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Vertrauliche Geburt
Experten fordern Aus für Babyklappe
Kinder, die in einer Babyklappe abgelegt werden, erfahren selten etwas über ihre leiblichen Eltern. Der Ethikrat kritisiert das. Foto: dpa
Kiel. Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Edzard Schmidt-Jortzig (FDP), hat sich für eine Einstellung der Babyklappen in Deutschland ausgesprochen. Aktueller Anlass ist die Absicht von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), ein Gesetz zur vertraulichen Geburt auf den Weg zu bringen. Dadurch würden Vorrichtungen zur anonymen Abgabe Neugeborener überflüssig, argumentiert Schmidt-Jortzig.
"Es gibt einen dringenden Bedarf für ein solches Gesetz", verdeutlichte der in Kiel lebende Jura-Professor und einstige Bundesjustizminister. Sowohl für die Schwangeren als auch für das medizinische Personal in Frauenkliniken müsse endlich Rechtssicherheit geschaffen werden. "Derzeit gehen bei einer anonymen Geburt alle Beteiligten ein strafrechtliches Risiko ein - etwa wegen Personenstandsunterdrückung oder Verletzung der Fürsorgepflicht", unterstreicht Schmidt-Jortzig. Schröder beabsichtigt ein Gesetz, das "den Müttern für eine gewisse Dauer die Anonymität der Daten garantiert, damit sie Zutrauen in die Schutzsphäre der vertraulichen Geburt bekommen". Gleichzeitig "hätten die Kinder so ab einem gewissen Alter die Chance, ihre Identität festzustellen".
Ethikrat betrachtet Babyklappen kritisch
Sollte ein Gesetz zur vertraulichen Geburt Wirklichkeit werden, "braucht es die Babyklappen nicht mehr", schlussfolgert der Vorsitzende des Ethikrats. "Deshalb sollte man sie dann auch einstellen."
Dem Deutschen Ethikrat sind die Klappen ein Dorn im Auge, "weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen" und Entbindungen außerhalb von Kliniken jenseits medizinischer Standards förderten. Zudem legten die bisherigen Erfahrungen nahe, "dass Frauen, bei denen die Gefahr einer Tötung oder Aussetzung des Neugeborenen besteht, von diesen Angeboten nicht erreicht werden".
314 Kinder blieben anonym
Das suggeriert auch eine neue Studie des Deutschen Jugend-Instituts im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Demnach kamen seit Einführung der ersten Babyklappen vor zehn Jahren 973 Kinder in Deutschland anonym zur Welt. Davon wurden 625 Kinder anonym geboren, knapp 278 in eine Babyklappe gelegt und weitere 43 Kinder anonym übergeben. 314 Kinder blieben dauerhaft anonym, also ohne Angaben über ihre Eltern.
Im Norden gibt es Babyklappen in Kiel, Lübeck, Reinbek, Pinneberg, Hamburg-Altona, Hamburg-Wilhelmsburg und Satrupholm (Kreis Schleswig-Flensburg), die letzten drei betrieben vom Verein "Sternipark".
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