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Elmshorn

Bestürzung nach Unfalltod

03. Februar 2012 | 06:50 Uhr | Von cpe

Mit einer Verschwenkung über den Steindamm wird der Radverkehr auf der Hamburger Straße Richtung Innenstadt geführt. Hier ereignete sich der tragische Unfall. Foto: cpe

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Elmshorn trauert um den engagierten Pädagogen und Schulleiter Claus Carstens. Der 58-Jährige kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Elmshorn. Geschockt, erschüttert und mit tiefer Trauer haben die Lehrer, Schüler und Eltern an der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule auf Langelohe die Nachricht vom Tod ihres Rektors Claus Carstens aufgenommen. Der Elmshorner Pädagoge war am Mittwochabend bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Carstens war gern und viel mit dem Fahrrad unterwegs. Mittwoch wollte er im Rathaus die Sitzung des Schulausschusses besuchen, denn die Gemeinschaftsschule erhielt an jenem Tag offiziell ihren neuen Namen Anne-Frank-Gemeinschaftsschule. Carstens kam nie im Rathaus an.

Fassungslosigkeit an der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule

Denn als er kurz vor 18 Uhr mit seinem Rad bei grüner Ampelschaltung den Steindamm überquerte, wurde er von einem Auto erfasst. Obwohl extra gelbe Blinklichter zur besonderen Vorsicht auffordern, übersah ihn offenbar ein 27-jähriger Autofahrer, als er von der Hamburger Straße nach rechts in den Steindamm einbiegen wollte. Der Mercedes und der Radfahrer prallten zusammen. Rettungskräfte brachten Claus Carstens ins Krankenhaus, wo er aber seinen schweren Verletzungen erlag.

Der 58-Jährige war mit seiner besonnenen, gradlinigen und freundlichen Art sehr beliebt und hatte sich mit seinem pädagogischen Engagement und seinem unermüdlichen Einsatz für "seine" Schule gerade während der weitreichenden Umbrüche in der jüngsten Vergangenheit große Verdienste und Anerkennung erworben. Entspechend wird sein tragischer Tod auch außerhalb der Schule mit Fassungslosigkeit aufgenommen. Angesichts der schrecklichen Situation hat das Kollegium es allen Schülern freigestellt, am Freitag in der Schule zu erscheinen. Am Montag und Dienstag finden die Projektpräsentationen der 9. und 10. Klassen statt, dann fällt für alle nicht beteiligten Schüler der Unterricht aus. Er beginnt für alle wieder am Mittwoch in der 2. Stunde. Die geplante Feier anlässlich der neuen Namensgebung der Schule ist abgesagt worden.

Claus Carstens hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Auf der Homepage der Schule heißt es: "Unser tiefes Mitgefühl gehört den Angehörigen". Dem schließen sich mit Sicherheit alle Elmshorner an.


 

Leserkommentare

 
JOERG BECKMANN 03.02.2012 15:52
Wenn jetzt gar nichts passiert...

Ein ganz schrecklicher Unfall, der uns Elmshorner alle, Radfahrer und Autofahrer sehr bewegt. Ja, ich hoffe auch jene Autofahrer, die selbst in der Stadt lieber mal mehr aufs Gaspedal drücken, statt an viele jener Mit-Menschen zu denken, die sich zu Fuß oder per Rad durch die Stadt bewegen. Als passionierter Radfahrer beobachte ich eine zunehmende beinahe gnadenlose Aggressivität vieler - nicht aller !! - Autofahrer. Natürlich haben sie es immer eilig, natürlich scheinen wir vergleichsweise langsamen Radler und Fußgänger eher nur Hindernisse zu sein. Wer je mal an der Elmshorner "Autobahn" ( Hamburger Straße) erlebt hat, wie der Verkehr - Motto: Tempo, Tempo! - vorbeirauscht, kann sich gut vorstellen, wie schwer es da einen Autofahrer vorkommen maq, wenn ihm dann beim Abbiegen ein Radler in den Weg kommt. Warnblkinklicht rasant übersehen...und schon prallen buchstäblich zwei Welten aufeinander! Ja, da kann ein Autofahrer oft gar nicht so schnell "umschalten", sprich begreifen, dass auch ein Radfahrer gerade "Grün" sprich "Freie Fahrt" hat. Schrecklich, ganz schrecklich, wer mag seinen Kindern denn noch sagen, "Ihr dürft jetzt fahren, wenn die Ampel euch "Gün"zeigt. Der verunglückte Lehrer hat so vernünftig gehandelt und ist nun tot. Mit anderen Worten: Wenn wir schon - dynamisch-wirtschaftlich wie Elmshorn nun mal ist - mit der Hamburger Straße eine Art "Stadtautobahn" besitzen, sollte die Vekehrführung zumindest der Quer-Wege zu dieser Schnellstraße auch entsprechend geregelt werden. Eine gelegentliche Geschwindigkeitsüberprüfung auf der Hamburger Straße, wäre auch von Nutzen. Wenn gar nichts passiert, wird bald wieder etwas pasieren!

