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Das neue Haithabu
Eintauchen in die Welt der Wikinger
Schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Dänemarks Kulturminister Per Stig Møller hinter einer Vitrine mit dem Modell eines Wikingerbootes. Foto: dpa
Haithabu. Wikingerstadt. Diese beiden Worte allein sorgen dafür, dass sich vor dem inneren Auge der Schleswig-Holsteiner, der Deutschen, ja der Europäer ein Film abspielt. Männer mit langen Haaren und Bärten, mit Felljacken an den Leibern, Frauen mit filigranem Schmuck um den Hals. Riesige lang gezogene Holzboote, die mit dem Wind durch hohe Wellen segeln, am Bug ein Majestätischer Drachenkopf, der in die Luft ragt. Am Ufer warten Händler, Fernreisende und Einheimische. Handwerker fertigen Produkte aus Bronze, Glasperlen und Geweih, aus der Ferne ist Marktgeschrei zu hören, nebenan wird ein Ochsenkarren über den sandigen Boden gezogen.
Diese Szenen entspringen nicht einem fiktiven Film, einer Fantasie. Sie sind kein Hirngespinst, sondern Ergebnis jahrzehntelanger Forschungen. Diese Welt der Wikinger ist ab sofort erlebbar und nachvollziehbar - im neu gestalteten Haithabu-Museum. Ein halbes Jahr lang war die Dauerausstellung wegen Umbauarbeiten für Besucher geschlossen, gestern ist sie offiziell wiedereröffnet worden. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Dänemarks Kulturminister Per Stig Møller durften als erste Besucher das neu gestaltete Museum unter die Lupe nehmen.
Sinnlichkeit statt Schaukästen
Rund vier Jahre lang arbeiteten die Wissenschaftler des Landesmuseums für Archäologie sowie Alexander Minx und sein Team des Stuttgarter Planungsbüros "Space 4" an einem neuen Konzept und an einer neuen Präsentation. Im Winter wurde das Gebäude entkernt und umgestaltet. Mehr als 3000 Exponate wurden zunächst ausgeräumt, gegebenenfalls restauriert, neu sortiert und nach dem 2,1 Millionen Euro teuren Umbau wieder eingeräumt.
"Wir wollten das Museum an die Sehgewohnheiten des 21. Jahrhunderts anpassen", sagt Prof. Claus von Carnap-Bornheim, Leiter des Landesmuseums für Archäologie. Das bedeutet: Sinnlichkeit statt Schaukästen, Erleben statt Betrachten. Das ist das neue Credo an dem geschichtsträchtigen Ort nahe Schleswig, der in der Wikingerzeit ab etwa 840 nach Christus einer der bedeutendsten Siedlungs- und Handelsplätze Nordeuropas war.
Das neue Museum ist kaum wiederzuerkennen
24 Jahre lang blieb das im Stil einer wissenschaftlichen Schausammlung gestaltete Dokumentationszentrum unverändert. Die Forschung stand im Vordergrund. Das ist jetzt anders: "Wir wollen eine Geschichte erzählen", sagt Museumsleiterin Ute Drews. Wie entlang eines roten Fadens wird man in Form eines Rundgangs durch das Museum geleitet. "Unsere Besucher sollen das Faszinierende an der Wikingerzeit erkennen und in diese Welt eintauchen können", erklärt von Carnap-Bornheim.
Das neue Museum ist kaum wiederzuerkennen. Der Besucher wird unter einem neuen Glasdach empfangen, auch die Abfolge der fünf wabenähnlichen Hallen des Gebäudekomplexes hat sich verändert. Die einzelnen Räume des Hauses am Haddebyer Noor sind nun thematisch geordnet, jedes Thema unterscheidet sich in seiner dargestellten Form von dem anderen. "Jede Wabe ist ein neuer Erlebnisraum", erklärt Drews.
"Eindruck machen vor allem die Geschichten"
In Wabe 1 nähert sich der Besucher der Stadt an, in Wabe 2 erlebt er Handwerk und Lebenswirklichkeit in der Stadt, in Wabe 3 werden ihm Herrschaftsbeziehungen und Religion vermittelt, Wabe 4 zeigt Haithabus Handelsverflechtungen auf, und Wabe 5 widmet sich dem Hafengeschehen. Damit die Besucher nicht allzu abrupt aus der Welt der Wikinger in die Gegenwart zurückgeschubst werden, ist der Rundgang zudem so konzipiert, dass sich ein Abstecher zu den nachgebauten Wikingerhäusern innerhalb des Halbkreiswalls anschließt.
Ein interaktives Stadtmodell, spezielle Licht- und Tontechnik, die die Schrift der Runensteine entschlüsseln oder zahlreiche Flachbildschirme: Multimedia und Technik gehören zur neuen Ausstattung des Museums. "Es ging nicht darum, um jeden Preis neue Medien einzusetzen", sagt Drews. Deswegen sei damit im ganzen Museum sparsam umgegangen worden. "Eindruck machen vor allem die Geschichten, die man zu Haithabu erzählen kann", ergänzt Dr. Ralf Bleile, Vize-Direktor des Archäologischen Landesmuseums, unter dessen Leitung die Modernisierung umgesetzt wurde.
Viel Arbeit liegt nun hinter den Museumsmachern. Dass diese sich gelohnt hat, daran besteht kein Zweifel. Fehlen nur noch die Besucher. Von Carnap-Bornheim erhofft sich regen Zuspruch durch die Gäste: "Wir möchten vor allem wache Menschen ansprechen, die dann erkennen, dass Archäologie etwas Modernes, nicht verstaubt und antiquiert ist."
Das Wikingermuseum Haithabu ist ab heute bis zum 31. Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
- Links:
- Wikinger-Museum
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