozialverband verhalte sich bei der Vermittlung dieser Jobs wie eine Zeitarbeits- oder Leihfirma. "Wir sind hellhörig geworden. So, wie es bisher dargestellt wird, dürfte es nicht laufen", bestätigte Andrea Julke, Sprecherin der Arbeitsagentur in Neumünster, gegenüber shz.de.
AWO: Stundenlohn ist angemessen und üblich
Die AWO wies die Vorwürfe zurück. Die Vermittlung und Betreuung der Helfer sei sehr aufwändig, daher sei der Stundenlohn von acht Euro zusätzlich zum Regiegeld angemessen und üblich.
Ein-Euro-Jobs sollen den Betroffenen helfen, wieder in einen regulären Job zurückzufinden - sie sollen diese regulären Arbeitsplätze aber nicht gefährden. "Deshalb gelten für Ein-Euro-Jobs zwei Kriterien: Zusätzlichkeit und Gemeinnützigkeit", sagte Dr. Horst Schmitt, Pressesprecher der Arbeitsagentur Regionaldirektion in Kiel, gegenüber shz.de. Ob diese Kriterien bei den Betreuungsstellen in Neumünster erfüllt sind, insbesondere, ob sie zusätzlich geschaffen wurden, sei zu klären.
Arbeitsministerium in Berlin eingeschaltet
Die Arbeitsagentur in Neumünster hat eine zweiköpfige Prüfgruppe eingerichtet. Man warte den Untersuchungsbericht ab, sagte Arbeitsagentur-Sprecher Schmitt in Kiel. Unterdessen hat allerdings auch das Bundesministerium für Arbeit angekündigt, das Vorgehen der AWO überprüfen zu wollen. Ob es in anderen AWO-Landesverbänden ähnliche Vorfälle gebe, sei unklar.
"Öffentliche Gelder dürfen weder zweckentfremdet, noch zur persönlichen Bereicherung verwendet werden", sagte die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Kieler Landtag, Marret Bohn. Insbesondere Sozial- und Wohlfahrtsverbände sowie gemeinnützige Einrichtungen hätte eine besondere Verpflichtung, mit Zuschüssen und Einnahmen sorgfältig umzugehen und transparent zu wirtschaften. "Einen Stundenlohn von acht Euro beim Kunden zu erheben, den Arbeitnehmer aber nur 1,25 Euro auszuzahlen, das passt nicht zusammen und das kann niemand verstehen."
Leserkommentare
Erstaunlich, daß mal in der Öffentlichkeit darüber berichtet wird, gibt es unterschiedlichster Form, nicht zu ersten Mal - sehr zum Schaden der steuer- und Sozialabgaben zahlenden Unternehmen und Handwerksbetriebe.
....wenn die Zivis wegfallen.
So ist Hartz IV. Wer war noch Peter Hartz? Eine unglaubliche Schweinerei die sich täglich abspielt. Aber wo kein Kläger, ist auch kein Angeklagter.
Vielleicht sollte man die Praxis doch etwas präzieser durchleuchten, ein Drittel der Ein- Euro Jobber wäre morgen wieder auftragslos!!! Das kann und das darf es nicht sein, das ist verfehlte Sozialpolitik!!! Mit freundlichen Grüssen Holgi - Der Demokrat
Das ist eine der größten "Schweinereien" der letzten Jahre. Hatz IV Empfänger dürfen nur in zusätzliche soziale Arbeitsverhältnisse vermittelt werden. Diese Personen jetzt als Putzkräfte und Haushälter einzusetzen widerspricht den geltenden Regeln. Hier wird ganz bewusst und vorsätzlich gegen Gesetze verstossen. Die zuständigen Stellen sollten jetzt zügig die Bücher der AWO prüfen und kontrollieren wohin das Geld geflossen ist. Wenn nicht tatsächlich ALLE Gelder in Arbeitsmaterialien (warum eigentlich) investiert wurden, dann waren es Gewinne und der AWO sollte dann in Neumünster der Status der Gemeinnützigkeit aberkannt werden. Das hat nichts mit sozial zu tun. Egal wie die AWO Oberen jetzt agumentieren. Überall in Deutschland funktioniert es, nur nicht in NMS.
Die "abgezockten" Personen sollten jetzt umgehend das gezahlte Geld zurüchfordern.
Wie kann zB eine NAN langfristig Bedarf in der Region für 500 Ein-Euro-Jobber ankündigen, und gleichzeitig die "Zusätzlichkeit" dieser Jobs nachweisen? Sind die EEJer, die Laub in den öffentlichen Parks aufharken, wirklich nur gemeinnützig beschäftigt, oder werden sie auch bei Aufträgen von Privatleuten eingesetzt? Kann sich die Kibis wirklich keine geringfügig beschäftigte Arbeitskraft mehr leisten, so dass die Büroarbeit jetzt zu einem Ein-Euro-Job mutieren musste? Haben die Frauenhäuser jetzt soviel mehr Arbeitsaufkommen, dass ehrenamtliche Kräfte nicht mehr ausreichen und eine EEJ-Telefonistin eingesetzt werden muss?
Die gemeinnützigen Institutionen bekommen doch die günstigen Jobber von der ARGe hinterher geworfen, davon zu profitieren ist und bleibt unmoralisch, aber die Prüfung der Gemeinnützigkeit obliegt den ARGen. Und dass diese nur mit Zahlen an den Menschen vorbei arbeiten, dürfte kein Geheimnis mehr sein.
Alter Hut: Ich weiß, dass soziale Träger, die 1-Euro-Jobber beschäftigen von der ARGE für jeden 500 Euro bekommen. d.h. der Arbeiter kriegt für 80 Std. Arbeit 120 Euro mtl. und der gute Verdienst für die Träger = 380 Euro. SuperSchnäpple, schade, dass das solange keiner geschnallt hat.
Das treibt natürlich die Kosten für Hartz IV in die Höhe plus Vermittlungsgutschein für Personalvermittler, Qualifizierungen, meist sinnfrei und und und ....
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Das ist doch nichts neues und läuft schon seit Jahren so. Und nicht nur im Bereich der Pflege, sondern z. B. auch bei Bauhelfern und Recyclingarbeitern. Wurde ja mal Zeit, daß endlich jemand darüber stolpert. Glückwunsch.