RAPHAEL HAUGWITZ 03.02.2012 16:56
Veloroutenkonzept 2010: "sehr im Hinblick auf die Fahrdynamik dimensionierten Kreuzung"

Im Radverkehrskonzept der Stadt Elmshorn in der aktuellen Fassung heisst es im Hinblick auf diese Kreuzung, das die "sehr im Hinblick auf die Fahrdynamik dimensionierten Kreuzung" zugunsten einer fahradfreundlicheren Verkehrsführung für die Radfahrer zurück gebaut werden sollte.
Leider wissen wir seit dem 01.Februar nun genau was gemeint ist.

Doch erklärt allein eine sehr schnell durchfahrbahre Einmündung, was genau dort passiert ist? Sicher nicht, da muss man schon tiefer graben...

In der größten deutschen Newsgruppe zum Radfahren de.rec.fahrrad findet man in einem Beitrag folgendes zu Elmshorn, und zwar am 24.01.2011, also ca. eine Woche VOR dem Unfall:

"Radfahrer auf der Fahrbahn werden nicht akeptiert bzw. toleriert. Den
"normalen" Fahradfahrer auf der Straße gibt es auch schlichtweg nicht."

Ich habe die letzen Jahre auch in Köln gewohnt, bin dort sehr viel Rad
gefahren. In der Millionen-Stadt habe ich nicht ansatzweise das erlebt,
was in Elmshorn Tagesordnung ist.

In Hamburg wird zwar auch innerstädtisch sehr flott gefahren, und der
Hamburger fährt überall zweispurig, obwohl eigentlich nur eine Fahrspur
vorhanden ist. Aber es gibt immerhin recht viele Radfahrer, die doch auf
der Straße fahren.
In Elmshorn hingegen hat sich ein ganz bestimmtes Fahrverhalten
eingebürgert. Die Geschwindigkeit innerorts ist deutlich höher als in
gleich großen Städten die ich kenne. "Fremdkörper" auf der Fahrbahn,
werden nicht gedultet, und des gibt sie auch nicht obwohl die Straßen
laut Verkehrsgutachten eher "überdimensioniert" sind, also Platz genug wäre.

Als Resultat haben wir laut letzter ausgewerteter Unfallstatistik die
höchste Quote an verunglückten Kindern als Radfahrer in Deutschland!
(bei den Städten mit der gleichen Einwohnergrößenordnung).

In Elmshorn sind Unfälle mit dem ruhenden Verkehr (Türöffner) bei 2%.
Abbiege und Kreuzungsunfälle hingegen machen zwei Drittel aller Unfälle aus."

JOERG BECKMANN 03.02.2012 21:29
Die flotten PS-Athleten

Danke @ RAPHAEL HAUGWITZ : Ihre Zahlen und Zitate bestätigen mir, was ich tagtäglich in Elmshorn erlebe. Insbesondere Kinder und ältere Leute leben hier - vor allem wenn sie viel radfahren - äußerst gefährlich. Auch Ihre Beobachtung der gerade hier besonders schnell (vielleicht auch protzig) fahrenden Autofahrer sehe ich genauso. Doch die kühnen PS-Athleten werden darüber nur lachen können. Leider. Ich rufe nicht gern nach verstärkten Kontrollen der Polizei, doch hier wäre sie dringend nötig

KURT HÜBENER 03.02.2012 23:39
Die Folge der "falschen Seite"?

Bisher musste ich einfach etwas lächeln, wenn genau von diesem Medium grob fahrlässig über das Thema "Radfahrer auf der "flaschen" Seite" referiert wurde - nun scheint man lesen zu können, was die "richtige" Seite für folgen haben kann. Die Leute sterben nicht beim Fahren auf der vermeintlich "falschen" Seite. Sie werden beim (sinnlosen) überqueren der Fahrbahn getötet. Genau an der Stelle kann man mich regelmäßig auf der "falschen" Seite ertappen und ich spare damit zwei Querungen. Seit vorgestern zwei Chancen, getötet zu werden. Liebe EN, vielleicht denkt ihr ja nochmal über die "falsche Seite"-Hetze nach.

ANDRÉ BOCKWOLDT 04.02.2012 02:58
Kommentar Herr Beckmann und Herr Haugwitz

Ich schliesse mich Ihnen an. Ein Tip an die Elmshorner Polizei. Überprüfen Sie einmal Rotlichtsünder aus Horst, Richtung Elmshorn, an der Kreuzung Flamweg/Gärtnerstraße (eine Grundschule ist ca. 200m entfernt) oder die Kreuzung Schulstraße/Holstenstraße in Richtung Berlinerstraße. Obwohl der Fußgänger grün hat, rauschen viele Autofahrer/innen bei tiefrot drüber. Ich verlange mehr Blitzkontrollen der Polizei im Innenstadtbereich von Elmshorn Aber wahrscheinlich kommt nichts dabei heraus, da schon einen Tag zuvor die "Blitzaktion" im Radio bekannt gegeben wird. Also bleibt alles beim alten.



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