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Internet-Betrug

"Ermittlungsverfahren gegen Sie"

15. Oktober 2010 | 14:04 Uhr | Von Oliver Havlat

Vorsicht vor betrügerischen E-Mails von "giese@rechtsanwalt-giese.info" oder "zahlung@rechtsanwalt-giese.info". Foto: shz.de

Eine neue Betrugswelle rollt durchs Netz. Dabei wird die Identität eines Hamburger Anwalts missbraucht. Die Kripo ermittelt.

Eine neue Betrugswelle rollt durchs Internet - mit einer ganz alten Masche. "Ermittlungsverfahren gegen Sie" ist der Betreff der E-Mail, die tausende Internet-Nutzer in Deutschland seit dem 14. Oktober erhalten haben dürften. In der E-Mail, die mit den Absendern "giese@rechtsanwalt-giese.info" oder "zahlung@rechtsanwalt-giese.info" versehen ist, werden dem Empfänger Urheberrechtsverletzungen zur Last gelegt.

In der Mail heißt es (Rechtschreibfehler eingeschlossen): "Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus im sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. […] Durch das Herunterladen urherberrechtlich geschutzer Werke haben sie sich laut § 106 Abs 1 UrhG i.V. mit §§ 15,17,19 Abs. 2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht. Bei ihrem Internetanschluss sind mehrere Downloads von musikalischen Werken dokumentiert worden."

"Hände weg davon!"

Um "hohe Geldstrafen und Gerichtskosten" zu vermeiden, bietet der angebliche Anwalt an, die Angelegenheit außergerichtlich zu lösen: Der Empfänger solle für 100 Euro an einer Tankstelle eine Guthabenkarte des Internet-Bezahldienstes UKASH kaufen und den Code zugunsten der Rechtsanwaltskanzlei einlösen.

"Hände weg davon!", sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. "Auf keinen Fall darauf einsteigen. Das ist eine ganz alte Masche." Betrüger versuchten mit dieser Methode die Angst der Menschen vor Abmahnungen und teuren Gerichtsprozessen im unübersichtlichen Bereich des Urheberrechts auszunutzen.

"Der Weg des Geldes wird verschleiert"

Interessant sei dabei die gewählte Bezahlmethode über den eigentlich seriösen Bezahldienst UKASH: "Mit diesem Bezahlsystem wird der Weg des Geldes verschleiert", sagt Hagen. "Wenn der Betrüger das Geld über dieses System auf ein Konto im Ausland schickt, kann ein deutscher Staatsanwalt nicht darauf zugreifen."

Dass die Urheber der Betrugswelle im Ausland sitzen, zeigt auch die Domain, von der aus die Mails verschickt werden: "rechtsanwalt-giese.info" wurde anonym registriert, die Website laufe auf einem Server in Moskau, gibt der Dienst "abmahnwahn-dreipage.de" auf seiner Seite bekannt.

Den Anwalt gibt es wirklich

Den Anwalt Florian Giese in Hamburg gibt es wirklich. Nur ist der nicht Urheber der Mails, sondern selbst ein Opfer – in diesem Fall eines Identitätsdiebstahls. Er habe bereits Strafanzeige erstattet, die Kripo Hamburg ermittle, heißt es auf der Website der Kanzlei.

Obwohl nicht neu, seien diese Betrugsversuche oftmals noch sehr erfolgreich, sagt Verbraucherschützer Thomas Hagen: "Wir vermuten - im Zusammenhang mit anderen Vorgängen -, dass diese Leute mitunter zigfache Millionäre geworden sind." Bei Zweifeln an der Echtheit angeblicher Anwaltspost rät er dazu, sich bei der Verbraucherzentrale beraten zu lassen.

Allerdings warnt er auch: "Urheberrechtsverletzungen sind kein Kavaliersdelikt!"

 


 

Leserkommentare

 
DER SEHER IM STURM 15.10.2010 19:08
Törööööö

Nu aber mal wirklich.... wer auf so etwas reinfällt, der ist doch mit der Muffe gepudert. Gibt es wirklich solche Trottel, die auf so eine Mail Geld an der Tanke überweisen??? Ich werd sofort in das Geschäftsmodell einsteigen !!!!! Wie blöd kann man bitte sein? Fassungslos überweist der Seher mal 100 Euro an sich selbst.

KAI BÜTJE 16.10.2010 12:09
...und hier die Vorversion derselben Masche

Ich möchte darauf hinweisen, dass es dieselbe Masche auch als Telefonanruf-Version gab oder wahrscheinlich noch gibt.
Vor ungefähr 2 Monaten rief mich ein angeblicher Rechtsanwalt an und erzählte mir etwas von einer angeblichen dicken Ermittlungsakte wg. illegaler Downloads und unbezahlter Rechnungen in Online-Shops gegen mich. Da ich die Kanzlei mit meiner Vertretung beauftragt hätte, wurde mir ein "persönlicher Beratungstermin" angeboten.
Überflüssig zu sagen, dass sowohl die "Ermittlungsakte" als auch der Auftrag zur juristischen Vertretung von vorn bis hinten ausgemachter Blödsinn waren. Andererseits weiß man heutzutage ja nie, ob sich jemand illegal irgendwelcher EC-Karten- oder sonstiger Kontodaten bemächtigt und damit Schindluder getrieben hat.
Also fragte ich nach, was genau mir denn vorgeworfen wird (ja ja , ich weiß, "eigentlich" soll man auf derartige Anrufe am besten überhaupt nicht reagieren). Darüber könne er am Telefon nicht sprechen, und ich müsste doch bitte unbedingt zu dem persönlichen Gespräch kommen. Inzwischen hatte ich natürlich Lunte gerochen und wollte genauer wissen, mit welchem Rechtsanwaltsbüro ich es denn zu tun hatte - die Rufnr. war natürlich unterdrückt. Hierauf sagte der Gesprächspartner dann plötzlich, sein Chef hätte ihm gerade signalisiert, in meiner Angelegenheit nicht weiter aktiv zu sein, es läge doch nichts gegen mich vor, und damit war das Telefonat zu Ende.
Damals war ich ziemlich verdattert, was das Ganze denn sollte. Nach der Lektüre des Artikels ist jetzt aber klar, worauf der persönliche Beratungstermin wahrscheinlich hinausgelaufen wäre. -
Also lassen Sie sich weder von entsprechenden Mails noch Anrufen verrückt machen!



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