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Fehmarn Open Air

Ein letztes Mal Woodstock auf Fehmarn

15. August 2010 | Von Karin Lubowski, Schleswig-Holstein am Sonntag

Jimi Hendrix machte das Festival zum Woodstock von Fehmarn.

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Nach 40 Jahren soll es ein letztes Mal aus dem Sand des Flügger Strandes auferstehen: Das Fehmarn Open Air. Einst gab hier Jimi Hendrix sein letztes Konzert. Thomas Mittelsdorf hat ihn live erlebt.

Fehmarn. Abschied vom Ort der Erinnerung: Ein letztes Mal wird in diesem Jahr das Fehmarn Open Air am ersten Wochenende im September - 40 Jahre nach dem ersten Festival - am bisherigen Standort Flügger Strand stattfinden. Danach darf die jetzige Fläche nicht mehr als Veranstaltungsort genehmigt werden, da sie von der EU zu einem Flora-Fauna-Habitat erklärt worden ist. Für die Bestager von heute ist der historische Spielort fast schon heiliges Terrain ihrer Jugendträume von Love & Peace und dessen wilderer Variante, Sex & Drugs & Rock’n’Roll genannt.

Ein Name steht wie kein anderer dafür: Jimi Hendrix. Das erste Open Air auf Fehmarn war das letzte des schon damals berühmten Guitarreros von Woodstock. Zwölf Tage später war er tot. Nun wird es endgültig still werden rund um das Denkmal, das man ihm am Flügger Strand gemeißelt hat.

"Das sollte unser Woodstock werden"

Beim ersten Festival auf Fehmarn dabei: Thomas Friedrich Mittelsdorf, der damals gerade 18 geworden war und bei seiner Großmutter in Kiel lebte. "Love & Peace auf Fehmarn, das sollte unser Woodstock werden", erinnert er sich. Woodstock-Feeling, das gehörte zu den "Jugendträumen meiner Generation". Erinnerungen an die Jahre 1969 bis 1979 sind das; von Janis Joplin und Jimi Hendrix in Woodstock bis Iggy Pop und David Bowie in Berlin; in Songs: von "Me and Bobby McGee" bis "Heroes".

Schon im Juli 1969, sagt Mittelsdorf, beim Memorial-Konzert der Rolling Stones für ihren gerade gestorbenen Lead-Gitarristen Brian Jones im Londoner Hyde Park, habe es Gerüchte gegeben, dass es nach dem Woodstock-Open-Air im August auch ein spektakuläres Love & Peace-Konzert in Deutschland geben werde. "Nach Woodstock redeten alle von Fehmarn", erinnert er sich, "Hendrix und Joplin sollten kommen, wie in Woodstock eben." Da wollte der norddeutsche Abiturient, der sich damals "echt amerikanisch nur Tom und sonst nix" nannte und die "längsten Haare aller Jungs" auf seiner Schule hatte, natürlich dabei sein. War er auch - und ganz nah dran am tödlichen Ende zweier Rock-Heroen.

"No love, no peace"

Und war es damals so schlimm, wie in vielen Medien später dargestellt? Verzweifelte Besucher, die bis zu den Knien im Schlamm versanken; Musik, die vom Sturm verweht wurde; als Ordner eingesetzte Rocker, die prügelten statt zu helfen? "Das hat es alles gegeben", sagt Mittelsdorf, "und das war nicht schön. No love, no peace. Meine bleibende Erinnerung ist aber eine andere: Als Hendrix auf die Bühne trat, kam die Sonne raus und ein Mädchen neben mir, das ein bisschen so aussah wie Janis Joplin, tat einen tiefen Seufzer der Verzückung, der alles Leid der Welt vergessen ließ."

Und Hendrix? War er nun die Inkarnation der Hippie-Vision von "free love and peace all over the world"? "Erst einmal war er ein begnadeter Gitarrist, der seinem Instrument nie zuvor gehörte Laute entlockte", erinnert sich Mittelsdorf. "Und dann war er ein etwas verrückter Bursche, immer an der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. So wie viele sich damals gerne sahen. Hendrix war also zur Projektion unserer Träume bestens geeignet." Und was ist geblieben? "Die Gewissheit, dass es besser ist, Flausen im Kopf zu haben als gar nichts", sagt Mittelsdorf.

Natürlich wird der 59-Jährige zum wahrscheinlich letzten Hendrix-Revival auf Fehmarn fahren. "Ich war ja 40 Jahre nicht da. Mal sehen, was von damals noch wiederbelebt werden kann", sagt er. Damals ging es eher ums Ableben. Im Mai, beim Festival in Cannes, hatte der Woodstock-Film Europa-Premiere gehabt. In Deutschland war "Woodstock" am Tag vor dem Fehmarn-Festival angelaufen. Als Tom Mittelsdorf elf Tage nach Hendrix’ Gig am Flügger Strand nach Hause kam, war der Film auch in Kiel zu sehen. "Nach dem ganzen Stress wegen der verpassten Schule und so" ging Tom erst einmal abends ins Kino, um sich "bei den Gigs von Hendrix und Joplin zu entspannen". In dieser Nacht starb Jimi Hendrix im Londoner Samarkand Hotel. Janis Joplin folgte ihm 16 Tage später in den Tod. Beide wurden, wie Brian Jones, nur 27 Jahre alt und begründeten so mit ihm den sogenannten Club 27.

 

Das Festival 1970
21 Bands und Solisten - nur zwei davon fielen wegen des schlechten Wetters total aus - traten vor rund 25.000 Besuchern zum ersten Fehmarn Open Air vom 4. bis 6. September 1970 an. Mal abgesehen von Superstar Jimi Hendrix waren das unter anderem auch : Ginger Baker’s Airforce, Rod Stewart & The Faces, Canned Heat, Sly & The Family Stone, Rio Reiser. Wiederbelebt wurde das Original Fehmarn Open Air im Jahre 1995 als Hendrix-Revival zu dessen 25. Todestag.

Das Festival 2010
13 Bands und Solisten werden in diesem Jahr am 3. und 4. September zum 16. und wahrscheinlich letzten Hendrix-Revival antreten. Superstars sind zwar nicht dabei, eine ordentliche Memorial-Musik soll es aber dennoch werden. Angesagt sind unter anderen: The Brew, Todd Wolfe Band, Jimmy Bowskill, Thirsty Mamas, Wolf Maahn. Alle wie immer kostenlos und open air.


 

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